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13. contec forum geht erfolgreich zu Ende

Expertentagung setzt den Startpunkt zur Entwicklung innovativer Versorgungsmodelle im Pflegebereich

Contec Gesellschaft für Organisationsentwicklung mbh am 09.02.17

13_ contec forum_Plenum_Auftakt„Ambulant und stationär – wie wächst zusammen, was zusammengehört?“ Dieser Frage widmeten sich am 25. und 26. Januar rund 200 Teilnehmerinnen und Teilnehmer beim 13. contec forum in Berlin. Ergebnis der Veranstaltung waren neue Ideen und Denkansätze für zukunftsfähige Geschäftsmodelle, die die Grenzen von stationärer und ambulanter Pflege erfolgreich überwinden. Differenzen zwischen Bund und Ländern sowie den unterschiedlichen BranchenvertreterInnen sind ebenso deutlich geworden, wie die Notwendigkeit, im gemeinsamen Austausch eben diese zu überwinden.

Innovative Pflegemodelle stoßen auf politische Grenzen

Dass das BMG die Umsetzung der Pflegestärkungsgesetze erst einmal intensiv begleiten möchte, ehe neue Themen angepackt werden, machte Dr. Martin Schölkopf, Leiter der Unterabteilung „Pflegesicherung“, bei seinem politischen Eingangsimpuls deutlich. Damit legte er die Basis für intensive Diskussionen – Bund und Länder sind sich nicht grün. Denn NRW-Staatssekretärin Martina Hoffmann-Badache forderte die Bundespolitik nachdrücklich auf, die nötigen Rahmenbedingungen zu schaffen, um die stationären und ambulanten Versorgungsgrenzen weiter zu überwinden.

Dass Innovation und Veränderung aber nicht nur auf die Politik abgewälzt werden können, ist eine der Haupterkenntnisse der Expertentagung. Deutlich wurde dies vor allem durch beeindruckende Geschäftsmodelle, die von hochkarätigen Branchenvertretern vorgestellt wurden, und die Einblicke in die Möglichkeiten einer verzahnten ambulanten und stationären Pflege boten. Das Pflegemodell „stambulant“ der BeneVit-Holding in Whyl, präsentiert von Michael Barkow zeigt, wie Selbstbestimmung pflegebedürftiger Menschen durch Wahlmöglichkeiten bei der Leistungserbringung in einer stationären Wohnstruktur geschaffen werden kann.
Ein Pflegeunternehmen aus Holland, das von 4 auf 14.000 Mitarbeitende gewachsen ist, als bester Arbeitgeber von den Mitarbeitenden gewählt wurde und eine Top-Bewertung von den Kunden bekam, wurde den Teilnehmenden des contec forums durch Jos de Blok vorgestellt, der sein erfolgreiches Pflegemodell Buurtzorg präsentierte. Selbstorganisation durch kleine und unabhängige Pflegeteams und eine individuelle Nachbarschaftspflege bei hoher Kosteneffizienz sind sein Schlüssel. Jos de Blok betonte allerdings: „We built the organization based on principles of self-organization and it’s all based on trust“ – ein Gegenmodell zu der Misstrauenskultur, mit der Aufsichtsinstitutionen und die Politik der Pflegebranche hier zu Lande begegnen. Dass die Installation solcher Modelle in Deutschland derzeit noch an den gesetzlichen Rahmenbedingungen scheitert, sollte kein Hemmnis für die Branchenvertreter und -vertreterinnen darstellen: Politik und Unternehmen müssen gemeinsam eine geeignete Grundlage schaffen, um solche Projekte zu ermöglichen. Das sieht auch contec-Geschäftsführer Dietmar Meng: „Bei Lösungen muss lokal differenziert werden. Zuerst müssen die Träger agieren, dann die Politik reagieren.“ Fazit: Unternehmerische Ideen müssen handlungsleitend sein. Buurtzorg entstand, bevor die gesetzlichen Bedingungen überhaupt geschaffen waren – unsere Niederländischen Nachbarn können uns hier als Vorbild dienen.

Alle an einen Tisch – Kommunen, Kassen, Bund und Länder im Gespräch

Innovative Modelle – darüber waren sich die Teilnehmenden einig – müssen auch hier zu Lande vermehrt erarbeitet und umgesetzt werden. Die Hintergrundgespräche des ersten Forumstages boten eine gute Diskussionsgrundlage und brachten Vertreter und Vertreterinnen aus Kassen, Politik, und der Kommunalverwaltung zu gemeinsamen Gesprächen an einen Tisch. Ein Ergebnis dieser Gespräche ist so simpel wie wichtig: Lösungen können nur im Austausch mit allen VertreterInnen gefunden werden. Dies unterstreicht die Erkenntnis, dass Resignation die falsche Antwort auf pflegepolitische Unzufriedenheit ist: „Wenn die unterschiedlichen Parteien nur unter sich diskutieren, fehlt es an differenzierten Perspektiven im Diskurs. Nur im Zusammenkommen ist Innovation und Vernetzung überhaupt möglich“, betonte contec-Geschäftsführer Detlef Friedrich.

Dr. h.c. Jürgen Gohde, Vorsitzender des wissenschaftlichen Beirats des Instituts für europäische Gesundheits- und Sozialwirtschaft (IEGUS), unterstrich die Notwendigkeit eines gemeinsamen Vorankommens mit seiner Keynote, in der er die Pflege im Rahmen der sozialen Sicherung als europäischen Beitrag zum Weltkulturerbe betitelte. Ein Grund mehr, über den Tellerrand hinauszublicken und kreativ in den Austausch zu gehen.
Der Austausch über die Fachkraftquote in der Pflege bleibt kontrovers. Unter der Fragestellung „Zwingend notwendig oder maßlos überschätzt?“ diskutierten Michael Wipp, Geschäftsführer Pflege, Qualität, Politik ORPEA Deutschland sowie Dietmar Erdmeier, Bereich Gesundheitspolitik, ver.di, und Michael Meyer, Leiter Heimaufsicht Berlin in einem Trialog. Wipp äußerte Kritik: „Die Fachkraftquote basiert auf reiner Willkür und entbehrt jeder wissenschaftlichen Grundlage.“ Erdmeier sprach sich für die Fachkraftquote aus: „Je niedriger die Fachkraftquote ist, desto stärker nimmt auch die Qualität der Pflegeversorgung ab.“ Hierfür fehlt allerdings der Beweis, obwohl alle Daten in Deutschland vorliegen. Das politische Interesse an der Auswertung der Daten der Fachkraftquote und den Mängeln der Heimaufsicht und des MDK scheint nicht vorhanden zu sein. Argumentiert wird, dass Qualitätsmängel eher an der Führung als an der Fachkraftquote liegen. Dem stimmen die Experten zu, ein Prüfverfahren für diese These liegt aber noch nicht vor – die Hoffnung liegt auf den noch zu entwickelnden Personalbemessungsverfahren.

Kreativität anregen durch Kreativität

Künstlerisch begleitet wurde die Veranstaltung durch Regens Wagner. In einer Ausstellung waren ausdruckstarke Porträts von Menschen mit und ohne Behinderung zu sehen. Regens Wagner betreut in 14 regionalen Zentren mit etwa 45 weiteren Standorten in Bayern Menschen mit Hör-, Sprach- und Lernstörungen, mit geistiger und Mehrfachbehinderung, psychisch Kranke und pflegebedürftige Menschen. Die Moderation der Veranstaltung übernahm wie auch schon in vergangenen Jahren Gisela Steinhauer. Für Schmunzeln im Publikum sorgte Prof. Dr. Christian Berenzen durch seine packende Keynote, mit der er den traditionellen contec-Neujahrsempfang am 25. Januar einläutete.

Die contec GmbH bedankt sich bei allen Mitwirkenden und Beteiligten und freut sich auf ein Wiedersehen beim 14. contec forum im Januar 2018!

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