Wir können Gesundheit

Wundermittel Cannabis?

Nutzen und Risiken in der Schmerztherapie

am Donnerstag, 13. Juli 2017

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Prof. Dr. Christoph Maier referierte im „Blue Square“ über den Nutzen von Cannabis in der Schmerztherapie – Bildnachweis: Bergmannsheil

Cannabis in der Schmerztherapie: Dies ist derzeit ein Hype-Thema in den Medien. Dass das vermeintliche „Wundermittel“ oft überschätzt und mögliche Risiken unterschätzt werden, vermittelte eine Infoveranstaltung des Bergmannsheil am 11. Juli 2017. Prof. Dr. Christoph Maier, Leitender Arzt der Abteilung für Schmerzmedizin im Bergmannsheil, bot einen kritischen, wissenschaftlich fundierten Überblick über den Nutzen und die Wirkungsweise von Cannabis bei verschiedenen Schmerztypen. Die ausgebuchte Veranstaltung im „Blue Square“ (Bochumer Innenstadt) war Teil der Reihe „Blickpunkt Gesundheit“.

Verschiedene Darreichungsformen

Zu Beginn seines Vortrags räumte Prof. Maier mit einigen Missverständnissen auf. Denn der Zugang zu Cannabis aus Therapiegründen sei keineswegs so einfach, wie es viele Schlagzeilen Glauben machen wollten. Die jüngste Gesetzesänderung erlaube zwar erstmals die Verschreibung von getrockneten Cannabisblüten und Cannabisextrakten mit standardisierter Qualität. „Bevor aber eine ärztlich verordnete Therapie beginnen kann, müssen der Patient und sein Arzt die Kostenerstattung bei der Krankenkasse beantragen und eine stichhaltige Begründung entsprechend des Gesetzestextes nennen“, erläuterte er. Aus wissenschaftlicher Sicht gebe es derzeit keinen Nachweis für die bisweilen verbreitete Annahme, dass Cannabisblüten und -extrakte einen therapeutischen Vorteil gegenüber Fertigarzneimitteln auf Cannabisbasis erzielen könnten.

Wirksamkeit und Ansprechquote

In der therapeutischen Anwendung von Cannabis plädierte der Schmerzexperte für einen rationalen Einsatz des Mittels. Eine vergleichsweise gute Wirksamkeit sei bei einigen Schmerzarten belegt, die oft mit Spastiken einhergehen, wie zum Beispiel bei Multipler Sklerose (MS) oder einer Verletzung des Rückenmarks. Im positiven Fall würden Schmerzen reduziert und die Spastiken gelindert. „Allerdings ist die Ansprechquote dieser Patienten, die von der Cannabistherapie profitieren, nicht sehr hoch“, schränkte Prof. Maier ein. „In Einzelfällen haben wir in unserer Schmerzabteilung mit diesem Therapieansatz aber gute Erfahrungen gemacht.“ Bei anderen Schmerztypen, wie zum Beispiel Muskelschmerzen oder Polyneuropathie, gebe es derzeit keinen wissenschaftlichen Wirknachweis.

Positive Effekte und Nebenwirkungen abwägen

In jedem Falle müssten bei der Therapieentscheidung mögliche positive Effekte und potenzielle Nebenwirkungen sorgfältig miteinander abgewogen werden. Zwar seien nach heutigem Kenntnisstand bleibende Schäden an inneren Organen bei Erwachsenen nicht zu befürchten. Jedoch würden häufig psychische Nebenwirkungen auftreten wie zum Beispiel Stimmungsveränderungen oder Beeinträchtigungen der geistigen Konzentrations- und Leistungsfähigkeit. Auch sei ein gewisses Suchtpotenzial gegeben. Um den Erfolg einer Cannabis-Therapie zu bewerten, gebe es ein ganz einfaches Kriterium, wie der Schmerzmediziner erläuterte: „Geht es Ihnen mit der Therapie besser als ohne? Diese Frage ist zentral für jede Form der Schmerztherapie.“

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