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Bernloehr: „Es muss schnell und kraftvoll gehandelt werden“

Hochschule für Gesundheit am 04.05.18

Dr. Annette Bernloehr ist Professorin für Hebammenwissenschaft an der Hochschule für Gesundheit (hsg Bochum) Foto: hsg

„Die Vorgabe der EU ist seit Jahren bekannt. Deutschland hängt mit der nicht flächendeckend umgesetzten hochschulischen Ausbildung für Hebammen europaweit hinterher und zeigt nun Tendenzen der Torschlusspanik mit der entsprechenden Gefahr für Schnellschüsse und Halbherzigkeiten.“ Mit diesen Worten reagierte Dr. Annette Bernloehr, Professorin für Hebammenwissenschaft an der Hochschule für Gesundheit (hsg Bochum), auf die aktuelle Diskussion in Nordrhein-Westfalen über die Folgen, die die vollständige Akademisierung der Hebammenausbildung bis zum Jahr 2020 in NRW hätte.

Auch in Deutschland muss bis 2020 die EU-Richtlinie 2013/55/EU über die Anerkennung von Berufsqualifikationen umgesetzt sein. Aus Sicht des Bundes ergibt sich durch eine EU-Richtlinie für die Hebammenausbildung bereits heute die Notwendigkeit einer vollständigen Akademisierung der Ausbildung bis zum 18. Januar 2020. Im Koalitionsvertrag zwischen CDU, CSU und SPD von Februar 2018 ist festgehalten, dass die regierenden Bundesparteien die Hebammenausbildung nach den EU-Vorgaben als akademischen Beruf umsetzen werden.

Bernloehr: „Um eine Vollakademisierung der Hebammenausbildung in Deutschland zu erreichen, muss schnell und kraftvoll gehandelt werden, auch in NRW. An dem Prozess des Übergangs müssen alle notwendigen Akteure beteiligt werden. So wie wir uns mit unserer Expertise und achtjährigen Erfahrung als erste staatliche Hochschule für Gesundheitsberufe in Deutschland gerne im Bereich der hochschulischen Ausbildung von Hebammen in diesen Diskussionsprozess einbringen, so sollten auch die Mitarbeiter*innen von Fachschulen eingebunden werden. Leider wird der schon heute sichtbare Versorgungsengpass mit Hebammenhilfe gern als Grund dafür genannt, die ganze Akademisierung in ein negatives Licht zu rücken. Das Gegenteil muss der Fall sein. Denn nur, wenn der Beruf der Hebamme ein attraktiver, zukunftsfähiger Beruf ist, der Perspektiven bietet, wird der Mangel an Hebammen reduziert werden können.“

Zur Sicherung der Versorgung von Frauen, Kindern und Familien mit Hebammenhilfe seien innovative Konzepte gefragt, die den gut gebildeten jungen Menschen eine lebenslange berufliche Perspektive geben sowie ihrer Grundbildung Rechnung tragen. „Außerdem ist eine Modifikation der teilweise unerträglichen Arbeitsbedingungen notwendig, um die Hebammen auch in ihrem erlernten Beruf halten zu können“, erklärte Annette Bernloehr.

Aus frauen- und gleichstellungspolitischer Sicht sei es eine Zumutung, als Einstiegsqualifikation für den überwiegend von Frauen ausgeübten Hebammenberuf eine zwölfjährige Schulbildung zu erwarten, dann aber mit einer nicht hochschulischen Ausbildung gerade diese Frauen in eine Bildungssackgasse zu schicken, fügte sie hinzu.

Bernloehr: „Von Seiten der Politik wünschen wir uns Unterstützung bei der Sicherung der Versorgung von Frauen während Schwangerschaft und rund um die Geburt, aber auch bei der Weiterentwicklung und Zukunftssicherung eines mehrheitlich von Frauen ausgeübten, verantwortungsvollen Berufes.“

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