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Neues Buch zum Thema Brustprothesen

Pflegewissenschaftlerin der Uni Witten/Herdecke beschäftigt sich mit den unterschiedlichen Ansprüchen an Erstversorgung und Nachsorge bei Brustkrebs-Operationen

Universität Witten/Herdecke am 17.08.18

 

Regina Wiedemann, Pflegewissenschaftlerin der Universität Witten/Herdecke

Externe Brustprothesen sind in Deutschland als medizinisches Hilfsmittel zum Ausgleich nach einer vollständigen oder teilweisen Entfernung der Brustdrüse bei Brustkrebs anerkannt, jährlich werden circa 150.000 Prothesen angepasst. Trotzdem fehlen Erkenntnisse über die brustprothetische Versorgung in Brustzentren und in der ambulanten Versorgung. Mit dieser Lücke hat sich die Pflegewissenschaftlerin Regina Wiedemann von der Universität Witten/Herdecke in ihrer Dissertation beschäftigt, die nun auch als Buch erschienen ist. Bundesweit führte sie dazu zwanzig Interviews mit betroffenen Frauen und zwanzig mit professionellen Fachkräften durch.

In ihrer Studie „Brustprothetische Versorgung von Frauen nach Mastektomie in Deutschland. Eine empirische Untersuchung zur Bewältigung beschädigter Identität nach Brustverlust“ entwickelt Frau Wiedemann zunächst ein Zwei-Phasen-Modell. Dabei zeigt sich, dass es deutliche Unterschiede zwischen den Ansprüchen an die Erstversorgung während des stationären Aufenthaltes und den langfristigen Bedürfnissen der Frauen in der brustprothetischen Versorgung gibt. „Phase 1 beschreibt das Erleben von Schock und Krise und die daraus resultierenden Bedürfnisse in der Erstversorgung mit einer Brustprothese im Krankenhaus“, so Wiedemann. „Phase 2 charakterisiert den Wunsch, mit der Brustprothese Normalität herzustellen, vor allem in der Interaktion im öffentlichen Raum. Eine gelungene Prothesenauswahl für Frauen erfolgt in erster Linie über die Sinneserfahrung. Die Ergebnisse bestätigen die Auswirkungen des Brustverlustes und die Bedeutung einer qualitativ guten Prothese für das Körperbild, die Weiblichkeit und das psychosoziale Wohlbefinden.“ Auch in Deutschland zeige sich das Problem unzureichender Information und mangelnder Wahlmöglichkeit von Frauen. „Pflegende in Deutschland sehen – anders als international – die Anpassung einer Brustprothese nicht als ihre Aufgabe an, sie stellen lediglich den Kontakt zum Sanitätshaus her. Die Entscheidung, mit welcher Prothese versorgt wird, treffen die Sanitätshausfachangestellten.“

„Die Bewältigung einer Brustkrebserkrankung erfolgt nicht nur auf physischer, sondern auch auf sozialer und biografischer Ebene“, so Wiedemann. „Eine Integration der leibphänomenologischen Perspektive in die Gesundheitsversorgung – d.h. wie Frauen ihren veränderten Körper nach einem Brustverlust emotional fühlen und sinnlich wahrnehmen – kann für sie hilfreich sein, um Handlungsfähigkeit und Kontrolle zurückzugewinnen. Frauen müssen durch ausreichende Information und Beratung in die Lage versetzt werden, selbst ihre Brustprothese zu wählen und so ihre Autonomie zu stärken.“ Aus den Ergebnissen der Interviews hat Wiedemann Empfehlungen erarbeitet, wie die brustprothetische Versorgung im deutschen Gesundheitssystem neu gestaltet werden sollte.

Regina Wiedemann: Brustprothetische Versorgung von Frauen nach Mastektomie in Deutschland. Eine empirische Untersuchung zur Bewältigung beschädigter Identität nach Brustverlust. Budrich UniPress, 2018.
ISBN 978-3-86388-796-4

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