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Objektiv belastet: Studie zu Eltern von frühgeborenen Kindern

Universitätsklinikum Essen am 25.05.20

Die Geburt eines Babys ist ein großes Glück, das die neuen Eltern aber auch psychisch belasten kann – insbesondere die von extrem frühgeborenen Kindern. Wissenschaftler der Medizinischen Fakultät an der Universität Duisburg-Essen (UDE) haben in einer Studie das Ausmaß von Stress, Angst und Depression untersucht. Wie gehen Mütter und Väter damit um? Das Ergebnis: beide benötigen Unterstützung. Hierüber berichtet jetzt das Fachmagazin Frontiers in Psychiatry.
In ihrer Studie untersuchten die Wissenschaftler des Instituts für Medizinische Psychologie und Verhaltensimmunbiologie und der Abteilung Neonatologie der Klinik für Kinderheilkunde I am Universitätsklinikum Essen, wie häufig und ausgeprägt Stress, Depressivität und Angst bei Eltern reifgeborener oder extrem frühgeborener Kinder innerhalb der ersten Woche nach Geburt auftreten. Auch die Veränderung des Hormonsystems interessierte sie.

Die Biologen, Mediziner und Psychologen erfassten sowohl psychologische, als auch biologische Parameter. Zudem berücksichtigten sie beide Elternteile, so nahmen insgesamt 28 Mütter und 30 Väter reifgeborener Kinder sowie 18 Mütter und 21 Väter Frühgeborener unter 32 Schwangerschaftswochen teil. Ihre biologischen Daten wurden mittels Blut- und Speichelproben erhoben.

Die Erkenntnis der ForscherBei Vätern der Frühgeborenen lag die psychische Belastung über der der Vergleichsgruppe. In sämtlichen Tests wiesen sie höhere Werte für Stress, Angst und Depressivität auf. Für Depression erreichte dies keine klinische Relevanz, jedoch bei der Ängstlichkeit. Hier erreichten 53% der Väter den Schwellenwert des Tests. Hormonell zu erklären ist das nicht, es lässt sich aber ein Zusammenhang zwischen beiden Elternteilen vermuten.

Bei 55 % der Mütter eines frühgeborenen Babys zeigten sich Symptome einer milden Depression. Während bei Müttern reifgeborener Kinder ein hormoneller Zusammenhang auffiel und die Depressivität umso ausgeprägter war, je niedriger die Level von Östrogen und Progesteron waren, ließ sich dieser Zusammenhang bei Müttern Frühgeborener nicht aufzeigen. Dagegen konnte bei den Müttern Frühgeborener nur in Bezug auf das Hormon Prolaktin ein negativer Zusammenhang zu den Werten in den Fragebögen zu Depressivität und Ängstlichkeit nachgewiesen werden. Prolaktin reguliert die Milchproduktion beim Stillen. Das Fazit des interdisziplinären Forschungsteams: Die Auswirkungen der hormonellen Veränderungen auf die deutlich erhöhte psychische Belastung bei den Eltern von Frühgeborenen müssen in weiteren Studien geklärt werden.

Weiteres Fazit für die Regelversorgung: Die Ergebnisse der Studie unterstützen den Bedarf einer psychologischen Elternberatung durch ausgebildete Fachkräfte und eine Etablierung einer speziellen psychologischen Beratung – so wie es sie seit 2009 mit der Elternberatung „Frühstart“ am UK Essen gibt.

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