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Technologie der Zukunft bereits Alltag in Herne

Künstliche Intelligenz revolutioniert Anästhesie

St. Elisabeth Gruppe GmbH am 18.11.21

Durch den Einsatz von künstlicher Intelligenz kann die neue Technik frühzeitig vor einem Blutdruckabfall warnen und gibt auch die mögliche Ursache für den Abfall an.

Während einer Operation vorhersagen, wann sich der gesundheitliche Zustand eines Patienten verschlechtern wird – was zunächst nach einer Zukunftsvision klingt, ist nun mittels modernster Technik in der Anästhesie möglich: Durch den Einsatz von künstlicher Intelligenz erstellt ein Computer kontinuierlich Auswertungen, die vor einem Blutdruckabfall warnen, bevor er eintritt. Das Marien Hospital Herne – Universitätsklinikum der Ruhr-Universität Bochum setzte diese Technik als erstes Krankenhaus in Deutschland routinemäßig bei Operationen ein.

„Bisher schlugen die Geräte erst Alarm, wenn es während einer Operation zu einem Blutdruckabfall kam. Dann konnten wir reagieren und den Blutdruck stabilisieren“, erklärt Prof. Dr. Ulrich Frey, Direktor der Klinik für Anästhesiologie, operative Intensivmedizin, Schmerz- und Palliativmedizin. „Die neue Technik reagiert viel früher. Sie analysiert die Blutdruckkurve kontinuierlich und kann aufgrund von künstlicher Intelligenz vorhersagen, ob in den nächsten 5 – 10 Minuten ein Blutdruckabfall auftreten wird. Es handelt sich also um ein Frühwarnsystem – das hat es so noch nie gegeben“, ergänzt er.

Innovation in der Patientenversorgung

Ein Blutdruckabfall während einer Operation kann bereits nach kurzer Zeit zu Komplikationen führen. Damit diese erst gar nicht auftreten, kommt die künstliche Intelligenz zum Einsatz: Insbesondere bei größeren Operationen wie beispielsweise Erkrankungen der Aorta oder bei der Entfernung von Tumoren. Handelt es sich um einen Patienten, der aufgrund von Vorerkrankungen wie zum Beispiel Diabetes oder Gefäßerkrankungen ein erhöhtes Risiko für einen Blutdruckabfall während einer OP aufweist, wird die neuartige Technik ebenfalls eingesetzt. „Aktuell nutzen wir sie 3 – 4 Mal pro Woche. So oft, wie kein anderes Krankenhaus in Deutschland“, erzählt der Klinikdirektor.

Ein Blick in die Zukunft – Wie funktioniert die neue Technik?

Die Technik besteht aus einem Sensor und einem Computer. Beide werden an das Blutdruckmessgerät angeschlossen. Dieses ist über einen Zugang in einem Blutgefäß mit dem Patienten verbunden. Somit kann der Sensor den Blutdruck des Patienten permanent überwachen und zeichnet jede kleine Veränderung – auch die, die ein Mensch nicht erkennen kann – auf. Die künstliche Intelligenz wertet die Überwachung dann laufend aus. Aufgrund von Algorithmen und auf Basis von aufgezeichneten Daten lernt die künstliche Intelligenz selbstständig und sagt nicht nur voraus, dass der Blutdruck eines Patienten mit großer Wahrscheinlichkeit fallen wird, sondern gibt anhand einer Auswertung auch die wahrscheinliche Ursache für den Abfall an. Das ermöglicht den Ärzten gezielte Maßnahmen einzuleiten, die dafür sorgen, dass der vorangekündigte Blutdruckabfall verhindert wird. „Die Tatsache, dass die künstliche Intelligenz in der Lage ist neben der Frühwarnung auch die Ursache zu erkennen, ist ein bedeutender technischer Fortschritt in der Anästhesie“, sagt Prof. Frey. Somit können Komplikationen wie beispielsweise Nierenschäden, Schlaganfälle oder ein Herzinfarkt vermieden werden. „Eine von uns durchgeführte Studie kam zu dem Ergebnis, dass unter Einsatz der Technik fünfmal weniger Blutdruckabfälle während einer Operation vorkommen. Das sind großartige Ergebnisse“, berichtet Prof. Frey.

Workshops im Umgang mit der neuen Technik

Seit 2019 befindet sich die neue Technik im Besitz der Klinik für Anästhesiologie, operative Intensivmedizin, Schmerz- und Palliativmedizin im Marien Hospital Herne. „Wir sind deutschlandweit die erste Klinik, die dieses Verfahren außerhalb von klinischen Studien – also für die Versorgung von Patienten – eingesetzt hat. Durch den häufigen Einsatz des Gerätes konnten wir uns eine umfangreiche Expertise im Umgang mit der Technologie aneignen“, erklärt Prof. Frey. Aufgrund ihres Wissenstandes bietet die Abteilung Workshops für Pflegekräfte und Ärzte sowohl aus dem eigenen Haus als auch für andere Krankenhäuser an: „Der Umgang mit der Technik muss geübt sein, denn das Personal muss wissen, wie es die Werte, die die künstliche Intelligenz berechnet, korrekt auswertet und interpretiert. Hierfür habe ich ein Protokoll entwickelt, das weniger Erfahrenen dabei hilft, die Ergebnisse der Auswertung zu verstehen“, sagt Prof. Frey. Derzeit finden die Workshops in kleinen Gruppen von 8 – 16 Teilnehmern statt. Seit Ende Oktober sind auch Workshops auf Englisch in der Planung, die sich an internationales Fachpublikum richten werden.

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