Wir können Gesundheit

Erst die Sprache, dann die Musik

Hörgenuss für Menschen mit Ohr-Implantat

am Dienstag, 2. Mai 2017

DSC_5601-OGWenn taube oder hochgradig schwerhörige Menschen wieder gut hören können, ist dies für die Betroffenen eine emotionale Sensation. Ein Cochlea-Implantat (CI) ermöglicht ihnen, Sprache aufzunehmen, in einem Gespräch zu kommunizieren und dadurch wieder in einer bisher nicht erlebten Form am sozialen Leben teilzunehmen. Musik jedoch, so schön sie sein mag, ist nach solchen Operationen schwieriger zu verarbeiten als Sprache. Wege dafür zeigte der 1. Bochumer Musik-Workshop auf. Titel: Musikhören mit Cochlea-Implantat. Veranstaltet wurde er vom CI-Zentrum Ruhrgebiet, das von der Universitätsklinik für Hals-, Nasen-, Ohrenheilkunde im St. Elisabeth-Hospital Bochum getragen wird.

Klinikdirektor Prof. Stefan Dazert: „Wer lange nichts gehört hat, muss sich Sprache erst erschließen und sie erlernen. Musik hilft dabei. Sie ist damit ein Baustein der Hörrehabilitation und verbessert darüber hinaus die Lebensqualität immens.“ Für die Betroffenen ist das auch eine Frage der Motivation. Viele von ihnen sind froh und glücklich, nach der Taubheit überhaupt hören zu können und glauben schon gar nicht mehr daran, auch einmal genussvoll Musik zu genießen. Praktische Übungen im Workshop präsentierte Johanna Pätzold, Musiktherapeutin und selbst CI-Trägerin. Am Klavier spielte Tatjana Sikorskaya. Klänge wahrzunehmen ist für CI-Operierte sehr komplex. Dies trifft vor allem für klassische Musik zu. Um den Einstieg zu erleichtern und die Voraussetzungen für Lernerfolge zu verbessern, werden die ursprünglichen Klänge im Workshop zunächst gezielt reduziert und vereinfacht, z.B. durch die Herausnahme eines einzelnen Instrumentes. Die Melodie an sich bleibt aber erhalten. Einen ähnlichen Weg geht auch ein wissenschaftliches Projekt, an dem die HNOKlinik gemeinsam mit dem Institut für Kommunikationsakustik der Ruhr-Universität Bochum arbeitet. „Nachdem die sprachliche Hörrehabilitation für CI-Träger große Fortschritte gemacht hat, ist es auch für uns eine fantastische Aufgabe, an der Verbesserung des musikalische Erlebens mitzuwirken“, sagt Prof. Rainer Martin, Leiter des Instituts.

Musik eignet sich aufgrund ihrer Emotionalität für die Hörrehabilitation sehr gut. Auch für Demenzkranke kann sie therapeutisch eingesetzt werden. Das CIZentrum Ruhrgebiet in Bochum bietet seit langem sehr erfolgreich eine Sprachtherapie für CI-Träger an. Dies wird nun um eine musikalische Rehabilitation erweitert. Geplant ist, diese neben einem jährlich stattfindenden Workshop regelmäßig für die Patienten anzubieten.

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