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Diabetes – mehr als nur eine somatische Erkrankung

St. Josef-Hospital und LWL-Universitätsklinik Bochum kooperieren

LWL-Universitätsklinikum Bochum am 25.09.18

Prof. Stephan Herpertz, Direktor der LWL-Universitätsklinik für Psychosomatische Medizin und Psycho¬therapie, (Bildquelle: LWL-Universitätsklinikum Bochum) (links) und Prof. Juris Meier, Chefarzt des Diabetes-Zentrum Bochum/Hattingen (Bildquelle: Kath. Klinikum Bochum)

Arzt für Psychosomatische Medizin regelmäßig im Diabetes-Zentrum Bochum/Hattingen

Rund sieben Millionen Menschen leiden in Deutschland an der chronischen Stoffwechselerkrankung Diabetes mellitus. Die Diagnose Typ 1 Diabetes macht eine Behandlung mit dem Hormon Insulin lebens¬notwendig. Beim Typ 2 Diabetes können Ernährungsumstellung, Bewegung und Medikamente den Krankheitsverlauf positiv beeinflussen, erst in letzter Konsequenz ist Insulin notwendig. Diabetes ist für die Betroffenen immer eine einschneidende Diagnose und erfordert ein hohes Maß an Selbstdisziplin, da die Erkrankung mit einer außerordentlichen Veränderung der Lebensweise einher¬geht. Die Folgen sind psychische Probleme bis hin zu Störungen, die unbehandelt schwerwiegende gesundheitliche Beeinträchtigungen nach sich ziehen können. Ein Kooperationsprojekt schafft nun Abhilfe: Ein Facharzt für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie der LWL-Universitätsklinik Bochum im Landschaftsverband Westfalen-Lippe (LWL) sucht regelmäßig Patienten des Diabetes-Zentrums Bochum/Hattingen der Universitätsklinik St. Josef-Hospital auf, um gemeinsam mit ihnen mögliche psychische Probleme in den Blick zu nehmen und damit eine optimale Versorgung zu gewährleisten.

„Wenn Menschen an Diabetes erkranken, dann stehen die Blutzuckerwerte und andere somatische Behandlungs¬ziele im Fokus. Der seelischen Belas¬tung von Diabetes wird dann selten Beachtung geschenkt“, erklärt Prof. Stephan Herpertz, Direktor der LWL-Universitätsklinik für Psychosomatische Medizin und Psycho¬therapie. „Psychische Störungen als Begleit- oder Folgeerkrankung können sich aber bei einem diabeteserkrankten Menschen negativ auf die Diabetes-Therapie und langfristig auf die Prognose des Diabetes auswirken.“ Werden psychische Belastungen wie zum Beispiel Depressionen, Angststörungen, sexuelle Funktionsstörungen und Essstörungen bei Patienten mit Diabetes nicht erkannt und behandelt, drohen dem Patienten eine unzureichende Blutzucker¬einstellung, Folgeerkrankungen und eine verkürzte Lebenserwartung.

Dass die Behandlung des Diabetes durch psychische Belastungen erschwert wird, damit hat Prof. Juris Meier, Chefarzt des Diabetes-Zentrum Bochum/Hattingen, seit vielen Jahren Erfahrung. „Die Prognose und der Verlauf des Diabetes wird ganz entscheidend durch den Lebensstil und das Krankheitsverhalten der Betroffenen bestimmt. Sie tragen ein hohes Maß an Eigenverantwortung für sich, und dies lebenslang, was sehr belastend ist.“ Häufig versteht der Patient die Zusammenhänge von Körper und Psyche nur unzureichend. Den Diabetes aber ganzheitlich zu betrachten, ist Meier ein wichtiges Anliegen. Daher sieht der Diabetologe in der fachärztlichen Mitbetreuung durch die LWL-Klinik (im Fachjargon: Liaisondienst) eine wichtige Unterstützung in der Diabetes-Behandlung. Es hat sich bewährt, dass ein Psychosomatiker den Patienten dort aufsucht, wo die primäre Versorgung stattfindet, nämlich im Diabeteszentrum. Einmal in der Woche ist er am Diabeteszentrum Bochum/Hattingen auf den Stationen unterwegs, um zum Beispiel Patienten mit unzureichenden Blutzuckerwerten im Hinblick auf mögliche psychische Probleme zu untersuchen. „Es geht unter anderem um Fragen der Krankheitsakzeptanz und -verarbeitung, um Unterzuckerungsängste, Angst- und Essstörungen oder Depressionen“, berichtet Stephan Herpertz. „Im Gespräch werden Therapieziele neu überdacht und Probleme erörtert, die sich ihnen in den Weg stellen.“ Sind die psychischen Probleme bzw. Störungen schwerwiegender, werden nach eingehender psychosomatischer Diagnostik Behandlungsangebote gemacht, zu denen auch ambulante wie auch (teil-)stationäre Behandlungen der LWL-Klinik gehören. Juris Meier ist überzeugt: „Mit dem neuen Dienst schaffen wir optimale Bedingungen im Hinblick auf Diagnostik und Therapie von Patienten mit Diabetes.“

Wie bedeutsam die ganzheitliche Betrachtung von „Diabetes und Psyche“ ist, beweist demnächst die Jahrestagung „Diabetes und Psychologie e.V.“ gemeinsam mit der Psychodiabetologie-Tagung vom 19. bis 21. Oktober in Bochum. Zu den Initiatoren gehören die beiden Bochumer Mediziner und Wissenschaftler Prof. Stephan Herpertz und Prof. Juris Meier.

Zahlen und Fakten

In Deutschland leben rund sieben Millionen Menschen mit einem Diabetes (neun Prozent der Bevölkerung). Fünf bis zehn Prozent sind an Typ 1 und ca. 90 Prozent an einem Typ 2 Diabetes erkrankt. Ungefähr 20 Prozent der Ausgaben der gesetzlichen Krankenversicherungen – dies entspricht etwa 30 bis 40 Milliarden Euro – werden für die Behandlung von Menschen mit Diabetes und dessen Begleit- und Folgeerkrankungen beansprucht. Zum Gros der Menschen in Deutschland, die eine allgemeinmedizinische Praxis aufsuchen, zählen Patienten mit Diabetes.

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