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Nachruf auf Prof. Dr. Dr. h.c. mult. Ruth Schröck

Universität Witten/Herdecke am 4. Januar 2024

Mit Ruth Schröck ist eine der großen Persönlichkeiten der professionellen Pflege verstorben. An der UW/H hat sie das deutschlandweit erste Graduiertenkolleg Pflegewissenschaft aufgebaut.

Mit Prof. Dr. Dr. h.c. mult. Ruth Schröck ist am Abend des 30. Dezember 2023 eine der großen Persönlichkeiten der professionellen Pflege in Deutschland im Alter von 92 Jahren verstorben. Sie war dem Department für Pflegewissenschaft der Universität Witten/Herdecke (UW/H) bis zuletzt sehr verbunden.

Ruth Schröck wurde am 07. Juli 1931 in Berlin geboren. 1949 erlangte sie die allgemeine Hochschulreife und studierte anschließend Biologie, Philosophie und Sport an der Freien Universität Berlin. In Bristol, England, absolvierte sie sowohl die allgemeine als auch die psychiatrische Krankenpflegeausbildung und schloss ihr Studium der Pflegewissenschaft, Philosophie und Sozialwissenschaft an der Universität Edinburgh ab. Sie war als Stationsschwester in Bristol und Edinburgh tätig, später auch als Lehrerin für Pflege in der Psychiatrie im Royal Edinburgh Hospital. An der Universität Edinburgh lehrte sie als Dozentin in den Bereichen Pflege in der Psychiatrie, Erziehungswissenschaft und Psychologie.

Nach Stationen als Assistenzprofessorin für Krankenpflege an der Abertay Universität in Dundee, Schottland, und ihrer Promotion an der Universität Edinburgh war sie als Professorin und Leiterin des Fachbereichs Gesundheit und Pflege an der Queen Margaret Universität in Edinburgh beschäftigt. 1987 folgte Ruth Schröck dem Ruf an die damalige Fachhochschule Osnabrück und leitete dort als erste Pflegeprofessorin die Pflegestudiengänge.

1997 übernahm sie an der Universität Witten/Herdecke den Lehrstuhl für Pflegewissenschaft und baute hier mit Unterstützung der Robert Bosch Stiftung das erste Promotionsprogramm für Pflegewissenschaft in Deutschland auf. Im Zusammenhang mit der Weiterentwicklung überführte Prof. Dr. Wilfried Schnepp das zweijährige Graduiertenkolleg 2010 in ein strukturiertes dreijähriges Promotionskolleg, 2012 folgte die Einführung des international gängigen Abschlusses Ph.D. Im Kolleg werden Pflegewissenschaftler:innen auf ihrem Weg zur Promotion begleitet und auf eine Laufbahn an einer Hochschule oder in außeruniversitären, wissenschaftlichen Leitungspositionen vorbereitet. Ruth Schröck hat das Graduiertenkolleg fast zehn Jahre lang geleitet und bis 2022 Promovierende betreut.

Auch außerhalb von Hochschulen war Ruth Schröck als Mitglied in zahlreichen Gremien im Bereich der Pflegewissenschaft, -forschung und -praxis aktiv. Neben dem Ehrendoktorat „Doctor of Letters“ der Universität Glamorgan in Wales 1998 wurde sie 2005 mit dem Ehrendoktorat „Doctor of Science in Social Science“ der Universität Edinburgh sowie 2007 mit der Ehrenpromotion „Dr. rer. medic. h. c.“ der Universität Witten/Herdecke geehrt. Sie war Ehrenmitglied der „Nursing Studies Association of the University of Edinburgh“, des „Deutschen Berufsverbandes für Pflegeberufe“ und der „Deutschen Gesellschaft für Pflegewissenschaft“. Ruth Schröck erhielt zudem zahlreiche Auszeichnungen, u. a. den Pflegepreis des Deutschen Pflegerates, die Medaille der Robert Bosch Stiftung sowie die Agnes Karll Medaille des Deutschen Berufsverbands für Pflegeberufe. Im Oktober 2017 wurde ihr das Bundesverdienstkreuz 1. Klasse verliehen.

Mit ihrem legendären Ausspruch „Es gibt keinen Grund nichts zu tun.“ wird uns Ruth Schröck als Pionierin der deutschen Pflegewissenschaft und leidenschaftliche Fürsprecherin für die Professionalisierung der Pflege, bei der der Mensch stets im Mittelpunkt steht, in guter Erinnerung bleiben. Ihr Tod hinterlässt eine tiefe Trauer, aber auch die Verpflichtung, ihr Erbe fortzuführen und die von ihr begonnenen Entwicklungen in der Pflegewissenschaft weiter voranzutreiben. Bereits zu Lebzeiten veranstaltete das Department für Pflegewissenschaften der UW/H jährlich ein Ruth-Schröck-Symposium, in dem eine ausgewählte Doktorarbeit aus dem von ihr gegründeten Doktorandenkolleg der Pflegewissenschaft vorgestellt wurde. In dieser Tradition bleibt sie im Department und für Nachfolgegenerationen im Gedächtnis.

Mit Ruth Schröck verlieren wir eine Visionärin, Wissenschaftlerin, Mentorin, Kollegin und Freundin. Sie wird uns sehr fehlen.

Das Kollegium des Departments für Pflegewissenschaft im Namen der Universitätsgemeinschaft

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