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Covid-19 und Rheuma – Schützt eine Corona-Schutzimpfung auch Rheumapatienten?

St. Elisabeth Gruppe GmbH am 2. November 2022

Impfstoffe helfen dem Immunsystem einen Schutz gegen bestimmte Viren aufzubauen – so auch Covid-19-Impfstoffe. Doch wie reagiert das Immunsystem von Menschen, die Medikamente einnehmen müssen, die das Immunsystem unterdrücken? Solche sogenannten Immunsuppressiva kommen zum Beispiel bei der Therapie von rheumatischen Erkrankungen zum Einsatz. Forscher des Centrum für Translationale Medizin der Medizinischen Klinik I des Marien Hospital Herne – Universitätsklinikum der Ruhr-Universität Bochum haben gemeinsam mit Experten des Rheumazentrum Ruhrgebiet untersucht, wie gut eine Corona-Schutzimpfung bei Patienten wirkt, die eine Rheumatherapie mit Immunsuppressiva erhalten. Das Ergebnis: Alle Patienten konnten einen ausreichenden Impfschutz aufbauen. Die Studie wurde in der renommierten Fachzeitschrift RMD Open veröffentlicht.

Entzündlich-rheumatische Erkrankungen sind sogenannte Autoimmunerkrankungen. Das bedeutet, dass das Immunsystem gegen den eigenen Körper kämpft und dort Entzündungen hervorruft. Das kann sowohl Gelenke und Knochen betreffen als auch Organe. Um dem entgegenzuwirken, erhalten Rheumapatienten Immunsuppressiva, die das körpereigene Immunsystem schwächen und so verhindern, dass der Körper sich gegen sich selbst richtet. Dies bedeutet jedoch, dass das Immunsystem Schwierigkeiten haben kann, durch Viren ausgelöste Infektionen zu bekämpfen und zu lernen, auf Impfungen gut zu reagieren. „Das könnte dazu führen, dass die Patienten keinen ausreichenden Impfschutz aufbauen können“, erklärt Prof. Dr. Xenofon Baraliakos, Direktor des Rheumazentrum Ruhrgebiet.

Grundlage der Studie

Forscher des Centrum für Translationale Medizin haben gemeinsam mit Experten des Rheumazentrum Ruhrgebiet untersucht, ob Patienten, die zur Therapie ihrer Rheuma-Erkrankung Immunsuppressiva einnehmen, nach der Corona-Schutzimpfung einen ausreichenden Schutz gegen das Coronavirus entwickeln. Für die Studie wurden über einhundert Patienten des Rheumazentrum Ruhrgebiet untersucht. Die Patienten haben unterschiedliche entzündlich-rheumatische Erkrankungen. „Alle erhalten zur Rheumatherapie eines von vier verschiedenen immunsuppressiven Medikamenten. Die Studie wurde unabhängig davon durchgeführt, ob die Patienten mit einem mRNA- oder Vektor-Impfstoff gegen Covid-19 geimpft wurden“, so Dr. Ioana Andreica, Oberärztin des Rheumazentrum Ruhrgebiet.

So wurde untersucht

Jedem Patienten haben die Forscher im Laufe der Studie drei Blutproben entnommen: vor der ersten Impfdosis, vier Wochen nach der ersten Impfdosis sowie vier Wochen nach der zweiten Impfdosis. In jeder Blutprobe wurden die Antikörper und die Antwort der Immunzellen gegen das Coronavirus untersucht. Die Analyse fand im Centrum für Translationale Medizin statt. „In unserem Labor haben wir eine spezielle Technik entwickelt, die uns ermöglicht festzustellen, welche Immunzellen auf das Coronavirus reagieren“, erklärt Prof. Dr. Nina Babel, Leiterin des Centrum für Translationale Medizin. „Wir können auch sagen, wie viele davon es gibt und wie gut sie funktionieren.“ Diese Informationen sowie die Anzahl der Antikörper, die sich gegen das Coronavirus bilden, zeigen, wie gut das Immunsystem der Rheumapatienten auf die Corona-Schutzimpfung reagiert.

Corona-Schutzimpfung wirkt trotz Immunsuppressiva

Die teilnehmenden Patienten wurden abhängig vom immunsuppressiven Medikament, das sie zur Rheumatherapie erhalten haben, in vier Gruppen eingeteilt. So konnten die Forscher nicht nur feststellen, ob der Impfschutz bei den Patienten trotz Immunsuppressiva ausreichend ist, sondern auch, ob es Unterschiede zwischen den einzelnen Medikamenten gibt. Das Ergebnis: Die Entwicklung von Antikörpern war nach Impfung unter Immunsuppressiva geringer als ohne. Im Gegensatz dazu blieb die zelluläre Immunantwort in den meisten Fällen erhalten. „Die Ergebnisse zeigen, dass Patienten, die immunsuppressive Therapien erhalten, auch dann von der Impfung profitieren können, wenn die Antikörperantwort gering ist,“ fasst Prof. Dr. Timm Westhoff, Direktor der Medizinischen Klinik I zusammen.

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