Schlaf im Fokus: Interdisziplinärer Austausch mit Mehrwert
Gesunder Schlaf spielt eine entscheidende Rolle für die körperliche und mentale Gesundheit.Er stärkt das Immunsystem, verbessert die Konzentrationsfähigkeit und hilft, Gelerntes zu verarbeiten. Die Aufklärung der komplexen biologischen Kontexte und Funktionen des Schlafs ist einerseits Gegenstand intensiver Forschung. Andererseits befassen sich klinische Praktiker:innen wie auch etablierte und insbesondere junge Unternehmen mit lebensweltlich geeigneten Lösungen für ein gesundes Schlafverhalten.

Am 19. Mai trafen sich Expert:innen und Interessierte zur Transferveranstaltung „Schlaf im Fokus“ im Zentrum für Proteindiagnostik auf dem Bochumer Gesundheitscampus. Ziel war es, aktuelle Entwicklungen aus Forschung, Klinik und Wirtschaft zusammenzubringen und neue Verknüpfungen rund um das Thema Schlafgesundheit aufzuzeigen: ein Ansatz, der sich als besonders gewinnbringend erwies.
Den wissenschaftlichen Auftakt gestaltete Prof. Dr. Mustafa Özçürümez vom Universitätsklinikum Knappschaft Kliniken Bochum. Er stellte drei seiner aktuellen Forschungsprojekte vor und spannte dabei den Bogen von den Auswirkungen von Licht auf den Schlaf bis hin zu systembiologischen Ansätzen zur Analyse komplexer Schlafprozesse. Passend dazu zeigte Dr. Sarah Dietz-Terjung (Ruhrlandklinik der Universitätsmedizin Essen) mit Sleepwell 2.0 ein brandneues Konzept für die telemedizinisch unterstützte Regelversorgung, welches auf einem Projekt des bundesweiten Innovationsfonds im Gesundheitswesen beruht und ermöglicht, .dass Menschen Schlafanalysen von zu Hause aus durchführen können.
Wie stark externe Faktoren den Schlaf beeinflussen, unterstrich Pia Kramer von der Firma 24LUMO. Sie zeigte, welchen Einfluss Licht- und Geräuschverhältnisse auf das Wohlbefinden von Patient:innen und Pflegepersonal haben, sowohl im klinischen Alltag als auch während der Genesung.Laut Stephanie Clauberg von MeiCla Design ist dies insbesondere für Kinder wichtig, welche altersgemäß eine besondere Behandlung und Pflege benötigen, wenn sie in fremden Räumlichkeiten, wie z.B. einem Schlaflabor übernachten müssen. So zeigte sie am Beispiel der Bergmannsheil und Kinderklinik Buer gGmbH, wie ihr holistisches Konzept sterile Räume in kindgerechte Einrichtungen umwandeln kann, um bestmöglich auf die Bedürfnisse und Sorgen der Kleinsten einzugehen.
Neben etablierten Akteur:innen spielte auch die Start-up-Szene eine zentrale Rolle. Christopher Große-Keul präsentierte 56hours, ein aus dem Umfeld der Ruhr-Universität Bochum stammendes und heute in Gelsenkirchen ansässiges Start-up und seine Idee, die Erholungsqualität des Schlafs durch gezielt gesteuertes Aufwachen zu verbessern. Mithilfe von Wearables werden Schlafzyklen analysiert, um Nutzer:innen in optimalen Schlafphasen zu wecken. Ergänzend dazu stellte Katharina Lüth von reDreamAI eine innovative Lösung zur Verarbeitung von Alpträumen vor: Eine generative KI unterstützt Nutzer:innen dabei, belastende Trauminhalte umzuschreiben und so langfristig besser zu verarbeiten.
Die Vielfalt der Perspektiven – von der noch immer nicht vollständig erforschten Grundlagenforschung des Schlafs über aktuelle Lösungen für besseren Schlaf in Klinik und Alltag bis hin zu technologischen Innovationen und Design – prägte den besonderen Charakter der Veranstaltung. Die enge Verzahnung der Beiträge zeigte, wie interdisziplinär das Thema Schlaf gedacht werden muss und welches Potenzial in der Vernetzung unterschiedlicher Akteur:innen liegt. „Schlaf im Fokus“ wurde so nicht nur zu einer Plattform für Wissensaustausch, sondern auch zu einem Impulsgeber für zukünftige Kooperationen.
Die Veranstaltung fand im Rahmen des EFRE/JTF Programm NRW 21-27geförderten Transferprojekts KliC.2Go statt und wurde gemeinsam mit der Bochumer Wirtschaftsentwicklung umgesetzt. Die gelungene Vernetzung verschiedener Disziplinen zu einem gemeinsamen Thema soll fortgeführt werden: Bereits im September folgt die nächste Transferveranstaltung, die sich dem Themenfeld Mikrobiom und Darmgesundheit widmet.