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Unsere Pflegenden – unsere Zukunft!

Interview anlässlich des Internationalen Tags der Pflegenden

Universität Witten/Herdecke am 11. Mai 2023

Zum Geburtstag von Florence Nightingale, der Pionierin der Krankenpflege, findet jedes Jahr am 12. Mai der Internationale Tag der Pflegenden statt. Organisiert wird er durch den International Council of Nurses, dieses Mal steht er unter dem Motto „Our Nurses. Our Future“. Damit soll auf die Bedeutung der Pflegenden jetzt und in Zukunft aufmerksam gemacht werden.

Im Interview spricht Prof. Dr. Margareta Halek, Leiterin des Departments für Pflegewissenschaft und Dekanin an der Fakultät für Gesundheit der Universität Witten/Herdecke (UW/H), über diese Bedeutung und darüber, was ihr mit Blick auf die Zukunft von Pflegeberufen Hoffnung macht.

„Our Nurses. Our Future.“ ist das Motto des diesjährigen Tags der Pflegenden. Was assoziieren Sie als Leiterin eines Departments für Pflegewissenschaft und Dekanin einer Gesundheitsfakultät damit?

Prof. Dr. Margareta Halek

Prof. Dr. Margareta Halek: Pflegende sind der Motor einer funktionierenden Gesundheitsversorgung. Das bedeutet, dass wir dieser Berufsgruppe nicht nur in Krisensituationen applaudieren sollten, weil wir plötzlich erkennen, wie wichtig sie ist. Pflegende sind für alle Gesellschaftsschichten und für jede Bürgerin und jeden Bürger von Bedeutung. Sie kümmern sich um die Schwächsten der Gesellschaft und stehen denen bei, die Hilfe und Unterstützung brauchen. Sie tragen zu einer gesunden, verantwortungsvollen und stabilen Gesellschaft bei.

Mit dem Motto des diesjährigen Tags der Pflegenden sind die vier Leitbegriffe Invest, Protect, Respect und Value verbunden. Was bedeuten diese für Sie?

MH: Diese Stichworte sind als Aufforderung zu verstehen. Als Aufforderung, an einer Zukunft der Gesellschaft und damit auch an einer Zukunft der Pflege zu arbeiten.

Mit Invest ist zum Beispiel die Aufforderung verbunden, sich bei der Zukunftsplanung einer hervorragenden Gesundheitsversorgung nicht nur mit der Weiterentwicklung, dem Ausbau und der Finanzierung der Spitzenmedizin zu beschäftigen; die Pflege muss mit dem gleichen politischen Engagement berücksichtigt und auf künftige Herausforderungen vorbereitet werden. Wir brauchen diese starken und ernstgemeinten Signale, um qualifizierte Fachkräfte zu motivieren und die Pflege durch die akademische Lehre und Forschung ebenso weiterzuentwickeln wie die Spitzenmedizin.

Zudem müssen wir Pflegeberufe als unverzichtbare Berufsgruppe davor schützen, in ihrem Beruf und ihrem Einsatz für andere Menschen auszubrennen (Protect). Es müssen Arbeitsbedingungen geschaffen werden, in denen Pflegende über ihren oftmals sehr belastenden Arbeitsalltag, über Missstände sowohl in ihrem Arbeitsumfeld als auch in der Gesellschaft sprechen können. Das bedeutet auch, dass ihnen von Politik und Gesellschaft der ihnen gebührende Respect entgegengebracht wird. Und es impliziert, dass die Berufsgruppe der Pflegenden insgesamt mehr Wertschätzung (Value) erfährt – nicht durch nettes Zureden, sondern durch eine gleichwertige Berücksichtigung bei allen Entscheidungen, die die Gesundheitsversorgung der Gesellschaft betreffen.

Was macht Ihnen Hoffnung, wenn Sie auf die Zukunft der Pflegeberufe blicken?

MH: Was mir Hoffnung macht, ist, dass wir engagierten und gut ausgebildeten Nachwuchs in der Pflege in allen Bereichen und an ganz vielen unterschiedlichen Stellen haben: In der Wissenschaft, im Management, in der Praxis und zunehmend auch in der Politik gibt es Führungspersönlichkeiten, die das Potenzial haben, die Pflege voranzubringen und weiterzuentwickeln. Hierzu trägt auch die sich allmählich ausdifferenzierende Hochschul- und Forschungslandschaft im Bereich der Pflege bei.

Und damit auch wir als Universität Witten/Herdecke. Wie stärkt die UW/H die Rolle der Pflegenden?

MH: Gerade das Management von Krankenhäusern, Pflegeeinrichtungen und ambulanten Pflegediensten merkt immer deutlicher, dass in der Pflege großer Professionalisierungs- und Weiterentwicklungsbedarf besteht. Mehr denn je sind Visionärinnen und Visionäre gefragt, die dringend notwendige Veränderungen im Gesundheitswesen voranbringen – diese bilden wir in unseren beiden Masterstudiengängen „Pflegewissenschaft“ sowie „Community Health Nursing“ an der Uni Witten/Herdecke aus. Als akademisch ausgebildete Pflegeexpertinnen und -experten können sie einen bedeutenden Beitrag in Forschung und Praxis leisten, Innovationen entwickeln und die Pflegepraxis so auf ein zukunftsfähiges Fundament stellen.

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