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Moderne Diagnostik bei Schluckstörungen

Vorgestellt auf dem chinesischen Geriatrie-Kongress in Suzhou

St. Elisabeth Gruppe GmbH am 08.11.17

Prof. Dr. Rainer Wirth, Direktor der Klinik für Altersmedizin und Frührehabilitation im Marien Hospital Herne – Universitätsklinikum der Ruhr-Universität Bochum, referierte auf dem Chinese Congress on Gerontology and Health Industry über das Thema Schluckstörungen und zeigte als Experte auf diesem Gebiet diagnostische und therapeutische Konzepte auf.

Der Spezialist Prof. Dr. Rainer Wirth, Direktor der Klinik für Altersmedizin und Frührehabilitation im Marien Hospital Herne – Universitätsklinikum der Ruhr-Universität Bochum, folgte einer Einladung des chinesischen Geriatrie-Kongresses und reiste zum Chinese Congress on Gerontology and Health Industry nach Suzhou, um vor mehr als eintausend Kongressteilnehmern über die moderne Diagnostik und Therapie bei älteren Menschen mit Schluckstörungen (Dysphagie) zu referieren. Als Experte im Bereich Schluckstörungen im Alter zeigte Prof. Wirth den chinesischen Fachkollegen neue diagnostische und therapeutische Konzepte auf.

Eine Schluckstörung bezeichnet eine funktionelle Störung des Schluckaktes. Ist dieser Vorgang beeinträchtigt, kann es zu Komplikationen wie zum Beispiel einer Lungenentzündung kommen. Schluckstörungen sind bei älteren Patienten weit verbreitet und üblicherweise durch einen Schlaganfall oder durch neurologische Erkrankungen verursacht. „Etwa 50 Prozent der Schlaganfall-, Alzheimer- und Parkinsonpatienten leiden an einer Schluckstörung als Symptom oder Folge ihrer neurologischen Erkrankung“, erklärte Prof. Wirth in seinem Vortrag. Eine Störung des Schluckvorganges kann die Nahrungsaufnahme begrenzen oder gänzlich verhindern. Die Folgen sind Mangelernährung, Gewichtsverlust, erhöhte Infektanfälligkeit sowie Dehydration. Die Konsequenzen einer unbehandelten Unter- oder Mangelernährung infolge einer Schluckstörung sind weitreichend. Ein anhaltendes Nährstoffdefizit kann zu funktionellen Verschlechterungen, Störungen wichtiger Organfunktionen sowie zur Schwächung des Immunsystems führen. „Dadurch verstärkt sich oft die Grunderkrankung des Patienten“, erläuterte Prof. Wirth.

Schluckstörung frühzeitig erkennen und behandeln

Eine frühzeitige Diagnose und Behandlung der Schluckstörung ist von wesentlicher Bedeutung für den Gesundheitszustand der Patienten. Im Rahmen des Vortrages wies der Professor darauf hin, dass Risikogruppen im Hinblick auf eine Schluckstörung gescreent werden sollten: „Dies gilt beispielsweise für Patienten mit neurologischen Erkrankungen, verlangsamter oder ausbleibender Nahrungsaufnahme, häufigem Husten, Lungenentzündung, Fieber oder unerklärlicher Gewichtsabnahme“, so Prof. Wirth. Das diagnostische Vorgehen umfasst einen standardisierten Wasserschlucktest als Screeningverfahren, die logopädische Untersuchung und die apparativen Untersuchungen, die je nach Situation eingesetzt werden. Spezielle diagnostische Verfahren wie beispielsweise hochauflösende videoendoskopische Untersuchungen stehen nur in wenigen Kliniken in Deutschland zur Verfügung. Hierbei handelt es sich um eine endoskopische Untersuchung, die über die Nase durchgeführt wird. Mit der videoendoskopischen Schluckuntersuchung werden die am Schluckvorgang beteiligten Strukturen und die Effektivität des Schluckaktes beobachtet und beurteilt. Ziel dieser Beobachtung ist es, das jeweilige Muster der Schluckstörung und das Risiko für das Verschlucken zu erkennen. Beim Verschlucken dringt Speichel oder Nahrung in die Atemwege ein. Dies kann eine Lungenentzündung (Aspirationspneumonie) auslösen. „Bis zu ca. 40 Prozent der Lungenentzündungen bei alten Patienten sind auf Schluckstörungen zurückzuführen“, so Prof. Wirth. Die Klinik für Altersmedizin und Frührehabilitation am Marien Hospital Herne – Universitätsklinikum der Ruhr-Universität Bochum gehört zu den wenigen Kliniken, die diese Untersuchungsmethode mit hochauflösender Videotechnik anbieten.

Konsequente Therapie

„Patienten mit einer Schluckstörung benötigen sowohl eine konsequente Therapie als auch eine ausreichende Versorgung mit Nährstoffen, um die Prognose langfristig zu verbessern“, ergänzte Prof. Wirth. Er erläuterte diätetische Maßnahmen, die bei älteren Patienten mit Schluckstörungen ergriffen werden sollten. Dazu gehört unter anderem, sofern eine natürliche Art der Nahrungsaufnahme möglich ist, dass jedem Patienten die passende Konsistenz von Nahrung und Flüssigkeit zur Verfügung gestellt und diese in den unterschiedlichen Phasen angepasst wird. Die Behandlung umfasst neben der Ernährungsumstellung auch ein auf den Patienten individuell abgestimmtes logopädisches Training der Schluckfunktion. Dabei werden beispielsweise die am Schluckvorgang beteiligten Muskeln aktiv trainiert oder spezielle Schluckmuster erlernt, die das Schlucken wieder sicherer und effizienter machen. „Ziel dabei ist es, eine selbstständige und sichere Nahrungsaufnahme wieder zu ermöglichen und die Lebensqualität des Patienten zu steigern“, fasste der Experte zusammen.
„Der Dialog unter Fachkollegen auf internationalen Kongressen ist sehr wichtig. Das gilt insbesondere für dieses Thema“, betonte Prof. Wirth. Der Kongress greift damit die internationale Diskussion um altersmedizinische Gesundheitsthemen auf und leistet einen Beitrag zu einer besseren medizinischen Versorgung von alten Patienten, die in China aufgrund der dort sehr rasch alternden Gesellschaft immer mehr in den Fokus der Aufmerksamkeit rücken.

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