Wir können Gesundheit

Studiengang Logopädie widmet sich Parkinson in Lehre und Forschung

Hochschule für Gesundheit am 06.04.20

Dr. Hendrike Frieg, Vertretungsprofessorin an der hsg Bochum, macht zum Welt-Parkinson-Tag am 11. April 2020 darauf aufmerksam, dass sich der Studienbereich Logopädie diesem Krankheitsbild intensiv widmet. Foto: hsg Bochum

Morbus Parkinson ist eine Erkrankung des zentralen Nervensystems, bei der unter anderem Nervenzellen (Neurone) einer bestimmten Hirnregion absterben. Diese Krankheit schreitet chronisch fort. Wissenschaftler*innen des Studienbereichs Logopädie der Hochschule für Gesundheit (hsg Bochum) forschen über Folgen dieser Erkrankung und Studierende lernen, sie zu behandeln.

Der Welt-Parkinson-Tag am 11. April 2020 soll ein stärkeres Bewusstsein in der Bevölkerung für die Parkinson-Krankheit schaffen. Morbus Parkinson ist mittlerweile nach der Demenz die zweithäufigste fortschreitende neurologische Erkrankung in Deutschland. Die Hauptsymptome sind eine allgemeine Verlangsamung von Bewegungen (Bradykinese), Zittern (Tremor), steife Muskeln (Rigor) und gebeugte Körperhaltung (posturale Instabilität). In Deutschland sind nach Angaben der Deutschen Gesellschaft für Parkinson und Bewegungsstörungen laut Krankenkassendaten etwa 400.000 Menschen von Parkinson betroffen.

„Parkinson verursacht früher oder später auch gravierende logopädische Probleme, zum Beispiel wird das Sprechen häufig unverständlicher. Betroffene nuscheln, sprechen leise und sind nur schwer zu verstehen“, erläuterte Dr. Hendrike Frieg, Vertretungsprofessorin im Studienbereich Logopädie der hsg Bochum und fügte hinzu: „Auch die Stimme verändert sich: häufig wird sie heiser und behaucht, so dass lautes Sprechen mit viel Anstrengung und vermehrtem Einatmen verbunden ist. Auch kann sich die Sprache verändern, Wörter fallen nicht mehr so gut ein, das Denken wirkt langsamer und der Anschluss im Gespräch kann verloren gehen.“

Diesen Problemen und Beeinträchtigungen widmet sich Frieg gemeinsam mit Prof. Dr. Sascha Sommer vom Studienbereich Logopädie der hsg Bochum. „Dies tun wir und auch andere Wissenschaftler*innen des Studienbereichs, weil die Lebensqualität der Betroffenen besonders stark einschränkt wird, wenn sie nicht mehr gut kommunizieren oder nur mit Mühe essen und trinken können. Logopäd*innen sind schließlich die Expert*innen für solche Sprech-, Stimm-, Sprach- und Schluckstörungen“, so Hendrike Frieg.

Besonders interessant für Logopäd*innen sei es auch, dass Betroffene vermehrt Schwierigkeiten zeigen, schnell Wörter aufzuzählen, die etwas mit Bewegungen zu tun haben, also zum Beispiel die Wörter „laufen“, „springen“ und „rennen“. Frieg: „Hier gibt es eine spannende Verbindung zwischen Sprache und Bewegung. Unser Gehirn verarbeitet die Steuerung von Bewegungen und das Sprechen über Bewegung nicht getrennt, sondern zusammenhängend: Wer sich schlechter bewegen kann, weil die Muskeln steif und langsam sind, zeigt auch Probleme über Bewegungen zu sprechen.“

In späteren Stadien der fortschreitenden Erkrankung können dann auch Schwierigkeiten beim Essen und Trinken auftreten. „Parkinson-Erkrankte verschlucken sich häufiger. Dies mag im ersten Moment nicht schlimm erscheinen, kann aber gravierende Konsequenzen nach sich ziehen. Denn wenn Speisen oder Getränke in der Luftröhre und nicht in der Speiseröhre landen, können sie in der Lunge zu Entzündungen führen, die sogar tödlich sein können“, erklärte Frieg.

Nicht alle Betroffenen zeigen Logopädie-bezogene Symptome. Es ist jedoch davon auszugehen, dass 90 Prozent der Erkrankten an Stimm- und Sprechstörungen und über 50 Prozent an Schluckstörungen leiden. Daher ist rein statistisch davon auszugehen, dass es eine deutliche Unterversorgung von Parkinson-Erkrankten mit logopädischen Maßnahmen geben muss, so Frieg. Demnach würden in Deutschland nicht alle Betroffenen ausreichend mit Logopädie versorgt.

Der Studienbereich Logopädie an der hsg Bochum widmet sich dem Krankheitsbild Parkinson daher intensiv in Lehre und Forschung. Die Studierenden der Logopädie lernen, wie sie Symptome erkennen und behandeln können, um so die Lebensqualität für Betroffene zu erhalten oder sogar zu steigern.

Frieg: „Dies schließt auch solche Symptome ein, die bisher von Ärzt*innen seltener mit Verordnungen für die Logopädie bedacht werden, wie zum Beispiel Sprachstörungen bei Parkinson. Außerdem bearbeiten wir an der hsg Bochum in der interprofessionellen Ausbildung das Krankheitsbild intensiv, indem wir praxisnahe Fallkonferenzen durchführen oder Studierende aus Logopädie, Ergo- und Physiotherapie gemeinsam einen Parkinson-Betroffenen betreuen.“

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