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Affenpocken in Europa

Kath. Klinikum Bochum gGmbH – Universitätsklinikum der RUB am 24.05.22

Seit Anfang Mai mehren sich in Europa die Fälle von nicht-reiseassoziierten Infektionen mit Affenpocken. Mittlerweile ist das Virus auch in Deutschland angekommen und es gibt gemeldete Infektionen in München, Düsseldorf und Berlin. In verschiedenen afrikanischen Ländern, wie im Kongo, nehmen die Infektionen bereits seit 1980 zu. Affenpockenviren, die vermutlich durch Nagetiere auf den Menschen übertragen werden, sind eine Viruserkrankung, die sich beim Menschen klinisch durch Fieber, Kopf-und Muskelschmerzen, Lymphknotenschwellungen, Hautveränderungen und Hautfloreszenzen äußern kann.

Die Hautfloreszenzen können ähnlich wie bei einer Syphilis verschiedene Stadien durchlaufen und letztendlich verkrusten und abfallen. Im Vergleich zu den klassischen Pocken (Poxviridae) sind die Verläufe bei einer Infektion mit Affenpocken in der Regel schwächer und meist selbstheilend. Als Folgen für infizierte Personen können Narbenbildungen und in seltenen Fällen auch Erblindungen auftreten. Für junge und/oder bei immungeschwächten Personen kann eine Infektion mit Affenpocken aber auch zu schweren Verläufen bis hin zum Tod führen. Viele Menschen in Deutschland sind noch durch die frühere Pockenimpfung geschützt (die allgemeine Impfplicht gegen Pocken endete in der BRD 1976 und in der DDR 1980). Zum derzeitigen Zeitpunkt kann eine Pockenimpfung für alle Risikogruppen allerdings noch nicht empfohlen werden, da die Datenlage bisher nicht ausreicht. Zudem ist nicht klar, wie hoch der Vorrat des Pockenimpfstoffs in Deutschland ist.

Als mögliche Therapie für besonders gefährdete Personen bei schweren Krankheitsverläufen gibt es seit Anfang 2022 die Möglichkeit, sich mit einem antiviralen Medikament behandeln zu lassen. Affenpocken können von Mensch zu Mensch, durch Körperflüssigkeiten, Krusten und engen Körperkontakten bei sexuellen Handlungen übertragen werden. Daher ist es wichtig, Affenpocken auch als sexuell übertragbare Infektion wahrzunehmen und darüber aufzuklären. Treten nach einem Kontakt mit einer möglicherweise infizierten Person ungewöhnliche pockenähnliche Symptome und Hautveränderungen auf, sollten diese klinisch abgeklärt und eine potenzielle Infektion mit Affenpocken in die erweiterten differenzialdiagnostischen Untersuchungen einbezogen werden. Die WHO und das RKI sprechen sich für eine systematische Erfassung und Kontaktnachverfolgung bei Infektionen mit Affenpocken aus: „Um mögliche Affenpockenerkrankungen zu erfassen und deren Weiterverbreitung zu verhindern, sollten diagnostizierte Infektionsfälle systematisch erfasst werden. Diese sollten von Ärztinnen und Ärzten gemäß §6 Abs. 1 Nr. 5 Infektionsschutzgesetz (IfSG) und von Laboren gemäß § 7.2 IfSG gemeldet werden
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Insgesamt lässt sich festhalten, dass es eine größere Datenlage zu den Affenpocken braucht, um konkretere Infektionsmuster-und Verläufe erheben zu können, außerdem sollte eine breite Informations-und Sensibilisierungskampagne für die Allgemeinbevölkerung als auch medizinische Fachkräfte durchgeführt werden, um eine starke Weiterverbreitung eindämmen zu können.

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