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14. Zukunftskongress öffentliche Apotheke

Hochkarätiges Programm im interaktiven Format erzielt äußerst positive Resonanz

Apothekerverband Nordrhein e.V. am 21.02.22

Expertenanalyse zum Fachkräftemangel im Gesundheitswesen

Der digitale 14. Zukunftskongress öffentliche Apotheke stieß mit rund 400 Teilnehmer/innen auf eine sehr positive Resonanz. Auch das im Programm integrierte Online-Seminar für PTA/PKA „Zukunftsthema Pflegeversorgung in der Apotheke – Erfolgreich mit individuellen Service“ fand mit rund 40 Teilnehmer/innen großen Zuspruch. Das Publikum des Digitalkongresses erlebte eine bemerkenswert klare gesundheitspolitische Positionierung pro Apotheke vor Ort, insbesondere auch zum Impfen in der Apotheke – sowohl aus dem Bundesgesundheitsministerium als auch von Vertretern der Regierungsfraktionen und Opposition. Darüber hinaus standen ein außergewöhnlicher Keynote-Beitrag vom Kölner Bestsellerautor Frank Schätzing, eine Expertenanalyse zum Fachkräftemangel im Gesundheitswesen und klare Forderungen der Apothekerschaft an die Politik im Mittelpunkt einer hochkarätigen Veranstaltung.

 Ausdrückliches Bekenntnis aus dem Bundesgesundheitsministerium: Pro Apotheke vor Ort und zum Impfen in der Apotheke

Die Parlamentarische Staatssekretärin im Bundesgesundheitsministerium, Sabine Dittmar (MdB), betonte in ihrer Videobotschaft die zentrale Rolle der Apotheken vor Ort bei der Arzneimittel-versorgung und der kompetenten Beratung der Menschen in Deutschland. Mit Blick auf die Pandemie lobte sie die Apotheken für ihr Engagement als „wichtige und zuverlässige Partner“ und für ihre Bereitschaft, immer wieder schnell auf neue Aufgaben reagiert zu haben. Dafür bedankte sie sich „sehr ausdrücklich“. Mit dem Einstieg der Apotheken in die Impfkampagne sei eine weitere niedrigschwellige Anlaufstelle für die Bürger geschaffen worden, sich impfen zu lassen. Über die jetzt schon zahlreiche Beteiligung der Apotheken an der Impfkampagne zeigte sich die Parlamentarische Staatssekretärin, die auch Fachärztin für Allgemeinmedizin ist, sehr erfreut. Sie wünsche sich jetzt, dass sich noch mehr Apotheken an der Impfaktion beteiligen. Darüber hinaus betonte Dittmar, dass sich die Bundesregierung dafür einsetzen wolle, die Apotheken als Gesundheitsdienstleister weiter zu stärken. So solle der Nacht- und Notdienstfonds zu einem Sicherstellungsfonds weiterentwickelt und die pharmazeutischen Dienstleistungen ausgebaut werden. So halte es der Koalitionsvertrag der Ampel fest.

Klare Forderungen an die Politik

Bereits am Vormittag des Online-Kongresses adressierte der Vorsitzende des Apothekerverbandes Nordrhein e.V., Thomas Preis, im Rahmen seines „Updates aus Apothekensicht“ klare Forderungen an die Politik: Nach nunmehr fast 20 Jahren der nahezu unveränderten Arzneimittelpreisverordnung benötigten Apotheken endlich eine deutliche Anhebung des Fixzuschlages. Auch um Mitarbeiter/innen endlich noch besser bezahlen zu können. Denn ohne ausreichend motivierte Mitarbeiter – und ein gutes Gehalt gehöre auch dazu – könnten die steigenden Bedarfe im Bereich der Arzneimittel- und Gesundheitsversorgung einer immer älter werdenden Gesellschaft nicht gut genug bedient werden. Zudem sei eine bürokratische Entlastung unverzichtbar. Demzufolge müssten auch Kompetenzerweiterungen in der Pandemie, die Apotheken bürokratisch entlasten und die die Versorgung der Patienten verbessert hätten, auch in der Zukunft unbedingt beibehalten werden. Hier verwies er beispielhaft auf die erleichterten Austauschmöglichkeiten der Apotheken bei nicht verfügbaren Arzneimitteln, um die Patienten noch schneller zu versorgen. Zu diesen Kompetenzerweiterungen gehörten, so Preis, auch das Impfen. Hier machte Preis auch deutlich, wer gegen Corona impfen könne, könne auch gegen Grippe impfen. Deshalb sollten die laufenden Grippeimpfmodelle schnell in die Regelversorgung für alle GKV- und PKV-Versicherten überführt werden, forderte Preis. Im Hinblick auf die Bestands- und Fachkräftesicherung der Apotheken vor Ort seien darüber hinaus auch mehr Studienplätze für Pharmazie an den Universitäten unverzichtbar.

Nordrhein mit Spitzenposition bei bereits durchgeführten Corona-Impfungen

Im Rahmen seines Updates berichtete Thomas Preis auch zum aktuellen Status „Coronaimpfungen in den Apotheken“: „Wir Nordrheiner können recht stolz sein, dass wir deutlich über den Bundeszahlen liegen. Stellen wir doch mit fast 200 impfenden Apotheken ein Fünftel, also 20 % aller Impf-Apotheken – obwohl wir aufgrund der Zahl aller Apotheken nur etwa 10 % der Apotheken in Deutschland stellen. Bei den durchgeführten Impfungen sind es mit über 4.000 sogar 25 % aller bundesdeutschen Impfungen in Apotheken“, betonte Preis.

Außergewöhnlicher Keynote-Beitrag: Bestsellerautor Frank Schätzing wirbt für nachhaltige Zukunftsgestaltung

In einem außergewöhnlichen Keynote-Beitrag nahm der Kölner Bestsellerautor Frank Schätzing das Publikum mit auf eine spannende Zeitreise in die Zukunft, ins Jahr 2050. In spektakulären Szenarien skizzierte er die zu diesem Zeitpunkt mögliche Realität mit entsprechenden technischen Rahmenbedingungen, aber auch umweltbezogenen Folgen. Bei einem „Best-Case“-Szenario gäbe es technisch gesehen dann beispielsweise nur noch solarbetriebene und selbstfahrende Autos. Bei diesem Szenario hätte die Menschheit Dank der Steigerung der Mobilität bei gleichzeitiger Reduzierung der CO2-Emmissionen die Kurve bekommen. Im Gegensatz zu einem „Worst-Case“-Szenario mit drastischen Auswirkungen. Daher appellierte Schätzing an alle, in Anbetracht des wissenschaftlich belegten Klimawandels neue Denkweisen zu etablieren und die Zukunft endlich nachhaltiger zu gestalten. Das folgende Jahrzehnt entscheide darüber, ob wir ein „Best“- oder ein „Worst-Case“-Szenario bekommen. Im weiterführenden Gespräch mit Moderator Ralph Erdenberger auch unter Berücksichtigung eingereichter Chatbeiträge der Teilnehmer betonte Schätzing, dass man möglichst vielen Menschen ein gutes Angebot machen müsse. Viel zu oft werde über Verzicht gesprochen. Mehr individuelle Kommunikation sei erforderlich. Genau das passiere ja auch in der Apotheke und warb daher auch für den Gang in die Apotheke. Dort werde man individuell versorgt und persönlich sach- und fachgerecht beraten. Den Gang in die Apotheke wertete Schätzing auch als leichter als zum Arzt. Zudem gäbe es auch vielfach bereits ein Vertrauensverhältnis zwischen Patient/Kunde und Apotheker, weil man sich häufig über Jahre persönlich kenne und schätze. In Abgrenzung zur Telemedizin machte er deutlich, dass es eben etwas ganz anderes sei, in einem Gespräch jemanden persönlich gegenüberzustehen als über den Bildschirm zu kommunizieren.

Expertenanalyse zum Fachkräftemangel im Gesundheitswesen

In einem viel beachteten Vortrag zum Thema „Corona und die Folgen für den Arbeitsmarkt im Gesundheitswesen“ nahm der bundesweit renommierte Arbeitsmarktexperte Prof. Stefan Sell eine Bestandsaufnahme zum Fachkräftemangel vor. Am Beispiel der Pflegeberufe machte er deutlich, dass die bisherigen Ausbildungszahlen bei weitem nicht ausreichten, den heute schon bestehenden Personalmangel sowie den absehbaren Ersatzbedarf durch das Ausscheiden der Baby-Boomer-Generation decken zu können. Hinzu komme ein erheblicher Zusatzbedarf an Personal durch die demografische Entwicklung im Sinne einer steigenden Nachfrage. Dies gelte auch für alle anderen Gesundheitsberufe, weil sie mit den gleichen Problemen zu kämpfen haben. Damit die Gesundheitsversorgung auch künftig flächendeckend sichergestellt werden könne, seien insbesondere auch pragmatische Lösungen gefragt, beispielsweise gehöre dazu auch, wenn Apotheken vor Ort neue Aufgabenprofile übernehmen würden, verdeutlichte Sell.

Einigkeit bei Regierungsfraktionen und Opposition bezüglich großer Bedeutung der Apotheken vor Ort und deren Stärkung

Ein zentrales Ergebnis der gesundheitspolitischen Diskussionsrunde der Vertreter der Regierungsparteien, Dirk Heidenblut (MdB, SPD) und Dr. Paula Piechotta (B90/Die Grünen) sowie der Opposition, Dr. Georg Kippels (MdB, CDU/CSU): Die Einigkeit bezüglich der großen Bedeutung und die notwendige weitere Stärkung der Apotheken vor Ort. Konkret ging es in der Diskussion zunächst um den Fachkräftemangel. Anhand einer Grafik verdeutlichte der AVNR den gemäß einer ABDA-Bedarfsanalyse bezifferten Personalbedarf bei Apotheken bis 2029. Bezogen darauf und den Fachkräftemangel in den Gesundheitsberufen generell zeigten sich die Politiker in der Diskussion gleichermaßen besorgt. Die Forderung des Arbeitsmarktexperten Prof. Sell, nicht-akademische Berufe im Gesundheitswesen aufzuwerten, stieß bei allen auf Zustimmung. Heidenblut betonte dabei, dass sowohl das Studium als auch die Ausbildung attraktiver werden müssten. Auch aus Sicht von Paula Piechotta, als stv. Mitglied im Bundesgesundheitsausschuss Berichterstatterin für Apothekenthemen und zudem Mitglied im Haushaltsausschuss für die Grünen, sei es sinnvoll, Studienkapazitäten auszuweiten und Lehrgelder zu erhöhen, sie betonte aber die Wichtigkeit der Rahmenbedingungen in den Berufen. Gerade bei den Lehrberufen seien stetige Weiterbildungsmöglichkeiten wichtig. Hinzu komme, dass sich der Nachwuchs im pharmazeutischen, medizinischen sowie im pflegerischen Bereich mitten in einem Wertewandel befinde. So wollten viele in Teilzeit arbeiten.

Als weiteres Thema rückte der AVNR das Thema „Pharmazeutische Dienstleistungen“ in den Fokus. Thomas Preis stellte klar, dass mit jedem Tag ohne Einigung die 150 Millionen Euro, die für die pharmazeutischen Dienstleistungen bereitgestellt wurden, weniger wert seien. Hier müsse dringend finanziell nachgebessert werden. Zudem müsse mit den pharmazeutischen Dienstleistungen ein flächendeckendes Angebot geschaffen werden, anstatt sich nur auf wenige Spezialdiensleistungen zu beschränken, wie das Krankenkassen das wollten. Es gehe darum, dass möglichst jede Apotheke diese Leistungen anbieten könne und möglichst viele Patienten davon profitierten. Auch verbunden mit einer sprechenden Pharmazie, die über die Arzneimittelabgabe deutlich hinaus geht.

Dirk Heidenblut ließ hier keinen Zweifel, dass es eine flächendeckende Lösung geben müsse, die allen zur Verfügung stehe und zudem adäquat honoriert werde. Gegebenenfalls müsste bei den 150 Millionen noch einmal nachgesteuert werden, so Heidenblut weiter. Für den Fall, dass die Schiedsstelle zu sehr auf das Kleinklein setze, war sich der in der SPD-Bundestagsfraktion für Apotheken zuständige Gesundheitspolitiker sicher, dass die Politik noch einmal nachjustieren würde, um flächendeckende pharmazeutische Dienstleistungen zu etablieren. Piechotta betonte, dass es bei neuen Dienstleistungen im Ergebnis um eine spürbare Versorgungsverbesserung gehen müsse. Hier verwies sie auf Polypharmazie als zentralen Schwerpunkt mit großem Potenzial. Denn dabei würden vor allem bei älteren Menschen enorme Gesundheitsverbesserungen erzielt.

Forderung nach höherem Honorar, bürokratischer Entlastung und Einbindung bei der Werbung zur bundesweiten Impfkampagne

Kippels ergänzte, dass heute anders als früher weniger Beschäftigte im Gesundheitsbereich dazu bereit seien, als Freiberufler auch wirtschaftliche und personelle Verantwortung etwa für die eigene Apotheke oder Praxis zu übernehmen. Man wolle grundsätzlich eher im Team arbeiten. Das habe Auswirkungen auf die traditionellen Organisationsformen. Ebenso bei den Ausbildungsberufen. Mitarbeitende wünschten sich hier mehr Eigenverantwortlichkeit. Der Beruf, so Kippels weiter, werde attraktiver, wenn das Erlernte eigenverantwortlich, kreativ und empathisch umgesetzt werden könne. Da gebe es allerdings alte Hürden, die es abzubauen gelte. Thomas Preis bekräftigte hier aus Sicht der Apothekenleiter die Forderung nach einem höheren Honorar für die Apotheken. „Wir stehen ja als Heilberufler im Wettbewerb mit anderen Arbeitgebern. Dass etwa der Festbetrags-zuschlag seit 2004 nur minimal erhöht worden sei, sei einfach zu wenig, um in Zukunft im Wettbewerb um Fachkräfte mithalten zu können, betonte Preis.

Außerdem sei eine bürokratische Entlastung dringend erforderlich. Die Präqualifizierung bezeichnete er als einen „bürokratischen Treppenwitz und Schildbürgerstreich“, gegen die sich die Apothekerschaft schon seit Jahren wehre. Daher sei es absolut begrüßenswert, dass im Zuge der Pandemie andere Regelungen, hier insbesondere die Erleichterungen bei der Abgabe von Rabattarzneimitteln, ausgesetzt worden seien. Preis bekräftigte hier nochmal die Forderung, dass solche bürokratiearmen Regelungen auch für die Zeit nach der Pandemie gelten müssten.

Aus aktuellem Anlass wurden auch nochmals die Corona-Impfungen in Apotheken thematisiert. Hier herrschte ebenso parteiübergreifende Zustimmung. Dirk Heidenblut bezeichnete die Impfungen in Apotheken sogar als sehr gutes Beispiel, Ärzte zu entlasten. Kippels stimmte dem zu, wertete die Kritik von Ärzten als überzogen und bezeichnete das ergänzende Impfangebot der Apotheken als „kunden- und patientennah“. Thomas Preis forderte, dass Apotheken nun auch bei der Werbung zur bundesweiten Impfkampagne des BMG eingebunden werden müssten. Zudem gehöre auch die Impfberatung in die Apotheke, die u.a. im Gesetzesvorschlag zur Impfpflicht rund um den FDP- Gesundheitsexperten Professor Andrew Ullmann vorgesehen ist.

Äußerst positives Gesamtfazit

Moderator Ralph Erdenberger zog am Ende ein äußerst positives Gesamtfazit und verwies dabei auf  Statements aus dem Chat, der den Teilnehmern des Zukunftskongresses zur Verfügung stand: „Der Zukunftskongress erweitert immer wieder den Horizont“ und „Wie schade, dass die Veranstaltung nicht live stattfinden kann! Das ist für die menschlichen Beziehungen schöner, aber es wird bestimmt besser werden.“ Dazu passend konnte er dann den Terminhinweis auf den 15. Zukunftskongress öffentliche Apotheke am 25.02.2023 geben, der wieder in Präsenz im World Conference Center (im Plenarsaal, ehemaliger Deutscher Bundestag) in Bonn stattfinden soll.

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