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Katheter-gestützte Behandlung des akuten Schlaganfalls

Herz-Jesu-Krankenhaus Hiltrup wendet innovatives Verfahren zur Schlaganfall-Behandlung an – Bereits über 100 Eingriffe innerhalb des ersten Jahres

St. Franziskus-Stiftung Münster am 04.08.20

Den zweiten Weihnachtsfeiertag des vergangenen Jahres wird Peter Nübel nicht vergessen: An der Kaffeetafel, im Kreis von Freunden und Verwandten, „sackte plötzlich mein Arm von der Sessellehne, er fiel einfach herunter“, erinnert sich der 63-Jährige. Von jetzt auf gleich sei er auch nicht mehr sprechfähig gewesen: „Der Mundwinkel hing schlaff herab, ich wollte etwas sagen und brachte kein Wort heraus“. Seine Frau Birgit und die Gäste vermuteten sofort, dass es sich um einen Schlaganfall handelte. Sie taten das Richtige und riefen ohne zu zögern den Notarzt.

„Ich bin völlig wiederhergestellt“, lobt Peter Nübel (vorn, mit Ehefrau Birgit) nach der Behandlung im Herz-Jesu-Krankenhaus Hiltrup. Darüber freuen sich auch die beteiligten Ärzte (v.l.) Dr. Wolfgang Kusch, Julio A. Viera Ibarra, Priv.-Doz. Dr. Thomas Allkemper und Dr. Michael Oelerich.

Im Rettungswagen ging es ins Herz-Jesu-Krankenhaus Hiltrup. Es zählt zu den Kliniken in Deutschland, die ein innovatives Verfahren zur Schlaganfall-Behandlung anwenden, die so genannte Thrombektomie. Dabei wird – vereinfacht gesagt – ein Mini-Katheter durch die Arterien bis an die Stelle im Gehirn vorgeschoben, an der sich das Blutgerinnsel befindet. Mit einem mikroskopisch kleinen Spezialinstrument ergreifen die Ärzte dort den Pfropfen und ziehen ihn, ebenfalls über das Blutgefäßsystem, aus dem Körper heraus. Das Ganze geschieht unter ständiger Röntgen-Überwachung.

„Die Methode ist seit einigen Jahren etabliert und sie erbringt immer bessere Ergebnisse“, sagt Privatdozent Dr. Thomas Allkemper, Chefarzt der Radiologie und Neuroradiologie am Herz-Jesu-Krankenhaus Hiltrup. Er zählt zu den anerkannten Fachleuten für diese Form der Schlaganfall-Behandlung und hat zusammen mit ärztlichen Kollegen in seinem ersten Jahr in Hiltrup bereits über 100 Thrombektomien durchgeführt.

„Die Thrombektomie ist ein interdisziplinäres Geschehen, an dem mehrere medizinische Fachrichtungen beteiligt sind, die gut miteinander eingespielt sein sollten“, unterstreicht Chefarzt Dr. Wolfgang Kusch, der die Neurologie am Hiltruper Krankenhaus leitet.

Neuroradiologie und Neurologie müssten eng und koordiniert zusammenarbeiten, um das optimale Behandlungsergebnis zu erreichen. Eine sich stets verbessernde Technik hilft dabei: „Die Katheter-Technologie hat sich in den vergangenen rund zehn Jahren sehr stark weiterentwickelt. Inzwischen ist sie der konventionellen Behandlung überlegen“, so der Experte. Die konventionelle Behandlung ist die so genannte Lyse, also die Auflösung des Gerinnsels durch Medikamente, die ins Blut eingebracht werden. Damit die Lyse gelingt, muss mit ihr allerdings spätestens sechs Stunden nach einem Schlaganfall begonnen werden. „Das Zeitfenster für den Start einer erfolgreichen Thrombektomie sollte optimaler Weise ebenfalls nicht länger als sechs Stunden sein, kann in speziellen Einzelfällen im Gegensatz zur Lyse-Therapie jedoch bis zu 24 Stunden betragen“, erläutert Julio Viera Ibarra, Leiter der Sektion Neuroradiologie.

„Gleichwohl gilt, dass wir einem Patienten umso besser helfen können, je früher er zur Behandlung kommt“, betont Dr. Michael Oelerich, der seine angiographische Erfahrung im Herz-Jesu-Krankenhaus Hiltrup einbringt. Peter Nübel habe zum richtigen Zeitpunkt die optimale Behandlung erhalten. „Er ist wieder in eine unabhängige Lebenssituation gekommen, und zwar bei einer Diagnose, die noch vor wenigen Jahren eine Schwerstbehinderung zur Folge gehabt hätte. Hier ist offensichtlich alles richtig gelaufen“, bestätigt der Neuroradiologe. So sieht es auch Peter Nübel selbst. „Ich bin wieder der Alte – das Team im Herz-Jesu-Krankenhaus hat einen tollen Job gemacht, und die anschließende Logopädie und Ergotherapie waren ebenfalls erfolgreich“, freut er sich. Der IT-Mitarbeiter wird im Herbst in den Ruhestand gehen. So war es schon vor dem Schlaganfall geplant. „Den neuen Lebensabschnitt kann ich aktiv gestalten und genießen; darauf freue ich mich“, sagt er.

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