Wir können Gesundheit

Patienten ins Zentrum

Universität Duisburg-Essen am 12.11.20

Als Gott in Weiß sieht sich Dr. Jürgen in der Schmitten nicht. Der neue Professor für Allgemeinmedizin an der Medizinischen Fakultät der UDE möchte Patienten vielmehr zeigen, wie sie selbstbestimmte Entscheidungen treffen können. Er ist zugleich Direktor des Instituts ifam am UK Essen.

„Menschen, die schwer erkranken, möchte ich unterstützen, therapeutische Entscheidungen auch selbst treffen zu können. Nicht immer ist das ärztliche Standard-Vorgehen für den Einzelnen das richtige“, sagt in der Schmitten. Voraussetzung sei, das Patient und Arzt gemeinsam eine Lösung finden. Dieser Prozess fordere allerdings emotional und kommunikativ heraus. „Da besteht großer Entwicklungsbedarf.“

© UDE/Frank Preuß

Dass der 54-Jährige die Autonomie kranker Menschen wichtig findet, liegt unter anderem an seiner Arbeit als praktizierender Arzt. Nach dem Medizinstudium (1985-1994) an den Universitäten Tübingen, Belfast und Boston arbeitete er von 1996 bis 2001 in verschiedenen Krankenhäusern in Düsseldorf und Krefeld und seit 1998 als Hausarzt. Nach der Promotion (1997) absolvierte er an der Universität Düsseldorf ein Public Health-Studium (2003-2005); von 2005 bis 2014 forschte er als wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Uni Düsseldorf und seit 2014 als Professor für Lehre und Lehrforschung.

Am UK Essen möchte Jürgen in der Schmitten neben der allgemeinmedizinischen Lehre eine patienten-zentrierte Versorgungsforschung etablieren. Mit seinem Team wird er unter anderem wissenschaftliche Konzepte entwickeln, durch die sich Ärzte und Erkrankte gestärkt fühlen, gute Entscheidungen im Sinne des Patienten zu treffen. „Hierdurch kann einem Zuviel wie auch einem Zuwenig an Diagnostik und Therapie entgegenwirkt werden”, sagt er. Zudem bestünden Schnittstellen für Forschungskooperationen mit anderen Fächern.

Medizinstudierenden möchte er einen ärztlichen Umgang vermitteln, der ebenfalls die Selbstbestimmung Erkrankter stärkt. „Die frühe Begegnung mit dem Patienten als bio-psycho-soziales Ganzes ist ein wichtiges Element für die ärztliche Sozialisation“, erläutert er. Die noch im Entwurf vorliegende Approbationsordnung sieht vor, dass die Studierenden ab 2025 Haltung, Wissen und Können ab dem ersten Studienjahr regelmäßig an hausärztlich betreuten Menschen ausbilden und üben können.

Des Weiteren wird in der Schmitten an die Schwerpunkte des ifam-Instituts anknüpfen und etwa die Palliativmedizin ausbauen. „Eine kompetente palliativmedizinische Begleitung am Lebensende halte ich für eine ureigene hausärztliche Aufgabe“, so der Allgemeinmediziner.

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