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Einrichtung der Gesundheitskioske begrüßt

Drei Expert*innen geben Empfehlungen zur Umsetzung des Konzepts.

Hochschule für Gesundheit am 14.09.22

„Ich bin froh zu sehen, welche Bewegung durch den Vorstoß von Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach aktuell in das Thema Gesundheitskioske kommt“, erklärt Prof. Dr. Heike Köckler, Professorin für Sozialraum und Gesundheit im Department of Community Health an der Hochschule für Gesundheit (HS Gesundheit) in Bochum. Gemeinsam mit einigen Kolleg*innen ist die Wissenschaftlerin seit einiger Zeit am Aufbau eines Gesundheitskiosks im Bochumer Stadtteil Wattenscheid beteiligt und weiß, wie wertvoll ein solches Angebot für die Bevölkerung sein kann.

Das Konzept der Gesundheitskioske, wie es Gesundheitsminister Lauterbach vor wenigen Tagen am Beispiel des Gesundheitskioskes in Hamburg-Billstedt vorgestellt hat, sieht vor, dass diese als gesundheitliche Beratungsangebote für Menschen in benachteiligten Stadtteilen aufgebaut werden. Auch medizinische Routineaufgaben wie beispielsweise Blutdruck und Blutzucker messen, Verbandswechsel oder Wundversorgung sollen, nach Veranlassung durch einen Arzt/Ärztin, in den Kiosken durchgeführt werden können.

„Wir finden es wichtig, dass bei der Konzeption der Gesundheitskioske frühzeitig darüber nachgedacht wird, wer dort später arbeiten soll und plädieren ganz klar für akademisierte Fachkräfte, wie wir sie bei uns beispielsweise in den Studiengängen „Gesundheit und Sozialraum“ oder im Pflegestudium ausbilden“, so Köckler. Es sei aus sozialräumlicher Perspektive wichtig, dass die eingesetzten Fachkräfte nicht nur Einzelfalllösungen schaffen, sondern die Kompetenz haben, systematisch Versorgungslücken aufzudecken und Impulse zur Überwindung dieser zu liefern, so die Wissenschaftlerin.

Prof. Dr. Anne Roll, Professorin für gerontologische und geriatrische Pflege an der HS Gesundheit, unterstützt diesen Punkt: „In der Beratung in den Gesundheitskiosken wird es besonders notwendig sein, fallbezogen zu denken und sich mit anderen Disziplinen aus dem Gesundheitsbereich austauschen und vernetzen zu können. Auf diesen interdisziplinären Austausch legen wir bereits jetzt im Rahmen des Pflegestudiums an der Hochschule für Gesundheit einen besonderen Schwerpunkt“, so die Pflegewissenschaftlerin.

Auch Gesundheitsökonom Prof. Dr. Michael Wessels, Professor für Gesundheitsökonomie und –politik an der HS Gesundheit, spricht sich für die Einrichtung der Gesundheitskioske aus. Es gäbe aber – gerade aus ökonomischer Perspektive – auch noch viele Fragen zu klären, so Wessels. „Wir haben in Deutschland eines der besten Gesundheitssysteme der Welt. Das Problem ist, dass nicht alle Bürger*innen gleichermaßen davon profitieren“, so der Gesundheitswissenschaftler. Alles, was diesem Missstand entgegenwirke, sei zunächst einmal zu begrüßen. Jedoch sei das Finanzierungsmodell, wie es der Bundesgesundheitsminister bislang präsentiere, noch zu undefiniert. „74,5 Prozent der Kosten sollen von den gesetzlichen Krankenversicherungen getragen werden, aber was genau bedeutet das? Wir haben knapp 100 gesetzliche Krankenkassen und etwa 50 private Krankenversicherungen in Deutschland. Es wäre wenig sinnvoll, wenn wir es dem Gusto der einzelnen Versicherungen überlassen, ob sie sich beteiligen. Das Konzept wird nur dann als gerecht empfunden, wenn alle verlässlich an einem Strang ziehen“, so Wessels.

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