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Forschungsschwerpunkt Demenz

Drei Arbeiten mit Gradmann-Förderpreis ausgezeichnet

Universität Witten/Herdecke am 24.09.18

v.l.n.r.: Christine Naumann, Imke Grundmann, Thomas Halder, Dr. Beate Radzey, Heike Becker, Prof. Dr. Ulrike Höhmann

Prämiert wurden Masterarbeiten und Studienprojekte zu den Themen Wohnraumanpassungen, Demenz bei russisch-jüdischen Migranten und jungerkrankte Menschen mit Demenz

Zwei Studierende und eine Absolventin des Masterstudiengangs „Multiprofessionelle Versorgung von Menschen mit Demenz und chronischen Einschränkungen“ der Universität Witten/Herdecke (UW/H) sind mit dem Gradmann-Förderpreis für herausragende Leistungen im Studium ausgezeichnet worden. Am Freitag, 21. September 2018 übergaben Thomas Halder, Stiftungsvorstand der Gradmann-Stiftung, und Dr. Beate Radzey, Expertin vom Demenz Support Stuttgart, im Rahmen der Tagung „Aktuelle Ergebnisse aus der multiprofessionellen Forschung“ an der UW/H erstmalig die in diesem Jahr neu geschaffene Auszeichnung. Vergeben wird sie von der Erich und Liselotte Gradmann-Stiftung. Der Preis zeichnet ab sofort jährlich zwei Studienprojekte und eine Masterarbeit aus, die zur Entwicklung innovativer, wissenschaftlich fundierter Praxiskonzepte beitragen und berücksichtigt auch besonderes außerhochschulisches und familiäres Engagement der Preisträgerinnen und Preisträger.

Mit dem Preis für eine herausragende Masterarbeit, der mit 3.000 Euro dotiert ist, wird in diesem Jahr Christine Naumann geehrt. Die gelernte Diplomingenieurin ist nun auch Absolventin des berufsbegleitenden multiprofessionellen Masterstudiengangs: In ihrer rund zweijährigen Forschungs- und Entwicklungsarbeit erstellte die Preisträgerin einen Kriterienkatalog zur Identifikation wichtiger Kriterien der individuellen Wohnraumanpassung für Demenzkranke. Dabei berücksichtigte sie sowohl die Architektur als auch die pflegewissenschaftlichen Aspekte und verband so das Wissen aus ihren beiden Studienabschlüsse optimal miteinander. Das Instrument kann insbesondere den medizinischen Dienst der Krankenversicherungen bei seinen Pflegebegutachtungen und –beratungen in Interaktion mit den Betroffenen unterstützen. Naumann möchte damit dem Problem vorbeugen, „dass viele Umbauarbeiten empfohlen werden, oft kostspielig, deren Anwendbarkeit oft gar nicht genug im Blick liegt. So kommt es schnell zu Fehlversorgungen. Um das zu vermeiden, gibt der Katalog für die jeweilige Versorgungssituation pflegefachliche und architektonische Entscheidungshilfen“.

Die beiden Preise für hervorragende Praxisprojekte, jeweils mit 1.000 Euro dotiert, gewannen zwei Studierende im letzten Semester des multiprofessionellen Masterstudiengangs mit ihren Praxisforschungsprojekten: Die im Erststudium als Sozialpädagogin ausgebildete Heike Becker erforschte unter einer beratungs- und pflegebezogenen Perspektive die Versorgungssituation von dementiell erkrankten russisch-jüdischen Migranten der ersten Generation. „Ich war sehr überrascht, festzustellen, wie schwierig es für diese Betroffenen ist, die üblichen Sozial- und Pflegeleistungen in Anspruch zu nehmen, denn sie sind dazu oft gar nicht berechtigt. Sie sind häufig auf die ganz unterschiedlichen Finanzierungen ihrer Kommunen angewiesen. Aufgrund von Sprach- und Kulturbarrieren hapert es aber oft daran, diese sachgerecht zu beantragen“, resümiert Becker. „Vor diesem Hintergrund lag es mir am Herzen, gemeinsam mit der zentralen Wohlfahrtsstelle der Juden in Deutschland nach wirksamen Unterstützungskonzepten zu suchen. Um diese richtig zu platzieren, sind weitere Forschungen nötig, die sich mit der Generation der Kinder, der zweiten Einwanderungsgeneration, beschäftigen. Das untersuche ich gerade in meiner Masterarbeit.“

Den weiteren Preis gewann Imke Grundmann, ausgebildete Sozialmanagerin und nun Pflegeberaterin für die Pflegeversicherung. Sie ermittelte spezifische Beratungs- und Unterstützungsbedarfe von jungerkrankten Menschen mit Demenz. „In meiner Beratungspraxis bin ich immer wieder mit solchen Menschen unter 40 konfrontiert, die voll im Beruf stehen, gerade eine Familie gegründet haben und sich finanziell absichern müssen. Mit unseren Standardangeboten an Beratungsleistungen und Unterstützungsangeboten stehen wir oft ratlos da und müssen eingestehen, für solche Lebensprobleme mit Kindern, Beruf, Partnerschaft, finanzieller Absicherung kaum Beratungsstellen nennen zu können. Diese konzentrieren sich oft nur auf die Stärkung pflegender Angehöriger. Angehörige Jungerkrankte sind aber oft selbst berufstätig und müssen die eigene Berufstätigkeit im Blick behalten. Dann gibt’s ganz triviale Probleme, zum Beispiel eine Reha- oder Sportgruppe mit Abendangeboten. Mir lag am Herzen, hier eine Bedarfsanalyse vorzunehmen und mich nun im Weiteren für die Konzeption bedarfsgerechter Unterstützungskonzepte stark zu machen“, beschreibt Grundmann ihr Engagement.

„Wir freuen uns sehr, dass die Leistungen in unserem multiprofessionellen Studiengang nicht nur durch die Förderung der Robert Bosch-Stiftung, sondern nun auch durch den Gradmann-Förderpreis gewürdigt werden. Ich bin stolz, dass die Ideen und Konzepte der drei Preisträgerinnen auch außerhalb der Universität und außerhalb ihres konkreten Berufs honoriert werden“, sagt die Studiengangsleiterin Prof. Ulrike Höhmann. Sie lädt gleichzeitig qualifizierte Bewerberinnen und Bewerber ein, sich für die ausgelobten Preise im nächsten Jahr zu bewerben, „denn Ideenreichtum und Innovationen bei der Versorgung chronisch kranker und eingeschränkter Menschen tun dringend not“.

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