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Fliegendes ECMO-Team als letzte Chance

Intensivmedizinische Rettungseinsätze durch die Luft in der Pandemie stark gefragt

Klinikum Westfalen – Knappschaftskrankenhaus Dortmund am 06.04.21

Wenn nichts Anderes mehr hilft, dann fliegt das mobile ECMO-Team des Klinikums Westfalen ein. Seit Anfang 2019 reisen die Intensivmediziner aus Dortmund samt spezieller technischer Ausstattung notfalls mit dem Hubschrauber zu Patienten mit akutem Lungenversagen (kurz ARDS) oder Herzversagen.  Ziel sind Kliniken im Umland, die eine maschinelle Herz- und Lungenunterstützung nicht anbieten können. Die Corona-Pandemie lässt immer mehr Anfragen für solche Rettungseinsätze im Knappschaftskrankenhaus Dortmund eingehen.

Behandungsteam mit Patient vor dem Hubschrauber vor dem Start.

Bei einem Patienten verschlechtert sich die Lungen- oder die Herzfunktion oder beides dramatisch.  Auch durch eine Beatmung ist keine ausreichende Versorgung des Körpers mit Sauerstoff mehr möglich. Diese Situation ist akut lebensbedrohlich und verlangt schnelles Handeln, die extracorporale Membran-Oxygenierung, kurz ECMO, ist der letzte Rettungsanker. Hinter dem Fachbegriff ECMO verbirgt sich eine ganz besondere Herz-Lungen-Ersatz-Maßnahme. Dem Körper wird kontinuierlich Blut entnommen, außerhalb des Körpers mit Sauerstoff angereichert. Gleichzeitig wird das im Körper anfallende Kohlendioxyd ausgewaschen. Danach wird das Blut kontinuierlich wieder in den Körper hineingepumpt. Schon das „Einbauen“ der ECMO mit dem Einführen spezieller Kanülen in Gefäße erfordert viel Fachkenntnis. Die Technik und die Kompetenz im Umgang damit sind so spezialisiert, dass längst nicht jedes Krankenhaus das leisten kann. Im Klinikum Westfalen bieten zwei Standorte, das Knappschaftskrankenhaus Dortmund und die Klinik am Park Lünen, die Option als ECMO-Zentrum und verfügen über entsprechendes Know-how und die benötigte Medizintechnik.

Wenn der Patient ohne solche Unterstützung nicht mehr in ein solches ECMO-Zentrum transportiert werden kann, dann muss die ECMO zum Patienten kommen. In solchen Fällen geht dann ein Anruf beim rund um die Uhr erreichbaren ECMO-Zentrum, z.B. beim Leiter der Intensivtherapie im Knappschaftskrankenhaus Dortmund, Dr. Daniel Oswald, ein. Im Team wird dann innerhalb weniger Minuten der Fall diskutiert und eine individuelle Strategie für den Patienten gefunden. Selbstverständlich muss es die Perspektive geben, dass der Einsatz dem Patienten wirklich nützt und in seinem Sinn ist. Sonst wäre die Belastung von Transport und weiteren intensivmedizinischen Maßnahmen dem Patienten nicht zuzumuten. Sind alle Aspekte der Indikation erfüllt, dann machen sich Dr. Daniel Oswald und Oberarzt Christian Taubenberger samt großem technischen Gerät von Dortmund-Brackel aus auf den Weg.

Wenn diese beiden Intensivmediziner oder andere Teammitglieder für solche Einsätze in den Hubschrauber der Luftrettung einsteigen, dann fliegt immer das Prinzip Hoffnung mit. „Ein Heilungsversprechen haben wir nicht im Gepäck, aber immer Hoffnung“, betont Prof. Dr. Björn Ellger, Direktor der Kliniken für Anästhesiologie, Intensivmedizin und Schmerztherapie im Klinikum Westfalen. ECMO bedeutet eine Chance, keine Garantie. Die ECMO übernimmt so lange die Organfunktion, bis sich Lunge und Herz oder beides unter einer differenzierten Therapie wieder erholt haben. Der Patient wird deshalb zunächst vor Ort versorgt, stabilisiert und dann unter fortgesetztem ECMO-Einsatz auf die Intensivstationen des Klinikums Westfalen transportiert.

Die CORONA-Pandemie hat die Zahl der Anfragen für solche Einsätze deutlich steigen lassen. Im Schnitt jede Woche geht eine entsprechende Anfrage im Klinikum Westfalen ein, zuletzt deutlich häufiger. Schwerste COVID-19-Verläufe bedeuten dann eine besondere Herausforderung. „Bei einem Lungenversagen aus einem anderem Grund haben wir unter ECMO mehr und schnellere Heilungen erlebt. COVID-19 ist einfach ein Sch…-Krankheit“, so Prof. Dr. Ellger.

Spontan ein erforderliches Ärzteduo für diese Einsätze zu finden, verlangt besonderes Engagement. Oft kommen die Ärzte aus dem Frei und leisten den Einsatz On-Top zu ihren sonstigen Diensten. „Das ist schon eine Herzensangelegenheit sämtlicher Beteiligter und verlangt auch den Partnerinnen und Partnern daheim einiges ab“, erzählt Oberarzt Christian Taubenberger. Auch der Flug selbst ist nicht jedermanns Sache. Für Patient, Technik und zwei Ärzte bieten die Rettungshubschrauber nicht gerade reichlich Platz.

Der Weg hin zum Patienten wird, wenn die Zeit reicht und die Entfernung passt, manchmal auf der Straße zurückgelegt, in anderen Fällen ist für beide Wege Flugtempo vonnöten. Für den Rückflug mit dem Patienten bedeutet der Hubschrauber einen schonenderen und schnelleren Transport. Meist liegt der Einsatzort in einem ländlichen Bereich. Von Dortmund aus ist oft das Sauerland das Ziel.

Nach der Ankunft in Dortmund-Brackel wird die Diagnostik komplettiert und es werden erforderliche Interventionen durchgeführt. Danach wird der Patient auf der Intensivstation weiter versorgt. Für die Mediziner geht der Kampf um das Leben des Patienten jetzt weiter. Mehrere Wochen kann die ECMO-Therapie dauern, bis sich die Lunge oder das Herz des Patienten ausreichend erholt haben. Dann folgt erst die Entwöhnung von der ECMO, danach die Entwöhnung von der künstlichen Beatmung. Weitere ärztliche Professionen, spezialisierte Pflegekräfte, Physiotherapeuten und Atmungstherapeuten arbeiten dafür im Knappschaftskrankenhaus intensiv zusammen.

Mit einem zeitnahen Rückgang der Nachfrage nach solchen Rettungseinsätzen rechnen die Spezialisten des ECMO-Zentrums des Klinikums Westfalen nicht. Sie bilden weitere Intensivmediziner aus dem eigenen Haus weiter und machen sie fit für weitere spezielle Rettungseinsätze durch die Luft.

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