Wir können Gesundheit

Therapiehund in der Geriatrie

Zweimal pro Woche für vier Stunden

am Mittwoch, 26. April 2017

lotte2Lotte lässt hochbetagte Patienten strahlen

Stöckchen holen klappt naturgemäß gut, das Apportieren von Unterarm- Gehstützen übt „Lotte“ derzeit noch: Als ein WDR-Kamerateam dies heute an ihrem ersten Einsatztag als Therapiehund in der Geriatrie des Klinikums Dortmund drehen wollte, kam sicherlich auch noch „Lampenfieber“ bei der Labradorhündin hinzu. Denn jetzt beginnt für „Lotte“ ganz offiziell ihre Therapie-Arbeit im Umgang mit hochbetagten Patienten. Zweimal pro Woche wird sie für jeweils vier Stunden ins Klinikum kommen – zusammen mit Frauchen Gaby Kalle, die in der Geriatrie als stellvertretende Pflegebereichsleiterin arbeitet.

Um die neue, tierische „Kollegin“ vorzustellen, hier ein Steckbrief:
Name: Lotte Hunderasse: Labrador Fell: schwarz
Geboren: Mai 2015, geboren auf einem Pferdehof in Dortmund
Größe: ca. 55 Zentimeter Gewicht: ca. 30 Kilogramm
Charakter: neugierig, freundlich, menschenbezogen
Entdeckt: Als Lotte sechs Monate alt war, stellte ihre spätere Trainerin bei einem unverbindlichen Spaziergang fest, dass Lotte als Therapiehund geeignet ist. Bei Therapiehunden kommt es nämlich nicht nur auf die Rasse, sondern vor allem auf den Charakter an. Seit Ende 2015 wurde Lotte 15 Monate von einer Trainerin speziell für die Arbeit als Therapiehund ausgebildet; die Kosten für die Ausbildung, rund 7000 Euro, hat das Klinikum Dortmund übernommen. Am 22. April hat Lotte ihre Abschlussprüfung erfolgreich bestanden und ist seit dem 26. April festes Mitglied in der Akut-Geriatrie.
Fähigkeiten: Lotte kann sehr gut mit Menschen umgehen. Sie hat gelernt, Patienten zur Begrüßung anzustupsen, um ihr Interesse zu wecken, und sich bei ihrer Arbeit nicht aus der Ruhe bringen zu lassen. Sie ist darauf trainiert, nichts von anderen anzunehmen, beispielsweise keine Medikamente von Patienten. Außerdem übt sie zurzeit, einen Gehstock aufzuheben, wenn ein Patient diesen verliert.

1. Wer erhält die tiergestützte Therapie am Klinikum Dortmund?

Lotte unterstützt die Therapiearbeit mit hochbetagten und oft auch an Demenz erkrankten Menschen in der Akut-Geriatrie. Die Idee dahinter: Vielen Menschen stehen Hunde allgemein sehr nahe. Nach dem Kontakt zu Hunden fällt es ihnen deshalb oft leichter, Gefühle auszudrücken. Hunde haben zudem ein feines Gespür für die emotionale Situation von Menschen und passen ihr Verhalten daran an.
Aber klar: nicht jeder mag Hunde. Auch für Allergiker ist natürlich ein Hund nicht optimal. Das Klinikum Dortmund achtet deshalb bereits bei der Anamnese während der Aufnahme auf die individuellen Bedürfnisse der
Patienten. So wird z.B. natürlich auch kein Patient, der Angst vor Hunden hat, mit dem Therapiehund arbeiten. Deshalb bleibt auch eine von drei Stationen der Geriatrie „hundefrei“.

2. Schöne Idee, aber was bringt die Arbeit mit Tieren den Patienten?

Patienten im fortgeschrittenen Alter kämpfen in der Regel mit vielen gesundheitlichen Problemen, woraus auch Beschwerden im Bereich der Kognition und der Psyche resultieren. Ein Tier kann durch sein unbekümmertes Wesen die Psyche der Patienten und damit letztlich den Lebenswillen spürbar aufhellen. Auch das Gefühl, gebraucht zu werden und Verantwortung übernehmen zu dürfen, kann bei geriatrischen Patienten neue Energien mobilisieren – die wiederum für einen effektiveren Verlauf von Physio- oder Ergotherapie genutzt werden können.
Tiere trösten ohne Worte und helfen alleine durch ihre Nähe. Zudem ist jedes Streicheln oder jedes Bücken nach einem Wurfball eine spielerische Bewegungsübung für den Patienten. Nur Psychopharmaka zu verordnen kann kein geriatrisches Denken sein. Da die Patienten teilweise mit bis zu 15 Medikamenten in die Akut-Geriatrie kommen, versuchen die Mediziner und Pflegekräfte dort, eher die Menge an Medikamenten zu reduzieren. Dabei kann der Therapiehund mit einem alternativen Behandlungsansatz helfen.

3. Ein Hund im Krankenhaus – ist das überhaupt hygienisch?

Trotz aller Vorteile ist ein Hund in einem Krankenhaus immer noch keine Selbstverständlichkeit. Oft werden hygienische Bedenken ins Feld geführt. Dr. Ralf Jelkmann, Direktor der Klinik für Akut-Geriatrie, nimmt diese Sorgen ernst: „Wir haben in dieses Projekt die Klinikhygiene sehr eng eingebunden und können daher Entwarnung geben. Das ist hygienisch unbedenklich. Bei regelmäßigen Untersuchungen wird kontrolliert, ob Lotte gesund ist.“
Gemeinsam mit dem Gesundheitsamt Dortmund wurden Auflagen erarbeitet, deren Einhaltung kontinuierlich überprüft wird. Beispielsweise kommt Lotte durch einen Nebeneingang auf die Station und wird dort immer an der Leine geführt. Alle Patienten desinfizieren ihre Hände unmittelbar nach dem Kontakt mit Lotte.

4. Ist der Job für Lotte nicht tierisch anstrengend?

Therapiehund ist kein Vollzeitjob. Lotte ist zwei Mal pro Woche auf der Station – maximal vier Stunden am Tag. Sobald sie eine Pause braucht, macht sie auf sich aufmerksam. Außerdem kann sie sich jederzeit auf ihre Hundedecke auf dem Balkon zurückziehen.

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