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Die belastete Seele bei Krebs

LWL-Universitätsklinikum und Katholisches Klinikum mit gemeinsamer Tagung

LWL-Universitätsklinikum Bochum am 01.09.17

LWL-Universitätsklinikum und Kath. Klinikum Bochum kooperieren: Prof. Dr. med. Georg Juckel und Prof. Dr. med. Anke Reinacher-Schick über „Krebs und Seele“ (Bildquelle: LWL)

Die Diagnose Krebs löst bei den Betroffenen vielfältige Gefühle aus. In der Regel sind sie zunächst schockiert und können gar nicht fassen, dass sie von dieser Erkrankung betroffen sind. Es folgen Angst und Hoffnungslosigkeit, die sich aus dem Gedanken entwickeln, dass der Krebs unmittelbar mit dem Tod in Zusammenhang zu stehen scheint. Hinzu kommt noch die körperliche Belastung während der auf die Diagnose folgenden Behandlung, die sich aus operativen Eingriffen, Chemotherapien und Bestrahlungen ergeben. Die Psyche des Patienten gerät an ihre Grenzen. Wie wichtig es ist, über das Thema „Krebs und Seele“ zu reden, darauf machte die Klinik für Psychiatrie, Psychotherapie und Präventivmedizin des LWL-Universitätsklinikums der Ruhr-Universität Bochum im Landschaftsverband Westfalen-Lippe (LWL) und das St. Josef-Hospital des Katholischen Universitätsklinikums Bochum heute (31.8.) mit ihrer öffentlichen Tagung im Tagungsraum des LWL-Universitätsklinikums Bochum aufmerksam.

„30 bis 40 Prozent der Krebskranken entwickeln eine Depression“, so Prof. Dr. med. Georg Juckel, Ärztlicher Direktor des LWL-Universitätsklinikums Bochum. „Die Diagnose Krebs ist immer problematisch und wirkt sich abhängig von den individuellen persönlichen Voraussetzungen entsprechend auf die Psyche aus.“ Der Einzelne wird plötzlich mit existenziellen Fragen konfrontiert: Leben, Krankheit, Tod. „Unser Leben ist immer mit dem Tod verbunden, ob als kranker oder gesunder Mensch“, so Juckel. „Wenn wir uns für diese existenziellen Fragen öffnen, können wir zum Beispiel eine Krebsdiagnose besser annehmen.“

Prof. Dr. med. Anke Reinacher-Schick, Chefärztin der Abteilung Hämatologie, Onkologie und Palliativmedizin im St. Josef-Hospital Bochum, ist die seelische Verfassung und eine gute Lebensqualität ihrer Patienten nach einer Krebsdiagnose sehr wichtig: „Unsere Tumorpatienten werden ganzheitlich betrachtet. Dabei geht es nicht nur um die körperlichen Beschwerden, sondern sehr stark auch um das soziale Gefüge mit Familie und Freunden, in dem sich der Patient befindet, und natürlich um sein psychisches Wohlbefinden.“ Den Patienten werden daher entlastende Gespräche angeboten. In ihrem Behandlungsteam sind im Rahmen des onkologischen Zentrums zwei Psychoonkologen tätig, die die Patienten mit ihren seelischen Problemen nach einer Krebsdiagnose auffangen.

Neben dem psychischen Leid, das eine Tumorerkrankung verursacht, bringen manche Patienten eine psychiatrische Diagnose wie eine Demenz oder Depression bereits mit oder entwickeln diese im Verlauf. Diese zu erkennen und in die Behandlung miteinzubeziehen, betrachtet Reinacher-Schick ebenfalls als ihre Aufgabe. „An dieser Schnittstelle arbeiten wir mit den Kolleginnen und Kollegen des benachbarten LWL-Universitätsklinikums sehr gut zusammen. Umso mehr freue ich mich, dass wir das wichtige Thema ‚Krebs und Seele‘ auf einer gemeinsamen Veranstaltung diskutieren und öffentlich machen.“

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