Wir können Gesundheit

Noi siamo con voi – Unsere Corona-Hilfsaktion für Bergamo

Von Solidarität, Hilfe und einem privaten Glücksmoment

Kath. Klinikum Bochum gGmbH – Universitätsklinikum der RUB am 12.11.21

Es begann am 22. März 2020 mit einer sehr persönlichen Nachricht von Pietro, einem Bekannten aus Crema in Norditalien. Sie schloss mit dem dramatischen Appell „SAVE US“.

v.l.n.r. die Leitungen der beiden Stationen, auf denen die italienischen Patienten erfolgreich behandelt wurden:
Dr. Adnan Labedi (Intensivstation), Sabine Arnswald (Intensivstation), Angela Graß (Infektionsstation), Björn Diller (Intensivstation), Dr. Renate Schlottmann (Infektionsstation)

Gepaart mit den Eindrücken, die uns zu dieser Zeit über die Medien aus den Krankenhäusern rund um Bergamo erreichten, entstand das Bedürfnis, ein Zeichen der Verbundenheit, der Solidarität mit den Kolleginnen und Kollegen vor Ort zu setzen, die dort Übermenschliches leisteten. „NOI SIAMO CON VOI“ (dt. Wir sind mit Euch“), so lautete die Botschaft, deren Letter wir kurzerhand ausdruckten und gemeinsam mit einem Dutzend italienischer Flaggen am darauf folgenden Tag vor dem Haupteingang in die Kamera hielten.

Die Aktion (Foto und Kurzvideo) ging medial richtig steil, in der Zeitung wie auch im Web; wurde zigmal geliked, geteilt und kommentiert. Dennoch hinterließ sie das unbefriedigende Gefühl, zwar ein Zeichen gesetzt, aber im Grunde keine substantielle Hilfe geleistet zu haben.

Dies sollte sich jedoch bereits wenige Tage später ändern. NRW-Ministerpräsident Armin Laschet verkündete kurzfristig eine grenzüberschreitende Hilfsaktion, die auch die Versorgung von sechs Covid-19 Patienten aus der Region Bergamo vorsah. Als uns die Anfrage erreichte, ob wir bereit wären, davon zwei Patienten aufzunehmen, gab es kein Zögern. Unsere zwischenzeitig deutlich ausgebauten Intensivkapazitäten ließen dies, ohne Abstriche gegenüber der eigenen Bevölkerung befürchten zu müssen, zu. Auch Gedanken hinsichtlich eines erhöhten Infektionsrisikos verloren sich schnell gegenüber dem medizinischen wie auch christlichen Anspruch, hier akut und unbürokratisch helfen zu können.

Schon die Ankunft verläuft spektakulär. Die beiden Patienten – künstlich beatmet – werden mit einer Maschine der Bundesluftwaffe zum Flughafen Köln-Bonn und von dort in einer rollenden Intensivstation nach Bochum gebracht. Als der Spezialtransport am 28. März um 17 Uhr auf das Gelände fährt, stehen mehrere Fernsehkameras bereit. Sie hatten schon stundenlang gewartet, denn der Transport war mehrfach verschoben worden.
Es folgt ein Drama von neun Wochen. Von Anfang an ist klar, dass die Patienten nicht nur medizinische, sondern auch emotionale und soziale Hilfe benötigen würden. Die Ausgangslage ist schließlich spektakulär: in Bergamo intubiert und dann in Bochum aufgewacht, an einem Ort, wo man zuvor möglicherweise noch nie war, in einem fremden Land mit einer fremden Sprache und weit weg von der eigenen Familie.

Die Lösung: Dr. Ines Siglienti. Die Oberärztin aus unserer Neurologie, erklärt sich bereit, mit den beiden Patienten in ihrer Muttersprache Kontakt aufzunehmen und die Familien in Italien kontinuierlich über den Gesundheitszustand zu informieren.

Die Geschichte eines der beiden italienischen Patienten, Claudio, entwickelt dann eine weitere Dramatik, die bundesweit und international für Aufsehen sorgt. Es zeigt sich nämlich, dass er seit zwölf Jahren mit seiner Tochter Stefania kein einziges Wort gesprochen und seine drei Enkel, die in dieser Zeit geboren worden waren, noch nie gesehen hat. Soll das bis zum Lebensende immer so weitergehen? „Jetzt oder nie“, denkt sich seine Tochter. Es reift eine spektakuläre Idee: Per Skype nehmen die beiden erstmals nach zwölf Jahren wieder Blickkontakt auf. Dass dies – natürlich mit beiderseitigem Einverständnis – auch noch vor laufenden Fernsehkameras stattfindet, setzt dem Drama die Krone auf. Es fließen Tränen, aber es sind Tränen der Freude und der Rührung.

Nach sechs Wochen kann Claudio das St. Josef-Hospital geheilt verlassen. Armin Laschet kommt, um ihn persönlich zur verabschieden. Unsere Kolleginnen und Kollegen schenken ihm zur Erinnerung ein KKB-Shirt mit ihren Unterschriften. Auch ihnen ist Claudio inzwischen ans Herz gewachsen.

Drei Wochen später tritt auch der zweite italienische Corona- Patient, Paolo, die Heimreise an. Von Corona geheilt und mit neuem Lebensmut. Die italienische Freude ist komplett. Auch sein Abschied wird emotional. In Gestalt von NRW-Europaminister Dr. Stephan Holthoff-Pförtner kommt erneut politische Prominenz nach Bochum. Der VfL Bochum stiftet ein Trikot, das alle Profifußballer des Vereins signiert hatten. Torhüter Manuel Riemann fügt sogar eine persönliche Widmung hinzu.

So sehr sich Paolo auf zuhause freut, seine Wertschätzung für Deutschland ist groß. „Danke Bochum, danke Deutschland“, ruft er zum Abschied. Und das italienische Drama im St. Josef- Hospital findet nach neun Wochen ein glückliches Ende.

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