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Wie ältere Menschen den globalen Gesundheitsmarkt beeinflussen

Deutsche Apotheker- und Ärztebank am 06.04.21

Der 7. April ist der Weltgesundheitstag und der Tag der älteren Generation. Der demografische Wandel zu einer größeren und im Schnitt älteren Bevölkerung hat großen Einfluss auf das Wachstum des weltweiten Gesundheitsmarkts. Healthcare-Fondsmanager Hendrik Lofruthe analysiert dies anhand mehrerer Beispiele.

Die weltweite Bevölkerung soll bis 2050 auf rund 9,7 Milliarden wachsen, erwarten die Vereinten Nationen. Damit einhergeht eine zunehmende Lebenserwartung, die in den entwickelten Ländern besonders ausgeprägt ist. Laut dem Statistischen Bundesamt hat ein heute geborenes Mädchen eine durchschnittliche Lebenserwartung von 83,4 Jahren, ein Junge von 78,6 Jahren. Das sind jeweils über 10 Lebensjahre mehr als noch 1970. Beigetragen zu dieser erfreulichen Verbesserung hat unter anderem der medizinische Fortschritt. Zugleich bringt dies neue Herausforderungen mit sich. Denn mit zunehmendem Alter stellen sich oft auch gesundheitliche Beschwerden ein. So fallen fast die Hälfte aller Behandlungskosten bei Patienten an, die über 65 Jahre alt sind.

Für Gesundheitsunternehmen sind die Bedürfnisse alter Menschen daher ein wichtiges Segment mit großem Wachstumspotenzial, an dem auch Anleger teilhaben können.

Augenheilkunde: Von Medikamenten bis zu mikroinvasiven OPs

Zu den typischen Altersbeschwerden zählen Augenkrankheiten wie der Graue oder der Grüne Star. Die Ophthalmologie, also die Augenheilkunde, beschäftigt sich mit Therapien, Technologien und Medikamenten, um die Sehkraft zu schützen oder wiederherzustellen. Das reicht von kleineren Unternehmen, die sich auf einzelne Produkte wie künstliche Linsen spezialisieren, bis zu globalen Pharmariesen.

Aufgrund der demografischen Entwicklung in den Industrieländern ist die Augenheilkunde ein wachsender Markt. Fast zwei Drittel aller Sehbehinderten und über 80 Prozent aller Blinden sind älter als 50 Jahre, wie die Weltgesundheitsorganisation schätzt. Allein Lesehilfen haben ein jährliches Umsatzpotenzial von 85 Milliarden Euro, prognostiziert der französische Brillenglas-Hersteller Essilor. Aus dessen Sicht ist jeder Mensch ein potenzieller Kunde, wenn man Sonnenbrillen gegen UV-Strahlung mit dazurechnet. Zunehmende Alternativen sind Laser und mikroinvasive OPs, für die zum Beispiel das deutsche Unternehmen Carl Zeiss Meditec die Medizintechnik liefert. Dabei werden Patienten künstliche Linsen ins Auge eingesetzt, sogenannte Intraokular-Linsen. Dieser chirurgische Markt ist schätzungsweise 8,5 Milliarden Euro groß und wächst jedes Jahr um fünf bis sieben Prozent.

Hörgeräte: Gesundheit und Lifestyle

Neben der Augenheilkunde bietet auch der Markt für Hörgeräte große Chancen. Die Zielgruppe ist die gleiche. Erkannt hat das zum Beispiel die Optikerkette Fielmann, die neben Brillen und Kontaktlinsen verstärkt auch den Markt für den Vertrieb von Hörgeräten erschließt. Bisher nutzt nur jeder dritte Betroffene ein Hörgerät, anderen ist es unangenehm oder zu teuer. Doch die Branche wandelt sich stark. Sie profitiert nicht nur vom demografischen Wandel, sondern auch von Innovationen: Neue Hörgeräte sind modernste Mikro-Computer, die sich drahtlos mit dem Smartphone verbinden und automatisch an Umgebungsgeräusche anpassen. Wie bei Brillen spielen Mode und Lifestyle auch bei Hörgeräten eine immer wichtigere Rolle. Sie müssen nicht nur hochfunktional, sondern am besten auch chic oder fast unsichtbar sein. Die Entwicklung neuer audiologischer Maßstäbe und die Optimierung von Hörgeräten und Sehhilfen schreitet voran.

Urologie: Implantate & Co.

Auch die Urologie ist ein Markt, der mit der demografischen Entwicklung wächst. Unternehmen wie die amerikanische Teleflex vertreiben verschiedenste Formen moderner Katheter, die chronisch kranken Patienten auf vielfältige Weise Komfort und Erleichterung verschaffen. Einen anderen Ansatz wählt Axonics, ein auf Neurostimulation spezialisiertes Unternehmen aus den USA. Über ein Miniatur-Implantat im Hüftbereich erhalten Patienten mit Inkontinenzproblemen die Kontrolle über Blase und Darm zurück.

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