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Was beeinflusst Übergewicht?

Neue Studie zu den Einflussfaktoren von Adipositas

St. Elisabeth Gruppe GmbH am 17.01.20

Adipositas gilt mittlerweile als Volkskrankheit und betrifft jeden vierten bis fünften Menschen in Deutschland. Das Adipositaszentrum Witten des Marien Hospital Witten hat sich mit der Frage nach Risikofaktoren dieser Krankheit beschäftigt und dabei besonders soziale Aspekte betrachtet.

Von einer Adipositas-Erkrankung wird ab einem BMI (= body mass index) von 30 gesprochen. Zum Vergleich, der BMI eines Normalgewichtigen liegt zwischen 18,5 und 24,9. Laut Weltgesundheitsorganisation WHO sterben jährlich rund 2,8 Millionen Menschen weltweit an den Folgen von extremen Übergewicht. Auch in Deutschland ist das Thema von hoher Bedeutung, denn 23% aller Männer und 24% aller Frauen leiden hierzulande unter Adipositas, umgangssprachlich auch Fettsucht genannt. Das Risiko von Folgeerkrankungen, wie Typ-2-Diabetes, Fettleber oder Atherosklerose, stellt eine Gefahr für Betroffene dar.

Adipositaszentrum Witten forscht

Mit der Komplexität dieses Krankheitsbildes beschäftigen sich die Experten des Adipositaszentrums Witten. Aktuell forscht das Team um Prof. Dr. Metin Senkal und Dr. Dr. Pia Jäger zu den Risikofaktoren von Adipositas. Anlass zur Studie gab die Feststellung, dass sozial schwache Schichten häufig von Adipositas betroffen sind. Forschungen des Robert Koch-Instituts zeigen, dass Menschen mit Migrationshintergrund überdurchschnittlich oft zu dieser Risikogruppe zählen. Anlass für die aktuelle Arbeit gaben unter anderem Erkenntnisse aus Schuleignungsuntersuchungen in Deutschland. Diese deuten darauf hin, dass besonders Kinder mit Migrationshintergrund von Übergewicht betroffen sind. Dieser Zusammenhang soll nun wissenschaftlich geprüft werden. Des Weiteren soll festgestellt werden, ob sich ein niedriges Gehalt und wenige Bildungsjahre auf die Behandlung der Betroffenen und den Erfolg der Therapie auswirken.

Erste Ergebnisse liegen vor

„Für unsere Studie haben wir Fragebögen in deutscher, türkischer und arabischer Sprache verwendet, um die relevante Zielgruppe auch sprachlich zu erreichen“, erklärt Prof. Dr. Metin Senkal, Chefarzt der Klinik für Klinik für Allgemein- und Viszeralchirurgie. „Auf unsere erste Forschungsfrage nach den Entstehungsfaktoren von Adipositas konnten wir feststellen, dass es komplexe sozioökonomische Faktoren für einen erhöhten BMI gibt. Dazu zählt zum Beispiel neben dem Bildungsniveau auch das Haushaltseinkommen. Diese Ergebnisse könnten erklären, warum Migranten in diesen Risikogruppen überdurchschnittlich stark vertreten und dadurch auch häufig von Adipositas betroffen sind.“
In Hinblick auf die Frage nach dem Therapieerfolg gibt es aktuell noch keine Ergebnisse, die Studie ist jedoch schon angelaufen. „Zum Verständnis für diese zweite Forschungsfrage ist es wichtig zu wissen, dass wir nach einem so genannten multimodalen Konzept arbeiten“, führt Prof. Senkal aus. „Das bedeutet, dass wir unseren Patienten ein umfassendes Therapiekonzept aus Maßnahmen wie Ernährungsberatung, Verhaltenstherapie, Selbsthilfegruppen und Bewegungstherapie anbieten.“ Aufgabe der Forschenden ist es nun, über einen Zeitraum von 3 bzw. 6 Monaten zu überprüfen, ob es abhängig vom kulturellen und sozialen Hintergrund des Patienten Unterschiede in der Teilnahme an den einzelnen Modulen und dem Therapieerfolg gibt.

Wittener Patienten profitieren von den Resultaten

Ziel der Studie ist eine individualisierte, patientenorientierte Therapie. Das bedeutet eine Verbesserung des bestehenden Behandlungsangebotes für die Patienten des Adipositaszentrums Witten im Hinblick auf ihren sozioökonomischen Hintergrund. Die besondere Qualität der Behandlung bestätigte 2018 bereits die Deutsche Gesellschaft für Allgemein- und Viszeralchirurgie (DGAV), die das Adipositaszentrum Witten als Kompetenzzentrum für Adipositaschirurgie zertifizierte. Mit der aktuellen Forschung soll die Expertise noch weiter vertieft werden.

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