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Ungewohnte Perspektiven

Forschungsnewsletter des DZD fasst 14 Studien zusammen

Universität Witten/Herdecke am 23.05.17

Christian Müller-Hergl

Christian Müller-Hergl

Über jüngere Menschen mit Demenz oder künstlerische Interventionen.

Der aktuelle Forschungsnewsletter des Dialog- und Transferzentrums Demenz (DZD) der Universität Witten/Herdecke eröffnet an vielen Stellen ungewohnte Perspektiven. So startet der Newsletter gleich mit der Einsicht, dass medizinische und pharmakologische Maßnahmen in der Versorgung von Menschen mit Demenz die zweite Wahl sein sollten. Der Autor des Newsletters – der Pflegewissenschaftler und Philosoph Christian Müller-Hergl – schreibt dazu: „Wo immer möglich sollen psychologische, soziale und umweltbezogene Interventionen Priorität besitzen und erst bei deren Versagen pharmakologische Optionen zum Zuge kommen.“

Diese primären ökopsychosozialen Optionen umgreifen ein weites Feld von kulturellen Aktionen (zum Beispiel Museumsbesuche), inklusive-teilhabend orientierte Gemeinden, Umgebungsanpassungen – sowohl in der eigenen Wohnlichkeit wie auch im gemeindlichen Umfeld, kreative Aktionen und sensorische Anregungen (Kunst und Musik), kognitives Training und kognitive Rehabilitation, aber auch Bildungsmaßnahmen.

Eine Studie aus dem Bereich der Kunst weist nach, dass sich künstlerische Interventionen bei leichter bis mittelschwerer Demenz positiv auf kognitive Funktionen auswirken und eben nicht nur als Beitrag zur Freizeitgestaltung. Auch ansonsten wartet der Forschungsnewsletter mit weiteren ungewohnten Perspektiven auf. Eine Studie befasst sich mit dem Schicksal von jüngeren Menschen mit Demenz. Deren Bedürfnisse sind andere als die von alten Menschen mit Demenz, nahezu alle Hilfen richten sich aber an ältere Klienten.

An anderer Stelle geht es um Schulungsprogramme, die von geläufigen Weiterbildungsmaßnahmen für professionelle Helfer abweichen. Christian Müller-Hergl verweist auf eine Studie aus Kanada: Mitarbeiter, die eine Fortbildung bereits durchlaufen haben, schulen andere Mitarbeiter und begleiten sie in der Praxis. Methodisch arbeitet der Ansatz vermehrt mit erfahrungsbasiertem Lernen und weniger mit kognitiv orientierter Wissensvermittlung. Das Programm ist in Kanada so erfolgreich gewesen, dass es nun landesweit angewendet wird.

Andere Forschungen beziehen sich auf Themen wie unter anderem „Allein lebende Menschen mit Demenz werden unsichtbar“, „Die Demenzdiagnose stellt einen immer wieder neu akzentuierten Verhandlungsprozess dar” oder „Tiere tragen zur Gesundung psychisch Kranker wesentlich bei“.
Hier der Link zum Forschungsnewsletter: http://dzd.blog.uni-wh.de/files/2017/05/Newsletter-23_2017-final2.pdf

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