Diabetes im Alter: Herausforderungen, Risiken, Therapie
MediTALK im Klinikum Dortmund zu „Diabetes mellitus im Alter“
Diabetes mellitus ist eine der häufigsten chronischen Erkrankungen im Alter – entsprechend groß war das Interesse an der mediTALK-Veranstaltung des Klinikums Dortmund zum Thema „Diabetes mellitus im Alter“ am Mittwoch (11.2.). Prof. Dr. Thomas Reinbold, Direktor der Klinik für Geriatrie, und die Leitende Oberärztin und Diabetologin Dr. Kirstin Kimm zeigten, warum die Erkrankung gerade im höheren Lebensalter eine besondere Herausforderung darstellt.
In Deutschland leben rund zehn Prozent der Menschen mit Diabetes. „Bei den über 70-Jährigen liegt der Anteil bei mehr als 30 Prozent“, erklärte Prof. Reinbold. Mit zunehmendem Alter steigen nicht nur die Fallzahlen, sondern auch die Anforderungen an eine sichere, individuell angepasste Therapie.

„Ein erhöhter Zuckerspiegel entwickelt sich häufig schleichend“, so Dr. Kimm. Müdigkeit, Konzentrationsschwäche, Vergesslichkeit und Gangstörungen können Anzeichen sein – Symptome, die im Alter nicht immer sofort mit Diabetes in Verbindung gebracht werden. Ist die Insulinwirkung gestört, wird der Zucker nicht ausreichend verwertet – mit Folgen für die Wundheilung, Immunabwehr, Blutgefäße und Nerven. Das Schlaganfallrisiko steigt, Veränderungen der Netzhaut können auftreten. Folgeerkrankungen wie Polyneuropathie oder das sogenannte diabetische Fußsyndrom spielen insbesondere im höheren Lebensalter eine wichtige Rolle.
Ein Schwerpunkt des Vortrags lag auf den Behandlungsansätzen. Die Diabetologin erläuterte, welche Blutzuckerwerte eine Therapie erforderlich machen und welche Medikamente und nicht-medikamentöse Möglichkeiten zur Verfügung stehen – darunter auch technische Hilfsmittel wie die kontinuierliche Glukosemessung (CGM).
„Ziel ist immer der Erhalt der Lebensqualität und das Vermeiden von Komplikationen.“ Nicht immer müsse ein streng normnaher Blutzuckerwert angestrebt werden. Gerade bei hochbetagten Menschen könne ein etwas höherer Wert sinnvoll sein, um Nebenwirkungen und Komplikationen zu vermeiden.
Neben einer zuckerarmen Ernährung ist Bewegung für Dr. Kimm ein „natürliches Antidiabetikum“. Schon moderate Aktivität kann den Blutzucker deutlich positiv beeinflussen. Von strengen Diätvorschriften dagegen rät die Expertin insbesondere bei älteren Betroffenen ab. Ausführlich ging die Expertin auch auf das Thema Unterzuckerung ein. Ein starkes Absinken des Blutzuckerspiegels kann zu Benommenheit, Stürzen und im Extremfall zur Bewusstlosigkeit führen. In solchen Situationen muss schnell Glukose zugeführt werden – etwa in Form von Traubenzucker oder Fruchtsaft.
Im Anschluss an die Vorträge nutzten viele Gäste die Möglichkeit zum persönlichen Austausch und zu einer kostenlosen Blutzuckermessung.
Interessierte können mediTALK nachträglich auf YouTube oder Spotify verfolgen.