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Wenn das Verlangen nach Cannabis zur Sucht wird

Cannabiskonsumstörung führt zu psychischen und sozialen Problemen

LWL-Universitätsklinikum Bochum am 29. Mai 2024

Wenn Menschen nicht in der Lage sind, mit dem Cannabisrauchen aufzuhören, und Anzeichen einer Konsumstörung zeigen – wie zum Beispiel andauernder Cannabiskonsum trotz gesundheitlicher und gravierender sozialer Probleme im persönlichen Umfeld und im Alltag –, spätestens dann ist Hilfe angezeigt. Die Klinik für Psychiatrie, Psychotherapie und Präventivmedizin des LWL-Universitätsklinikums Bochum stellt für Erwachsene ab 18 Jahren in ihrer Institutsambulanz ein neues Angebot bereit: die Cannabissprechstunde im Behandlungsbereich der Abhängigkeitserkrankungen.

„Unser Angebot richtet sich an Menschen, die einen erhöhten Leidensdruck im Zusammenhang mit dem Cannabiskonsum an sich feststellen“, beschreibt Dae-In Chang. „Dazu gehören ein starkes Verlangen nach Cannabis wie aber auch erfolglose Versuche mit dem Konsum aufzuhören sowie Antriebsschwierigkeiten und mangelnde Leistungsfähigkeit in der Schule oder am Arbeitsplatz.“ In seine Sprechstunde kommen Patientinnen und Patienten zunächst für ein Vorgespräch und Diagnostik. Erst dann wird ein individuelles Behandlungsangebot gemacht. „Oft reicht eine ambulante Behandlung“, so Chang. „Wenn zusätzlich psychischiatrische Begleiterkrankungen festgestellt werden – wie Depressionen und Angststörungen –, werden diese mitberücksichtigt und behandelt.“ In sehr schweren Fällen kann auch eine stationäre qualifizierte Cannabisentgiftung erforderlich sein.

Dae-In Chang ist Oberarzt im Behandlungsbereich für Abhängigkeitserkrankungen und bietet seit Kurzem u.a. auch eine ambulante Sprechstunde für Menschen mit einer Cannabiskonsumstörung an. (Bildnachweis: privat)
Dae-In Chang ist Oberarzt im Behandlungsbereich für Abhängigkeitserkrankungen und bietet seit Kurzem u.a. auch eine ambulante Sprechstunde für Menschen mit einer Cannabiskonsumstörung an. (Bildnachweis: privat)

Je früher die Betroffenen eine Therapie beginnen, umso größer ist der Behandlungserfolg. Bei fortschreitender Cannabisabhängigkeit ist das Risiko für andere negative Folgen, wie Aufmerksamkeits-, Gedächtnis- und Lernprobleme sehr hoch. Im schlimmsten Fall löst der Drogenkonsum Psychosen oder andere schwerwiegende psychische Störungen aus. Erhöhte Vorsicht ist für Patientinnen und Patienten geboten, die bereits unter einer endogenen Psychose leiden. Diese kann erneut auftreten oder sogar chronisch werden und zum Beispiel mit Halluzinationen und Wahnvorstellungen einhergehen.

Neben der Beratung der Betroffenen sowie von Angehörigen aus Familien- oder Freundeskreisen umfasst das Behandlungsangebot weiterhin psychiatrisch-psychotherapeutische Behandlung, Psychoedukation (allgemeinverständliche Erklärung der Erkrankung) und ein verhaltenstherapeutisches Therapiekonzept.

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