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Kinderprojekt „Annas Geburtstag“ – wenn Alkohol Familien zerstört

am Donnerstag, 22. Oktober 2015

In Deutschland leben rund 2,6 Millionen Kinder mit einem suchtkranken Elternteil. Oft entwickeln sie psychische und soziale Störungen. Um Kinder zu unterstützen und stark zu machen, entwickelte der Verein „Kunst gegen Sucht“ in Kooperation mit den Guttemplern in Nordrhein-Westfalen das Projekt „Annas Geburtstag“. Die Geschichte handelt von dem Mädchen Anna, das mit ihrer suchtkranken Mutter und ihrem kleinen Bruder zusammen lebt. Beschrieben wird, welche Schwierigkeiten Anna im Alltag bewältigen muss. Die Erzählung erreicht ihren traurigen Höhepunkt, als die Mutter ihren Geburtstag vergisst. Das Schauspiel wird an Schulen aufgeführt und richtet sich an Kinder zwischen zehn und zwölf Jahren. Die Techniker Krankenkasse (TK) fördert das Projekt im Rahmen der Selbsthilfe mit 12.400 Euro.

Die Premiere von „Annas Geburtstag“ fand Donnerstag am Luisen-Gymnasium in Düsseldorf statt. Lehrerin Evelyn Reißlandt: „Gerade in der Schule fallen Veränderungen im Verhalten der Kinder auf. Wir möchten an unserer Schule nicht nur reine Wissensvermittler sein. Die Gesundheit unserer Kinder liegt uns am Herzen und deshalb ist Prävention ein fester Bestandteil auf unserem Stundenplan.“

Das Risiko für diese Kinder und Jugendlichen, später selbst suchtkrank zu werden oder sich von einem suchtkranken Partner abhängig zu machen, ist dreimal höher als bei ihren Altersgenossen aus nicht suchtbelasteten Familien. Daria Piatkowski, 1. Vorsitzende des Vereins Kunst gegen Sucht: „Kinder denken, sie wären für ihre suchtkranken Eltern verantwortlich. Sie übernehmen häufig die Elternrolle – die eigenen Bedürfnisse fallen dabei unter den Tisch.“

Alkoholkranke Eltern gibt es in allen Gesellschaftsschichten. Andrea Hilberath, Sprecherin der TK in NRW: „Kinder trifft keine Schuld, wenn Eltern trinken. Das Schülerprojekt zeigt betroffenen Kindern Wege aus Krisensituationen, damit sie selbstbewusste und gesunde Erwachsene werden.“ Alkoholmissbrauch führt nicht nur zu seelischen Schäden sondern auch zu wirtschaftlichen: Allein für das Gesundheitswesen betragen die Kosten laut Bundesministerium für Gesundheit 7,4 Milliarden Euro.

Kinder- & Jugendmedizin Psyche & Verhalten

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