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Medizinerin gewinnt renommierten Forschungspreis

am Montag, 7. August 2017

Dass sie mit dieser Studie Neuland betritt, war Pia Reimann klar. Bislang hatte nämlich noch kein Mediziner in Deutschland im Rahmen einer Vergleichsstudie untersucht, ob eine individuell gefertigte Knieprothese aus dem 3-D-Drucker wirklich besser ist als die übliche Standardprothese „von der Stange“. Doch dass die Promotionsstudentin, die ihre Doktorarbeit bei Prof. Dr. Christian Lüring, Direktor der Orthopädie im Klinikum Dortmund, schreibt, mit ihrer Studie für derart Aufsehen auf einem der wichtigsten Fachkongresse der Orthopäden sorgt, das hat sie dann doch überrascht. Pia Reimann ist nämlich die diesjährige AXIS-Forschungspreisträgerin.

Der Preis ist mit 1.000 Euro dotiert und gilt als Auszeichnung für junge Forscher und Doktoranden, die sich auf dem Gebiet der patientennahen Forschung in Orthopädie und Unfallchirurgie hervorgetan haben. „Wir sind sehr stolz darauf, mit Fr. Reimann eine derart engagierte Kollegin in unserem Team zu haben, die im Juni auf der Norddeutschen Orthopäden- und Unfallchirurgen-Vereinigung in Dortmund diese Auszeichnung erhalten hat“, sagt Prof. Lüring.

Weitere Spaziergänge, mehr Treppenstufen ohne größere Beeinträchtigung

Im Rahmen der Studie hatte die Medizinerin 141 Patienten untersucht, die in den Jahren 2013 und 2014 ein künstliches Kniegelenk erhalten hatten. 57 davon mit einer Standard-Prothese, 84 mit einem individuell für sie gefertigten Gelenk. „Um es vorweg zu sagen: Allzu große Unterschiede konnten wir nicht feststellen“, so Prof. Lüring. „Immerhin ist die Knieprothese aus dem 3-D-Drucker in vielen Punkten gleichwertig, in einigen wenigen der Standardprothese sogar etwas überlegen.“ So hatten die Patienten mit einem maßgefertigten Knie in der Studie im Rahmen eines Fragebogens angegeben, etwas weitere Spaziergänge und mehr Treppenstufen ohne größere Beeinträchtigung absolvieren zu können. Auch griffen die Teilnehmer mit individueller Knieprothese seltener zu einer Gehhilfe als es die Teilnehmer der Vergleichsgruppe mit Standardprothese taten.

„Wir forschen auf jeden Fall weiter“

„Beide Gruppen waren jedoch nahezu gleich in der Fähigkeit, das Knie beugen oder strecken zu können, weshalb wir uns den leichten Unterschied bei den alltäglichen Beinbelastungen der Patienten nicht richtig erklären können“, sagt der Experte. Er vermutet, dass der Unterschied auch nur auf psychologischer Ebene wirken könnte. „Wer weiß, dass er ein hochmodernes und extra für ihn angefertigtes Kniegelenk eingesetzt bekommen hat, fühlt sich vielleicht eher mobiler und fitter“, so Prof. Lüring. Auch könne der marginale Unterschied daran liegen, dass das Durchschnittsalter der Gruppe mit 3-D-Knie bei 65 Jahren lag, während die Vergleichsgruppe im Schnitt 70 Jahre alt war. „Ich denke, als nächstes sollte im Rahmen einer weiteren Studie eine Gang-Analyse erfolgen. So können wir objektiv messen, ob das individuell angefertigte Knie dem Patienten besser bei seinem Bewegungsablauf hilft“, sagt Lüring. „Wir forschen auf jeden Fall weiter.“

Gesundheitsforschung Knochen & Gelenke

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