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Tarifverhandlungen für MFA auf März vertagt

Verband medizinischer Fachberufe e.V. fordert mindestens 1,35 Euro mehr Stundenlohn

Verband medizinischer Fachberufe e.V. am 17.01.19

Die Tarifverhandlungen für die Medizinischen Fachangestellten in den deutschen Arztpraxen werden am 8. März fortgesetzt. Bei der ersten Runde am gestrigen Mitt-woch in Berlin konnte kein Ergebnis erzielt werden.
Dazu Carmen Gandila, Vizepräsidentin des Verbandes medizinischer Fachberufe e.V.: „Gestern haben wir unserem Tarifpartner, der Arbeitsgemeinschaft zur Regelung der Arbeitsbe-dingungen der Arzthelferinnen/Medizinischen Fachangestellten (AAA), unsere Forderungen unterbreitet und begründet. Ein Gegenangebot haben wir von der neu aufgestellten AAA nicht erhalten. Wir gehen davon aus, dass sie sich bis zum nächsten Verhandlungstermin positionieren wird und uns ein Angebot vorlegt.“

Der Verband medizinischer Fachberufe e.V. fordert eine Erhöhung von 1,35 Euro pro Stunde für die erste Tätigkeitsgruppe. Der Bruttostundenlohn nach erfolgreich abgeschlossener 3-jähriger Ausbildung würde somit in den ersten vier Berufsjahren auf 12,63 Euro steigen. Bei entsprechenden Weiterbildungen kämen die im Tarifvertrag vereinbarten Zuschläge von 7,5 Prozent in Tätigkeitsgruppe II bis 50 Prozent in Tätigkeitsgruppe VI hinzu. Um 80 Euro sollen die Ausbildungsvergütungen steigen.

Carmen Gandila: „Wir haben die Vertreter/innen der AAA daran erinnert, dass motivierte, gut aus- bzw. weitergebildete MFA einer der wichtigsten Erfolgsfaktoren einer Arztpraxis sind. Gleichzeitig hat eine Studie1des Instituts für Arbeits-, Sozial und Umweltmedizin der Medizi-nischen Fakultät der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf gezeigt, dass das Stress-Level unter MFA außerordentlich hoch ist. Grund dafür ist ein äußerst ungünstiges Verhältnis zwi-schen Anforderung und Belohnung. Der Praxisalltag ist gekennzeichnet durch großen Zeit-druck, vor allem bei hohem Patientenaufkommen, häufige Unterbrechungen, Verantwortung, Arbeitsverdichtung und Multitasking. Dem stehen ein geringes Einkommen, wenig Wert-schätzung in der Gesellschaft sowie problematische arbeitsrechtliche Bedingungen im Kleinstbetrieb Arztpraxis gegenüber. Insgesamt gesehen, so die Forscher, stehen MFA, was den Arbeitsstress betrifft, den anderen Berufsgruppen im Gesundheitswesen in nichts nach.

Als Lösungsansätze benannten die Wissenschaftler neben einer besseren Organisation der Arbeit und der Förderung des Teamzusammenhalts vor allem ein dem Ausbildungsstand angemessenes Gehalt. Dem schließen wir uns natürlich an. Die politische Diskussion im zurückliegenden Jahr geht in die gleiche Richtung: Namhafte Politiker verlangen einen ge-setzlichen Mindestlohn in der Höhe von 12,00 Euro/Stunde und unser Bundesgesundheits-
minister spricht von einem Einstiegsgehalt von 3.000 Euro brutto monatlich für eine examinierte Altenpflegekraft. Wir wissen aber, dass es noch immer viele MFA gibt, die gerade den Mindestlohn erhalten.

Für eine Nettorente oberhalb des Grundsicherungsniveaus (von derzeit bei 814 Euro) wer-den nach Angaben des Bundesarbeitsministeriums 29,5 Rentenpunkte benötigt. Bei einer wöchentlichen Arbeitszeit von 38,5 Stunden über 45 Jahre versicherungspflichtiger Beschäf-tigung hinweg zu erreichen, wäre aktuell rechnerisch ein Stundenlohn von 12,63 Euro erfor-derlich.

Unsere Forderung ist aus unserer Sicht mehr als gerechtfertigt und soll die Mindestarbeits-bedingungen kennzeichnen. Angesichts des existierenden Fachkräfteengpasses bei MFA sind Arbeitgeber und Politiker gefragt, die Finanzierung dieser Kosten zu garantieren, denn die Zahl der MFA, die daran denken, den Arbeitgeber zu wechseln oder ganz aus dem Beruf auszusteigen, ist sehr groß. Die Auswirkungen auf die ambulante Patientenversorgung und das Gesundheitswesen als Ganzes sind gravierend.“

1 Vu-Eickmann P, Li J, Müller A, Angerer P, Loerbroks A. Associations of psychosocial working conditions with health outcomes, quality of care and intentions to leave the profession: results from a cross-sectional study among physician assistants in Germany. International Archives of Occupational and Environmental Health 2018;91:643-654.
Vu-Eickmann P, Loerbroks A. Psychosocial working conditions of physician assistants: results of a qualitative study on occupational stress, resources, possible approaches to prevention and intervention needs. Zeitschrift für Evidenz, Fortbildung und Qualität im Gesundheitswesen 2017;126:43-51

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