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Ein OP-Roboter für alle Fachrichtungen

Das Marien-Hospital ist Vorreiter bei der Anschaffung eines „da Vinci“ der neuesten Generation

KKRN Katholisches Klinikum Ruhrgebiet Nord GmbH am 15.03.21

Es ist das Neueste, was die Technik hergibt, und es soll laut Hersteller erst Ende 2023 in den Markt eingeführt werden, doch das Marien-Hospital möchte Vorreiter sein und hat schon jetzt investiert: in den Computer gestützten Operationsroboter „da Vinci“ der neuesten Generation – mit dem futuristischen Namen „Xi“.

Was dahintersteckt? In der Urologie hat sich diese robotisch assistierte Chirurgie als Weiterentwicklung der traditionellen Schlüssellochtechnik (Laparoskopie), bereits seit Jahren etabliert. Auch bei „da Vinci“ werden eine Kamera mit Lichtquelle sowie miniaturisierte Instrumente über kleine Hautschnitte in die Bauchhöhle eingebracht. Allerdings werden sie von den vier Armen des Roboters, der jede Bewegung des Chirurgen exakt umsetzt, elektronisch gesteuert. Natürlich behält der Mensch dabei die Handlungshoheit: Der Operateur sitzt an einer Konsole mit dreidimensionaler, vergrößerter Sicht auf das Operationsfeld und bedient mit jeder Hand eine Art Joystick – und das völlig ermüdungsfrei.

Noch präziseres sichereres Arbeiten mit mehr Freiheit

Das Verfahren an sich ist eigentlich schon beinahe ein alter Hut. Im Marien-Hospital haben die Experten mehr als eine Dekade Erfahrung damit. Doch die neue da Vinci- Generation kann das, wovon bislang jeder Operateur nur träumen konnte. Denn die neuen Achsen können sich im Vergleich zum Vorgänger mehrmals um sich selbst drehen und so in jeden kleinsten Winkel vordringen. Ein Beispiel: Befallenes Prostatagewebe kann jetzt radikal mit „da Vinci Xi“ entfernt werden, ohne Harnleiter, Harnblase, Samenstränge oder Genitalien zu verletzen. Bisher war das so eine Sache für sich, weil die Prostata im tiefsten Winkel des Beckens sitzt, die der Operateur mit herkömmlichen Methoden nicht erreichte. Doch die Generation Xi erlaubt ein noch präziseres und sichereres Arbeiten. Dank einer noch schärferen dreidimensionalen Optik in zehnfacher Vergrößerung sind jetzt feinste Strukturen und Gefäße noch besser erkennbar, erläutert Dr. Hans-Jörg Sommerfeld, Chefarzt der Klinik für Urologie am Marler Marien-Hospital: „Die Instrumentenzugänge sind noch filigraner und man hat weitaus mehr Freiheitsgrade“, so der Experte.

Patient ist schneller wieder auf den Beinen

Das Resultat wird am Beispiel der Prostataentfernung deutlich: Weniger Operationstraumata, weniger Schmerzen, weniger Komplikationen, und der Patient ist schneller wieder auf den Beinen. Die Verweildauer im Krankenhaus betrage statt 10-14 Tagen wie bisher, jetzt durchschnittlich, vier bis fünf Tage, so Dr. Sommerfeld. Mit der Anschaffung von „da Vinci Xi“ gäbe es in der Urologie keine Limitation mehr:
„Es sind inzwischen alle Eingriffe, auch komplexe Operationen etwa zur Entfernung der kompletten Harnblase, möglich“, so Sommerfeld. Diese Expertise hat sich das Marien-Hospital durchaus etwas kosten lassen. Mehr als zwei Millionen Euro wurden investiert, obwohl die Krankenkassen dem bislang keine Rechnung tragen: So sind da Vinci-Operationen teurer als herkömmliche Verfahren, doch vergütet werden sie genauso pauschal wie andere Eingriffe. Doch die Vorteile für die Patienten sind enorm.

Große Erfolge auch in der Darmchirurgie

Nicht nur Dr. Sommerfeld ist von dem Benefit für die Patienten überzeugt. Auch sein Kollege Dr. Klaus-Peter Riesener, Chefarzt der Allgemeinen Chirurgie, sowie der leitende Oberarzt Marcus Roth sehen den großen Erfolg etwa in der Darmchirurgie, zum Beispiel bei rechts- und linksseitigen Dickdarm-Operationen. Neben der extrem guten Sicht loben die Experten das einfache Set-up, also den schnellen Aufbau des Systems, die große Reichweite und die Wendigkeit. Selbst bei tieferen Eingriffen müssen die Patienten nun nicht mehr umgelagert und der OP-Roboter neu angedockt werden. Die Operationszeit verkürze sich dadurch erheblich und die Komplikationsrate tendiere gen Null. Dr. Riesener: „Ich bin sehr froh, dass unsere Geschäftsführung so weitsichtig war.“

Konsole ist bald von der gesamten Fachwelt nutzbar

Und so hat nicht nur der „Xi“ einen futuristischen Namen, sondern die Experten am Marien-Hospital auch eine Vision: bald auch Eingriffe am Magen, der Speiseröhre sowie der Bauchspeicheldrüse mit „da Vinci“ vornehmen zu können. Selbst Bauchwandbrüche sollen künftig Roboter assistiert behandelt werden. Weil auch die Rechnerleistung stetig steigt und das System immer präziser wird, kann es bald von der gesamten Fachwelt genutzt werden, etwa in der Gynäkologie, der Kardiologie oder auch von den HNO-Ärzten.

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