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Extrakorporal stationär behandelte Spenderlunge erfolgreich transplantiert

Neues stationäres Verfahren ermöglicht genauere Untersuchung, Therapie und Transplantation von Spenderlungen, die bisher oft abgelehnt werden mussten

Universitätsklinikum Essen am 22.04.16

KamlerMehr als 10.000 Patienten in Deutschland warten derzeit auf eine – oft lebensrettende – Organtransplantation. Doch nur rund 900 Menschen haben laut der Deutschen Stiftung Organspende (DSO) im vergangenen Jahr Organe gespendet. Einem hohen Bedarf an Spenderorganen steht damit eine weitaus geringere Anzahl gespendeter Organe gegenüber. Hinzu kommt, dass sich nicht alle gespendeten Organe für eine Transplantation eignen. Besonders fatal ist das unter anderem für Patienten, die auf eine neue Lunge warten: Nur etwa 10 bis 20 Prozent der gespendeten Lungen gelten bisher als transplantationsfähig. Denn Komplikationen oder Vorerkrankungen des Spenders können die Funktionsfähigkeit der Lunge mindern. Eine zuverlässige Beurteilung, ob sich eine Lunge für die Transplantation eignet, war bisher oftmals nur bedingt möglich. Eine für Lungen in dieser Form neue stationäre Methode der sogenannten „isolierten Organperfusion“ hilft den Transplanteuren hier weiter – und wurde am Universitätsklinikum Essen (UK Essen) nun erstmals erfolgreich eingesetzt.

Mit Hilfe einer speziellen, stationär eingesetzten Maschine zur Aufbewahrung von Spenderlungen außerhalb des menschlichen Körpers, der EX VIVO Lungenperfusion, konnte ein Team um Prof. Markus Kamler, Leitender Arzt der Abteilung für thorakale Transplantation an der Klinik für Thorax- und Kardiovaskuläre Chirurgie des UK Essen, eine zuvor von anderen Transplantationszentren abgelehnte Spenderlunge so lange außerhalb des Körpers beatmen und mit einer speziellen Lösung durchbluten, bis klar war, dass sie für eine 55 Jahre alte Patientin geeignet war.

„Bisher war es schwierig, den genauen Zustand einer Spenderlunge festzustellen, denn der Zustand eines Spenders beeinflusst natürlich auch den der Lunge – und nach der Organentnahme blieb bisher nur wenig Zeit für Untersuchungen“, erläutert Prof. Kamler. „Mit dem für die Lungentransplantation neuen stationären Verfahren, das im Bereich der Lebern und Nieren bereits seit einigen Jahren erfolgreich eingesetzt wird, können wir nun wichtige Untersuchungen von der Blutgasanalyse bis hin zum Röntgen des Organs durchführen. Der Vorteil: Wir können die Lunge wie auf dem Labortisch untersuchen und ihre Funktionsfähigkeit genau analysieren. Bei Bedarf ist sogar eine Behandlung des entnommenen Organs möglich, zum Beispiel durch Antibiotikagabe. Dadurch können Organe, die bisher für eine Transplantation nicht genutzt werden konnten, für eine erfolgreiche Transplantation aufbereiten“, so Kamler weiter.

Mit der neuen Untersuchungs- und Aufbereitungsmethode besteht nun die Hoffnung, künftig mehr Organe für die Transplantation verwenden zu können. Für die 55-jährige Patientin, die zuvor mehr als zwei Jahre lang vergeblich auf eine neue Lunge gewartet hatte, ein Glücksfall: Sie hat die Transplantation gut verkraftet und konnte die Intensivstation nach wenigen Tagen wieder verlassen. „Mittelfristig könnte das Verfahren dabei helfen, die Zahl der Lungentransplantationen signifikant zu steigern, da die vorhandenen Spenderlungen so deutlich häufiger als bisher transplantiert werden könnten. Am grundsätzlichen Vergabeverfahren durch die DSO und der Bewertung der Organe und ihrer möglichen Empfänger mittels Scoring-Punkten ändert sich dadurch nichts – auch nicht an der grundsätzlich zu geringen Anzahl an Spenderorganen. Diese werden wie bisher über die DSO und Eurotransplant vergeben“, ordnet Markus Kamler die neue stationäre Methode ein.

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