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Was die chirurgische Komplikation vom Behandlungsfehler unterscheidet

120 Chirurgen tagen beim „Bochum Treff“ im Bergmannsheil

Berufsgenossenschaftliches Universitätsklinikum Bergmannsheil GmbH am 06.02.20

Prof. Dr. Thomas A. Schildhauer (Bergmannsheil Bochum) mit Prof. Dr. Bertil Bouillon (Kliniken Köln) – Bildnachweis: Bergmannsheil.

33 Jahre „Bochum Treff“, 33 Jahre Fachaustausch für Chirurgen auf höchstem Niveau: Auch die neue Auflage der traditionsreichen Tagung der Chirurgischen Klinik des BG Universitätsklinikums Bergmannsheil (Direktor: Prof. Dr. Thomas A. Schildhauer) fand ein großes und interessiertes Publikum. Über 120 Experten diskutierten Herausforderungen der Komplikations- und Revisionschirurgie. Fast 30 Referenten und führende Meinungsbildner der chirurgischen Fachgesellschaften nahmen an der zweitägigen Veranstaltung Ende Januar 2020 teil. Neben dem wissenschaftlichen Hauptprogramm gab es praktische Workshops zu den Themen Endoprothetik und Instrumentation, eine umfangreiche Industrieausstellung und viel Gelegenheit zum persönlichen Austausch.

Wenn Behandlungsstandards und Lehrbuchwissen nicht mehr reichen

„Komplikationen und schlechte Heilungsverläufe sind zum Glück nicht alltäglich, sie können aber zum Beispiel bei komplizierten Brüchen oder Folgeproblemen erhebliche Herausforderungen an den behandelnden Chirurgen stellen“, erklärt Prof. Schildhauer, Wissenschaftlicher Leiter des „Bochum Treffs“. „Umso wichtiger ist es, sich im Kollegenkreis über praktische Lösungsmöglichkeiten auszutauschen und natürlich gegenseitig von der individuellen Erfahrung zu profitieren – denn komplexe Behandlungssituationen erfordern eine Herangehensweise, die oft von üblichen Standards und vom Lehrbuchwissen abweicht.“ Offen und transparent berichteten die Referenten von eigenen Erfahrungen und diskutierten über die notwendige Abgrenzung der Begriffe Komplikation und Behandlungsfehler. Denn nicht jede Komplikation ist auf einen Behandlungsfehler zurückzuführen, sondern kann Folge einer besonders anspruchsvollen und ungewöhnlichen Behandlungssituation sein.

Genaueste OP-Planung mit Checklisten und Vier-Augen-Prinzip

Fazit des „Bochum Treffs“: Je besser die Planung im Vorfeld der OP, je besser der Operateur schon vorbeugend mögliche Risikoszenarien antizipiert, desto besser ließen sich problematische OP- und Behandlungsverläufe vermeiden. Standardisierte Checklisten, das Vier-Augen-Prinzip in der OP-Vorbereitung, die genaue Planung von Material, Implantaten, Zugangswegen und Abläufen, aber auch die stetig verbesserten Möglichkeiten der Diagnostik und Therapie würden dem Chirurgen wichtige Hilfestellungen leisten, so Priv.-Doz. Dr. Jan Geßmann, Leitender Oberarzt der Chirurgischen Klinik Bergmannsheil: „Mit modernster intraoperativer Bilddiagnostik können wir den Behandlungserfolg im OP in Echtzeit überprüfen, dazu geben uns hochinnovative minimalinvasive OP-Techniken immer bessere und genauere Therapiemöglichkeiten. Sowohl technische als auch organisatorische Verbesserungen sind wesentlich, das Risiko für mögliche Komplikationen so gering wie möglich zu halten.“

Anhand verschiedener Fallsituationen zeigten die Referenten beim „Bochum Treff“ typische oder unerwartete Komplikationen auf und diskutierten Lösungsmöglichkeiten. Im Vordergrund standen Gliedmaßen und die großen Gelenke, wie Knie und Sprunggelenk, Schulter und Ellenbogen sowie das Handgelenk. Leitendes Motiv war die Frage, wann und unter welchen Bedingungen ein Revisionseingriff, also eine Korrektur-OP, erfolgen sollte, und wann nicht. Ein besonderer Schwerpunkt widmete sich dem Thema Infektionen bei Osteosynthesen. In praktischen Workshops konnten Teilnehmer außerdem verschiedene Techniken in der Frakturversorgung älterer Patienten erproben und Revisionsverfahren in der Knieendoprothetik trainieren.

„Bochum Treff“ in neuen Räumen

„In diesem Jahr konnten wir unseren Bochum Treff erstmals im rundum erneuerten Bergmannsheil und in unseren neuen Veranstaltungsräumen durchführen“, so Prof. Schildhauer. „Wir freuen uns über die sehr gute Resonanz und fühlen uns in besonderer Weise geehrt, dass mit Prof. Dr. Michael Raschke und Prof. Dr. Dieter Wirtz gleich zwei unserer Präsidenten ihre Teilnahme ermöglicht haben.“ Prof. Raschke (Münster) ist Präsident der Deutschen Gesellschaft für Unfallchirurgie (DGU), Prof. Wirtz (Bonn) ist Präsident der Deutschen Gesellschaft für Orthopädie und Orthopädische Chirurgie (DGOOC) und der Deutschen Gesellschaft für Orthopädie und Unfallchirurgie (DGOU).

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