Prävention wirkt: Bis zu 46 Krankheitstage innerhalb von drei Jahren weniger
Angesichts steigender Fehlzeiten – insbesondere durch psychische Erkrankungen – gewinnen die Ergebnisse einer Studie der Krankenkasse BIG direkt gesund und vivamind – Gesellschaft für Präventionsmedizin und Psychologie mbH eine besondere Bedeutung. Krankheitsbedingte Ausfälle verursachen nicht nur persönliche Belastungen für Beschäftigte, sondern auch erhebliche Kosten für Unternehmen. Gezielte Prävention kann krankheitsbedingte Fehlzeiten deutlich reduzieren: Bis zu 46 Krankheitstage pro Person innerhalb von drei Jahren lassen sich vermeiden.

Die Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin schätzt die volkswirtschaftlichen Produktionsausfälle durch Arbeitsunfähigkeit für das Jahr 2024 auf insgesamt 134 Milliarden Euro. BIG direkt gesund hat gemeinsam mit vivamind erstmals Gesundheits-Check-up-Daten mit späteren Fehlzeiten verknüpft. Die Ergebnisse zeigen klar: Schlafqualität, Selbstregulation, Bewegung und Körpergewicht beeinflussen Ausfalltage besonders stark. Grundlage sind Daten von 5.947 Versicherten aus dem Gesundheitsmanagement-Programm BIGbalance (2020–2025); für 396 Teilnehmende lagen objektiv erfasste Fehlzeiten vor.
Vier entscheidende Hebel
Die Studie zeigt erstmals in dieser Tiefe, welche konkreten Gesundheitsfaktoren krankheitsbedingte Fehlzeiten tatsächlich beeinflussen und in welchem Ausmaß. Schlafqualität, Selbstregulationskompetenz, körperliche Aktivität und Körpergewicht erweisen sich dabei als entscheidende Hebel.
Die Fehlzeitenanalyse bezieht sich auf einen Zeitraum von ein bis zwei Jahren nach der ersten Check-Up-Analyse. Die Zusammenhangsanalyse umfasst demnach ähnliche Zeitintervalle pro Person, die den üblichen wissenschaftlichen Untersuchungen zu Einflüssen von Arbeitsbelastungen auf Abwesenheitsverhalten entsprechen (Diestel & Schmidt, 2011; Schmidt & Diestel, 2012). Die Ergebnisse liefern Unternehmen, Beschäftigten und dem Gesundheitssystem belastbare Zahlen für den Nutzen wirksamer Prävention.
Prävention wirkt, wenn sie richtig ansetzt
Das Ergebnis zeigt: Gezielte feedbackbasierte Prävention kann krankheitsbedingte Ausfalltage in erheblichem Umfang reduzieren.
- Mehr Schlafqualität steht in einem starken Zusammenhang mit geringeren Fehlzeiten. Bereits eine Steigerung um etwa 25 Prozent geht mit rund 30 Fehltagen weniger innerhalb drei Jahren pro Person einher.
- Eine höhere Selbstregulationskompetenz – also die Fähigkeit, Verhalten, Gedanken und Emotionen aktiv zu steuern – kann die Zahl der Krankheitstage um bis zu 46 Tage innerhalb von drei Jahren reduzieren.
- Ein höherer Body-Mass-Index (BMI) wirkt dagegen klar belastend: Mit jedem zusätzlichen BMI-Punkt steigen die zukünftigen Fehlzeiten im Durchschnitt um 2,5 Tage (bis zu drei Jahre Beobachtungszeitraum).
- Auch Rauchverhalten zeigt messbare Effekte: Pro sogenanntem „Pack Year“ (kumulative Belastung durch Zigarettenkonsum) nehmen die Fehlzeiten durchschnittlich um etwa zwei Tage zu, wenn Versicherte bereits krank sind.
- Sowohl Ausdauer- als auch Krafttraining fördern präventiv die Gesundheit. Bereits eine der beiden Bewegungsformen kann krankheitsbedingte Fehlzeiten innerhalb von drei Jahren um bis zu 25 Tage reduzieren.
Pro Person sind somit zwischen 25 und 46 Krankheitstage innerhalb von drei Jahren vermeidbar, wenn Prävention systematisch und evidenzbasiert umgesetzt wird.
Einfluss von psychischen Ressourcen und Lebensstilfaktoren
„Die Ergebnisse zeigen erstmals in dieser Deutlichkeit, wie stark psychische Ressourcen und Lebensstilfaktoren nicht nur zukünftige Fehlzeiten vorhersagen, sondern sich wechselseitig in der Gesundheitsförderung beeinflussen. Besonders Schlafqualität und Selbstregulationskompetenz haben einen deutlich größeren Einfluss, als bislang in klassischen Fehlzeitenanalysen angenommen wurde“, sagt Prof. Dr. Stefan Diestel, Studienleiter und geschäftsführender Gesellschafter von vivamind.
elevanz für Unternehmen: Gesundheit ist ein Wirtschaftsfaktor
„Unsere Studie belegt: Betriebliches Gesundheitsmanagement ist kein ‚weicher Faktor‘, sondern ein messbarer Hebel für Produktivität und Stabilität. Statt erst auf Erkrankungen zu reagieren, lassen sich krankheitsbedingte Ausfälle durch frühzeitige und systematische Prävention deutlich senken“, so Stefan Ernst, Teamleiter Betriebliches Gesundheitsmanagement bei der BIG.
ERGO: Verhaltensmuster positiv beeinflussen
Das Versicherungsunternehmen ERGO ist Kooperationspartner der BIG direkt gesund. Seit 2021 ist BIGbalance bei ERGO eine der wichtigen Maßnahmen der betrieblichen Gesundheitsförderung. Carmen Jux, Fachärztin für Arbeitsmedizin und Leiterin Arbeits- und Gesundheitsschutz bei ERGO, sagt: „Als Arbeitgeber tragen wir Verantwortung für unsere rund 14.000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Viele von ihnen nutzen BIGbalance. Wir fördern mit dieser analysegestützten Maßnahme deren Gesundheit, da Verhaltensmuster positiv beeinflusst werden können“.