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Bochumer erforscht Entstehung und optimale Diagnostik von Dissoziativen Anfällen

Dr. Stoyan Popkirov erhält „Fakultätspreis klinische Forschung“ der Ruhr-Universität Bochum

am Montag, 16. Januar 2017

Protrait_Popkirov_AB_01Störungen des Bewusstseins, rhythmische Bewegungen von Kopf oder Rumpf, Versteifungen der Muskulatur und Zucken: Sie kommen plötzlich, sind unwillkürlich und sehen epileptischen Anfällen zum Verwechseln ähnlich, oft werden Dissoziative Anfälle (auch psychogene Anfälle genannt) daher als solche fehldiagnostiziert. Für seine wissenschaftliche Arbeit zu dieser Erkrankung erhielt Dr. Stoyan Popkirov, Assistenzarzt und wissenschaftlicher Mitarbeiter der Neurologischen Klinik (Leitung: Prof. Dr. Uwe Schlegel) am Universitätsklinikum Knappschaftskrankenhaus Bochum, jetzt den „Fakultätspreis klinische Forschung“, der von der Medizinischen Fakultät der Ruhr-Universität Bochum im Rahmen der intramuralen Forschungsförderung (FoRUM) vergeben wird. Bei dem Stipendium handelt es sich um eine einjährige klinische Rotationsstelle, die es ihm ermöglicht, mit experimentellen und klinischen Methoden den Entstehungsmechanismen und der optimalen Diagnostik von Dissoziativen Anfällen nachzugehen.

Im Gegensatz zu epileptischen Anfällen, denen eine krankhafte Aktivität großer Nervenzellverbände zugrunde liegt, haben Dissoziative Anfälle einen psychologischen Ursprung. Der genaue Entstehungsmechanismus ist bislang nicht bekannt. Etwa ein Drittel aller Patienten, die aufgrund unklarer Anfälle in Epilepsie-Zentren wie der Ruhr-Epileptologie am Knappschaftskrankenhaus untersucht werden, leiden an Dissoziativen Anfällen. Allerdings dauert es Studien zufolge in Deutschland durchschnittlich sieben Jahre vom ersten Anfall bis zur richtigen Diagnose. Im Rahmen seiner Forschungsarbeit wird Popkirov eine klinische Studie zur Ermittlung des bestgeeigneten, diagnostischen Vorgehens durchführen. Hierbei werden Patienten, bei denen Dissoziative Anfälle vermutet werden, je einem von zwei diagnostischen Abläufen zugeordnet. Am Ende wird dann berechnet, welche Untersuchungsreihenfolge am schnellsten und zielsichersten zur richtigen Diagnose führt. Anhand von weiteren Datenbank-Analysen werden die diagnostischen Wege aller in der Vergangenheit behandelter Patienten mit Dissoziativen Anfällen ausgewertet.

In Kooperation mit der LWL-Klinik für Psychiatrie, Psychotherapie und Präventivmedizin im Universitätsverbund wird der Nachwuchswissenschaftler zudem die Rolle von Emotionen und Stress bei der Entstehung dissoziativer Phänomene erforschen. Weitere Versuchsreihen zu dem Thema werden in Zusammenarbeit mit dem Institut für kognitive Neurowissenschaft der Ruhr-Universität Bochum durchgeführt. Darüber hinaus ist eine internationale Kooperation mit Wissenschaftlern der University of Edinburgh in Großbritannien vorgesehen.

Dr. Stoyan Popkirov wurde 1986 in Sofia/Bulgarien geboren und studierte von 2005 bis 2011 an der Ruhr-Universität Bochum Medizin. Während dieser Zeit absolvierte er 2009 eine Famulatur an der Klinik für Epileptologie am Universitätsklinikum Bonn sowie 2010 am Epilepsy Programme, Beaumont Hospital in Dublin. Im Jahr 2011 folgte ein Wahltertial am Institute of Neurology, Queen Square, University College London und 2014 seine Promotion zum Thema „Synaptische Plastizität und Lernen im Hippocampus – Rolle des mGlu5″ (summa cum laude). Ausgezeichnet wurde der 30-Jährige bereits 2015 mit dem medizinischen Förderpreis der „Sophia & Fritz Heinemann Stiftung“ für das Projekt „Sonographische Diagnostik des nicht-konvulsiven Status epilepticus“ sowie mit dem Studierenden-Preis der Ruhr-Universität Bochum für die beste Abschlussarbeit.

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