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Behandlung von Aortenaneurysmen

Früher experimentell — heute hochpräzise

Klinikum Dortmund am 15. Mai 2026

MediTALK im Klinikum Dortmund zur Gefäßchirurgie

Die Aorta ist das größte und wichtigste Blutgefäß im Körper. Ein Aneurysma, also eine Erweiterung der Hauptschlagader auf das Eineinhalbfache ihrer normalen Größe, kann lebensbedrohlich werden. Lange konnte man diese Erkrankung nicht adäquat behandeln. Das hat sich erst im vergangenen Jahrhundert gewandelt, wie Dr. Markus Winkler, Direktor der Klinik für Gefäßchirurgie und Gefäßmedizin, beim mediTALK zum Thema “Die Behandlung des Aortenaneurysmas im Laufe der Zeit” beleuchtete.

Zuvor sei mit durchaus fragwürdigen Methoden experimentiert worden, sagte Winkler am vergangenen Mittwoch (13. Mai) beim Vortrag in der Magistrale des Klinikums Dortmund. So habe es Versuche gegeben, ein solches Aneurysma einfach abzubinden – was den Tod des Patienten zur Folge hatte – oder es mit Cellophan einzuwickeln, um einen Riss zu verhindern. Letzteres sei bei Albert Einstein ausprobiert worden. Er litt wie Thomas Mann an einem Aortenaneurysma. Beide entschieden sich gegen eine weitere Behandlung der Gefäßerweiterung und starben letztlich an den Folgen.

Mittlerweile gibt es bei einem Aortenaneurysma zwei grundlegende Operationsverfahren, die am Klinikum Dortmund in einem hochmodernen Hybrid-OP am Standort Nord durchgeführt werden. Bei der offenen Operation wird der betroffene Abschnitt der Aorta freigelegt und durch eine Kunststoffprothese ersetzt. Die schonendere Alternative ist die endovaskuläre Therapie (EVAR/TEVAR), bei der über die Leiste ein Stentgraft in die Aorta eingesetzt wird, der das Aneurysma von innen abdichtet. Welche Methode gewählt wird, hängt vor allem von Lage, Größe und Form des Aneurysmas sowie vom Gesundheitszustand der Patientin oder des Patienten ab.

„Die Entscheidung wird individuell mit den Patientinnen und Patienten getroffen“, sagte Winkler und machte deutlich, dass nicht jedes Aortenaneurysma behandelt werden müsse. „Operieren sollte ein Chirurg nur, wenn das Risiko der Operation geringer ist als das Risiko, nicht zu operieren.” Kleinere Aneurysmen werden in regelmäßigen Abständen kontrolliert, droht eine Ruptur, ist eine Operation unausweichlich. „Bei einem rupturierten Aneurysma liegt das Sterblichkeitsrisiko bei bis zu 40 Prozent“, sagte Dr. Winkler.

Etwa 40 von 100.000 Einwohnern erkranken jährlich an einem Aortenaneurysma. Auf eine Stadt der Größe Dortmunds gerechnet sind das etwa 240 Menschen im Jahr. Männer sind fünfmal häufiger betroffen als Frauen. Neben dem Geschlecht spielen unter anderem das Alter, genetische Faktoren und ein erhöhter Cholesterinspiegel eine Rolle. Hauptrisikofaktor sei jedoch das Rauchen, machte Dr. Winkler deutlich. “Es handelt sich um eine degenerative Erkrankung. Wenn man nur alt genug wird, bekommt jeder Mensch ein Aneurysma. An den Risikofaktoren lässt sich hingegen arbeiten.”

Im Anschluss an seinen Vortrag beantwortete der Gefäßspezialist Fragen der interessierten Zuhörerinnen und Zuhörer. Der mediTALK kann nachträglich auch auf dem YouTube-Kanal des Klinikums Dortmund angesehen werden.

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