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„Bochum Treff“ thematisiert die „unendliche Geschichte der Endoprothetik“

170 Chirurgen tagten im Technologie- und Gründerzentrum

Berufsgenossenschaftliches Universitätsklinikum Bergmannsheil GmbH am 02.02.18

Besucher des „Bochum Treffs“ im Technologie- und Gründerzentrum – Bildnachweis: Volker Daum/Bergmannsheil

Pro Jahr werden in Deutschland rund 400.000 künstliche Gelenke implantiert. Dabei handelt es sich um äußerst komplexe Eingriffe, die ein umfassendes Verständnis der aktuellen Verfahren und Prothesentypen erfordern. Der diesjährige „Bochum Treff“, die überregional bedeutende Fachveranstaltung der Chirurgischen Klinik des Bergmannsheil, widmete sich gezielt dem Schwerpunkt Endoprothetik. Mehr als 170 Chirurgen und Orthopäden tauschten sich zwei Tage im Technologie- und Gründerzentrum „Alte Lohnhalle“ kritisch zu neuen Trends und etablierten Methoden aus. Die Teilnehmer waren sowohl aus dem gesamten Bundesgebiet als auch dem angrenzenden Ausland angereist, um die traditionsreiche Veranstaltung zu besuchen.

Welches Verfahren für welche Behandlungssituation?

„Der künstliche Gelenkersatz zählt zu den dynamischsten Arbeitsgebieten der modernen Chirurgie“, sagt Prof. Dr. Thomas Schildhauer, Direktor der Chirurgischen Klinik, die sich jetzt erfolgreich als Endoprothetik-Zentrum zertifiziert hat. „Daher war es uns wichtig, eine aktuelle Bestandsaufnahme der wichtigsten Behandlungsverfahren und medizintechnischen Innovationen zu leisten – immer unter dem leitenden Gedanken: Welches Verfahren ergibt wann die beste Therapiechance für den Patienten?“ Im Bereich des künstlichen Kniegelenkersatzes ging es schwerpunktmäßig um Ansätze, wie man die Therapie bei Erstimplantationen und komplexen Wechseloperationen für den Patienten weiter optimieren kann. Eine Herausforderung stellt beispielsweise die Anpassung des sogenannten Kopplungsgrades der Prothese dar. Der Kopplungsgrad ist maßgeblich für die Gelenkstabilität und wird bestimmt nach dem Ausmaß der Schädigung bzw. des Funktionsverlustes des physiologischen Bandapparates im Kniegelenk. „Die Diskussion hat bestätigt, dass eine indivduell angepasste, strukturierte Behandlung von der präoperativen Vorbereitung bis zur intraoperativen Umsetzung die bestmöglichen Ergebnisse für die Patienten gewährleistet“, erläutert Prof. Dr. Dominik Seybold, Leitender Oberarzt der Chirurgischen Klinik.

Innovative Prothesenmodelle und minimal-invasive Zugangswege

Im Bereich der Schulter-Endoprothetik wurden die Vorteile und Anwendungsbereiche der inversen Schulterprothese diskutiert: Sie ist im Vergleich zur normalen Schulterprothese umgekehrt konstruiert, sodass die künstliche Kugel auf der Schulterpfanne sitzt (nicht auf dem Schaft) und auf dem Schaft die künstliche Pfanne. Solche inversen Prothesen sind bei einem Sehnendefekt in der Rotatorenmanschette das Mittel der Wahl. Beim „Bochum Treff“ wurde erörtert, ob die inverse Prothese generell der normalen anatomischen Prothese vorzuziehen ist. „Wir sind zu der Erkenntnis gelangt, dass der inverse Typ bei komplexen Schäden überlegen ist, bei weniger komplexen Situationen und insbesondere jüngeren Patienten aber nach wie vor eine anatomische Prothese zu erwägen ist, weil uns zur inversen Prothese noch nötige Langzeiterkenntnisse fehlen“, so Prof. Seybold.

Beim Schwerpunkt Hüftendoprothetik wurden die Vor- und Nachteile der verschiedenen operativen Zugangswege diskutiert sowie aktuelle Verfahren, um große Pfannendefekte am Gelenk zu beheben. In Abhängigkeit vom Ausmaß und der exakten Lokalisation der knöchernen Schädigung können Defekte entweder mit Knochenmaterial oder durch moderne, makroporöse metallische Implantate rekonstruiert werden. „Das Ziel bei jeder Rekonstruktion ist eine direkt belastungsfähige Prothese mit bestmöglicher Funktion zu implantieren“, erklärt Dr. Hinnerk Baecker, Oberarzt der Chirurgischen Klinik und Leiter des Endoprothetik-Zentrums im Bergmannsheil. „In der lasttragenden Zone der Hüftgelenkspfanne sind die metallischen Defektrekonstruktionen stabiler und zeigen deutlich bessere Therapieergebnisse als knöcherne Aufbauten.“

Workshops zur OP-Praxis

Ergänzt wurde das Hauptprogramm des „Bochum Treffs“ um einen Instrumentations- und einen Endoprothesen-Workshop, in denen die Teilnehmer die vorgestellten Operationsmethoden am Modell und unter fachkundiger Anleitung praktizieren konnten. Der „Bochum Treff“ fand vom 26. bis zum 27. Januar 2018 statt. Die jährliche Fachveranstaltung wurde bereits zum 31. Mal von der Chirurgischen Klinik des Bergmannsheil ausgerichtet.

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