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Bergmannsheil-Forscherin untersucht gesundheitliche Folgen der Intensivtherapie

DGUV fördert neues Projekt mit 214.000 Euro

Berufsgenossenschaftliches Universitätsklinikum Bergmannsheil GmbH am 13.12.18

Versorgung auf der Intensivstation – Nachweis: Dieter Pfennigwerth / Bergmannsheil

Anhaltende Sensibilitätsverluste an Händen und Füßen, schmerzhafte Empfindungsstörungen und motorische Schwäche sind typische Symptome einer sogenannten Erworbenen Skelettmuskel- und Nervenschwäche. Sie tritt häufig bei Patienten auf, die wegen einer anderen Grunderkrankung intensivmedizinisch versorgt werden mussten. Die zusätzlichen gesundheitlichen Probleme beeinflussen die Lebensqualität der Betroffenen und können zugleich ihren weiteren Heilungs- und Rehabilitationsprozess erheblich beeinträchtigen.

Forscher am BG Universitätsklinikum Bergmannsheil wollen herausfinden, wie häufig eine erworbene Skelettmuskelschwäche bei Intensivpatienten auftritt und welche Faktoren die Ausprägung dieser Erkrankung begünstigen. Dadurch wollen sie spezifische Biomarker definieren, mit denen eine frühere Erkennung und Behandlung der Erkrankung möglich würden. Das Projekt unter Leitung von Dr. Christine Meyer-Frießem, Oberärztin der Klinik für Anästhesiologie, Intensiv-, Palliativ- und Schmerzmedizin am BG Universitätsklinikum Bergmannsheil (Direktor: Prof. Dr. Peter Zahn), wird mit rund 214.000 Euro von der Deutschen Gesetzlichen Unfallversicherung (DGUV) gefördert. Beteiligt sind weiterhin die Neurologische Klinik (Direktor: Prof. Dr. Martin Tegenthoff), die Abteilung für Schmerzmedizin (Komm. Leitender Arzt: Dr. Dr. Andreas Schwarzer) und die Chirurgische Klinik (Direktor: Prof. Dr. Thomas A. Schildhauer) des Bergmannsheil. Das Projekt wurde zuvor bereits von der Forschungsförderung der Medizinischen Fakultät der Ruhr-Universität Bochum (FoRUM-Programm) mit 55.000 Euro unterstützt.

Ernstzunehmende Komplikation moderner Intensivmedizin

Viele Patienten, die aufgrund unterschiedlicher Erkrankungen auf eine Intensivstation aufgenommen werden, verbringen dort je nach Krankheitssituation einige Tage bis zu mehreren Wochen und werden hier im künstlichen Koma beatmet. Ihre Grunderkrankung bleibt auch im weiteren Behandlungs- und Rehabilitationsprozess stets im Fokus. Dagegen treten jedoch die gesundheitlichen Folgen, die eine Intensivtherapie auslösen kann, allzu oft in den Hintergrund. Mit einer Häufigkeit von 25% bis zu 100% stellt das Krankheitsbild der Erworbenen Skelettmuskelschwäche bei kritisch Kranken (ICU-acquired weakness, ICUAW, auch bekannt als Critical-Illness-Polyneuromyopathie, CINM) während und vor allem nach intensivmedizinischer Therapie eine ernstzunehmende Komplikation moderner Intensivmedizin dar. „Derzeit existiert kein verbindlicher Standard zur frühzeitigen Diagnosestellung, Verlaufsbeobachtung und Therapie dieser Erkrankung“, erläutert Dr. Meyer-Frießem. „Die ICUAW gefährdet somit eine schnelle Rehabilitation und vollständige Genesung betroffener Patienten.“

Langzeitfolgen verhindern, Heilungsaussichten verbessern

Ihr Forschungsprojekt verfolgt zwei Ziele: In einem ersten Schritt soll erfasst werden, wie häufig die Erworbene Skelettmuskelschwäche bei ehemals kritisch kranken Patienten nach einer Intensivtherapie im Bergmannsheil auftritt. Dazu werden Patienten und deren Krankheitsverläufe der letzten zehn Jahre analysiert. Im Weiteren sollen anhand modernster Techniken neurophysiologische, morphologische, histologisch-anatomische und molekular-biochemische Profile betroffener Patienten erstellt werden. Anhand der Definition eines Biomarkers soll es in Zukunft möglich sein, Patienten frühzeitig mit spezifischen vorbeugenden und therapeutischen Strategien zu behandeln. „Damit könnten wir Langzeitfolgen der Intensivtherapie verhindern und zugleich die Heilungsaussichten dieser Patienten verbessern“, sagt Dr. Meyer-Frießem.

Projekttitel: Multimodale prospektive Detektion und Definition von Biomarkern zur Prognoseverbesserung bei Critical-Illness-Polyneuromyopathie

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