Wir können Gesundheit

Krankenhäuser im Wandel?

Wohnortnahe Versorgung, Universitätsmedizin und besondere Anforderungen in Kamp-Lintfort

St. Franziskus-Stiftung Münster am 13.05.22

Mehr als eine Standortbestimmung war das Treffen von Viszeralchirurgen aus Nordrhein-Westfalen zusammen mit Ihren internistischen Kollegen und Hausärzten auf Einladung von Professor Gernot M. Kaiser aus dem St. Bernhard-Hospital in Kamp-Lintfort. Die Veranstaltung wurde im Rahmen der Reihe „Campus Lintforter Medizinische Gespräche“ durchgeführt. „Wie sieht die Realität aus und welche Pläne haben wir für die Zukunft? Und wie wird sich die Krankenhauslandschaft entwickeln?“, war die Fragestellung nach Veröffentlichung des Krankenhausplans NRW durch Gesundheitsminister Laumann.

Bei den „Campus Lintforter Gesprächen“ zum Thema Viszeralchirurgie engagiert dabei: (v.l.) Dr. André Bergmann, Dr. Theodor Heuer, Prof. Dr. Gernot M. Kaiser und Prof. Dr. Jürgen Treckmann. Foto: St. Bernhard-Hospital

Einerseits ging es darum, die politischen Rahmenbedingungen wie Mindestmengen und Strukturanforderungen sowie regionale Absprachen zu diskutieren. Über den Krankenhausplan, die aktuelle Gesetzgebung und die Bedeutung für die Viszeralchirurgie im ländlichen Raum sprach Sascha van Beek, Regionalleiter Medizincontrolling der St. Franziskus-Stiftung Münster, zu der auch das Lintforter Krankenhaus gehört. Sascha van Beek ist er als Landtagskandidat der CDU sehr gut vernetzt am Niederrhein und im St. Bernhard Hospital für strategische Planungen zuständig.

Paradigmenwechsel in der Planung

Nordrhein-Westfalen leitet derzeit in der Krankenhausplanung einen Paradigmenwechsel ein und hat hierbei eine Führungsrolle für Deutschland übernommen. Statt Betten, wie bisher, sollen künftig verstärkt Leistungen geplant werden. Überkapazitäten sollen ab-, Spezialisierungen ausgebaut werden.

Dabei rücken vielmehr die Behandlungsqualität und Strukturanforderungen in den Fokus der landesweiten Entscheidungen wer in Zukunft welche Leistungen erbringen soll. Zugleich soll die Grund- und Notfallversorgung auch auf dem Land gesichert werden ohne Krankenhäuser zu schließen. Sascha van Beek: „Auch in Zukunft werden wir am Niederrhein zusammen fast alle medizinischen Leistungen anbieten können, aber den Strukturwandel müssen wir auch in Kamp-Lintfort mitgehen.“

Netzwerke von zentraler Bedeutung

Der Gastgeber der Veranstaltung, Professor Gernot Kaiser, stellte die Viszeralchirurgie am St. Bernhard Hospital mit seinen Arbeitsschwerpunkten und Zertifizierungen vor und zeigte Realität und Zukunft der Chirurgie in Kamp-Lintfort auf. Er machte deutlich, dass „Netzwerke in unserem Gesundheitssystem von zentraler Bedeutung und Ziel der Politik sind.“

Aus seiner Sicht ist neben der Grundversorgung auch der Bereich der speziellen Viszeralmedizin in Kamp-Lintfort sehr gut aufgestellt. In der Chirurgie werden die erhöhten Anforderungen an die Mindestmenge für Operationen der Bauchspeicheldrüse bei Weitem erfüllt. In Diskussion befindliche Mindestmengen für Leberoperationen und Rektumresektionen erscheinen für Kamp-Lintfort unkritisch. Ob die Ösophaguschirurgie dauerhaft lokal angeboten werden kann ist fraglich, da diese Leistung langfristig nur noch in etwa 10 Krankenhäusern in NRW angeboten werden soll. „Der Schlüssel zum Erfolg muss die Kooperation in der Region und vertrauensvolle Zusammenarbeit mit übergeordneten Zentren sein“, so Gernot Kaiser.

Einen Blick auf die Rolle der universitären Chirurgie und Transplantation in der überregionalen Versorgung eines „Supra-Maximalversorgers“ warf der kommissarische Direktor der Klinik für Allgemein-, Viszeral und Transplantations-Chirurgie des Universitätsklinikums Essen, Prof. Jürgen Treckmann. Sowohl in der besonderen Versorgung von Patienten als auch der Ausbildung von Medizinern/Fachärzten für Chirurgie sieht er die herausragende Stellung der Universitätsmedizin.

Mit dem Ausblick auf die Pläne und Ziele der Zukunft beschloss Dr. Theodor Heuer den Vortragsteil, dem sich eine angeregte Diskussion der Teilnehmer anschloss. Sehr wichtig sei die Kooperation über Netzwerke wie das Tumorzentrum Niederrhein mit Anbindung an die Universitätsmedizin für besondere Fälle, um die regionale und damit wohnortnahe Versorgung der Patienten auf Dauer zu gewährleisten, so sein Fazit.

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