„Zivile Resilienz“ stärkt Sicherheit
Nachhaltigkeitsbeirat empfiehlt BIB Fokussierung auf gesellschaftliche Stabilität und Schärfung des Resilienzbegriffs
Im Juni 2026 tagte erstmals der Nachhaltigkeitsbeirat der BIB – BANK IM BISTUM ESSEN. Das hochkarätig besetzte Gremium (siehe unten) diskutierte die Frage: „Weniger Nachhaltigkeit für mehr Sicherheit: Notwendige Kurskorrektur oder trügerische Illusion?“ Für die BIB – Finanzierungspartner der Gesundheits-, Sozial-, Wohnungs- und Energiewirtschaft – eine zunehmend drängende Frage. Denn: Auf regulatorischer Seite wachsen die Anforderungen an die ökologische Säule der Nachhaltigkeit im Bankenportfolio. Auf Kundenseite rückt die Frage nach Resilienz und Sicherheit im Krisenmodus in den Fokus. Damit verbunden ist die Frage: Worauf müssen wir bei künftigen Finanzierungen den Schwerpunkt legen? Und welche Finanzierungen lassen sich unter der Prämisse unserer ethisch-nachhaltigen Ausrichtung verantworten?
Rüstung ist notwendig, aber nicht nachhaltig: Diese Haltung leitet die BIB bei der Anlage des eigenen Geldes am Finanzmarkt. Konkret bedeutet das, dass wir nicht in Unternehmen investieren, die mehr als fünf Prozent ihres Umsatzes mit Rüstungsaktivitäten erwirtschaften.
Kreditbasierte Finanzierungen im Rüstungsbereich schließt die BIB aufgrund ihrer Geschäftsausrichtung aus. Die Fragen von Sicherheit und Resilienz verlaufen aber nicht scharf entlang der Grenze zur Rüstungsfinanzierung. Vielmehr muss sich die BIB angesichts der geopolitischen Lage und Entwicklungen auch Themen aus dem Bereich der Finanzierung von Kriseninfrastruktur stellen: Energiesicherheit und -autarkie, Umwidmung von Wohnraum für militärische Zwecke oder die Ertüchtigung sozialer Einrichtungen für den Zivilschutz könnten in Zukunft gewichtiger werden – zulasten der Nachhaltigkeitsambitionen?
Sicherheit und Nachhaltigkeit – zwei Seiten einer Medaille Darüber diskutierte der Beirat ebenso fachkundig wie pointiert. Eine wichtige Erkenntnis, die zum Beispiel Dr. Anna Katharina Meyer (FindingSustainia) und Prof. Dr. Sigrid Graumann (Evangelische Hochschule Westfalen-Lippe) in ihren Ausführungen betonten: Der Sicherheitsbegriff darf nicht nur auf militärische Fragestellungen angewendet werden. Vielmehr sollten wir Sicherheit und Resilienz auch zivilgesellschaftlich denken. Wir brauchen soziale Stabilität, Versorgungssicherheit und feste demokratische Strukturen. Voraussetzung dafür ist Gerechtigkeit in all ihren Dimensionen sowie ein Verständnis der – oft emotional aufgeladenen – Begriffe wie Resilienz, Gerechtigkeit oder Nachhaltigkeit.
Vor diesem Hintergrund sahen die DiskutantInnen auch keinen Widerspruch zwischen dem Anspruch der Finanzierung von Nachhaltigkeit und einer Verantwortungsübernahme für die Bedürfnisse der Kunden in
Sachen Resilienz: Die soziale Nachhaltigkeit ist Garant für
Stabilität und Sicherheit – auch gegen Krisen von außen. Aufgabe der Bank ist es, diese soziale Nachhaltigkeit mit den Mitteln des Finanzmarktes zu fördern. Darin sehen wir als BIB einen klaren Auftrag, den bereits beschrittenen Weg, Nachhaltigkeit vom Menschen her zu denken, konsequent weiterzugehen.
Pater Elias Füllenbach (Dominikanerkonvent in Düsseldorf) brachte eine für die BIB damit verbundene Forderung auf den Punkt: „Die Ertüchtigung sozialer Infrastruktur ist Basis der Daseinsvorsorge. Ein Krankenhaus, das zum Beispiel die Energieversorgung nicht sicherstellen kann, ist nicht resilient.“ Und Dr. Dirk Albrecht, Geschäftsführer der Contilia GmbH, führte aus: „Eine zu jederzeit funktionierende Gesundheitsversorgung ist zentral für das Sicherheitsempfinden der Menschen. Damit leistet sie einen erheblichen Beitrag zur Resilienz unserer Gesellschaft. Deshalb sind Investitionen in die Gesundheitsversorgung immer auch nachhaltig für das Bestehen unserer Gesellschaftsform.“

Nina Eumann, Geschäftsführerin der Evangelischen Altenhilfe Mülheim, bekräftigte diesen Gedanken: „Unsere Branchen stehen, auch im Lichte neuer Anforderungen an Sicherheit und Resilienz, vor großen Herausforderungen. Und zu diesen gehört auch, dass wir im Gesundheits- und Sozialwesen große Beschränkungen in Sachen Refinanzierung haben.“
Banken als Stabilisator des zivilen Bereichs Kristina Jeromin von Made in Germany 2030 und Dr. Christian Scheper vom Institut für Entwicklung und Frieden an der Universität Duisburg-Essen brachten noch einen weiteren, entscheidenden Aspekt in die Debatte ein: Die ausschließlich moralische Aufladung der Begriffe, vor allem des Nachhaltigkeitsbegriffs, die leider aktuell den Diskurs bestimmt. Diese führt in der Praxis eher dazu, Gesellschaften zu spalten, statt sie zu einen und die Themen getrennt, statt miteinander verbunden, zu betrachten: „Nachhaltigkeit ist ein ganzheitliches Konzept. Ökologische, soziale und ökonomische Ziele dürfen nicht gegeneinander ausgespielt werden. Themen der wirtschaftlichen Widerstandsfähigkeit und gesellschaftlichen Wehrhaftigkeit gewinnen durch die geopolitischen Entwicklungen leider an Relevanz – dem müssen wir sachlich begegnen“, so Kristina Jeromin.
„Wir sehen tatsächlich eine Substitution von Mitteln – weg von sozial-zivilen Strukturen, hin zu militärischen. Genau dieses Thema sollte eine Bank wie die BIB im Blick haben und dafür sorgen, dass der Fluss von Mitteln in den sozial-zivilen Bereich nicht abreißt“, erklärte Christian Scheper.
Dr. Peter Güllmann, Vorstandssprecher der BANK IM BISTUM ESSEN eG, formulierte den Auftrag für die Bank so: „Wenn wir Sicherheit und Resilienz stärken wollen, müssen wir insbesondere einen intakten zivilen Sektor schaffen, der mit einer leistungsfähigen Infrastruktur und einem starken Gesundheits- und Sozialwesen einhergeht. Nur, wenn wir als Gesellschaft insgesamt resilient werden, können wir die Herausforderungen aus den geopolitischen Umwälzungen bestehen. Jetzt gilt es, dieses Wissen in konkrete Handlungen, Entscheidungen und Kommunikationsmaßnahmen umzusetzen.“
Unser Nachhaltigkeitsbeirat:
- Dr. med. Dirk Albrecht, Vorsitzender der Geschäftsführung der Contilia GmbH und seit 2024 Vorsitzender des Katholischen Krankenhausverbands Deutschland, steht im Beirat für die Perspektive eines großen Gesundheits- und Sozialunternehmens und für die Frage, wie sozial nachhaltige Versorgung unter Transformations- und Kostendruck gestaltet werden kann.
- Garrelt Duin, Jurist und seit 2024 Regionaldirektor des Regionalverbands Ruhr (RVR), bringt seine Erfahrung als früherer Bundestagsabgeordneter und Wirtschaftsminister Nordrhein-Westfalens sowie aus Leitungsfunktionen bei Industrie- und Versorgungsunternehmen ein. Er steht für die Verknüpfung von Nachhaltigkeit, Industriepolitik und Regionalentwicklung in einer Transformationsregion.
- Nina Eumann, Geschäftsführerin der Evangelischen Altenhilfe Mülheim und seit 2024 Aufsichtsrätin der Bank im Bistum Essen eG, verbindet betriebswirtschaftliche und prüferische Expertise mit der operativen Verantwortung in der Pflegewirtschaft – ein zentraler Bereich für soziale Nachhaltigkeit in einer alternden Gesellschaft.
- Pater Elias Füllenbach OP, Dominikanerkonvent in Düsseldorf, Archivar der deutschen Dominikanerprovinz und Leiter des Instituts zur Erforschung der Geschichte des Dominikanerordens im deutschen Sprachraum (IGDom) in Köln, ergänzt das Gremium um eine reflektierte theologisch-ethische Perspektive und die langfristige Sicht kirchlicher Verantwortung im Kontext sozial-ökologischer Transformation.
- Prof. Dr. Sigrid Graumann, Rektorin der Evangelischen Hochschule Bochum, Humangenetikerin und Philosophin, war von 2016 bis 2024 Mitglied des Deutschen Ethikrats. Sie bringt ihre Expertise in Ethik, Pflege und Heilpädagogik ein und unterstützt den Beirat bei Fragen der Gerechtigkeit, Inklusion und Verantwortung gegenüber vulnerablen Gruppen.
- Kristina Jeromin, Transformationsexpertin und Co-Leiterin des Think-Tanks Made in Germany 2030, war unter anderem viele Jahre bei der Deutschen Börse AG tätig. Sie war von 2019 bis 2025 Mitglied des Sustainable-Finance-Beirats der Bundesregierung (davon 2019 bis 2021 als stellvertretende Vorsitzende) und treibt die Themen Transformationsfinanzierung, Kapitalmarktregulierung und eine datenbasierte Verzahnung von Finanzbranche und Realwirtschaft voran.
- Prof. Dr. Claudia Kemfert, Professorin für Energiewirtschaft und Energiepolitik an der Leuphana Universität Lüneburg und Leiterin des Bereichs Energie, Verkehr, Umwelt am Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung (DIW), ist eine der profiliertesten Stimmen zur Energiewende. Sie berät den Beirat zu klimaverträglichen Investitionen und Energie- und Klimapolitik.
- Martina Merz, Maschinenbauingenieurin und langjährige Top-Managerin in der deutschen Industrie, war von 2019 bis 2023 Vorstandsvorsitzende von ThyssenKrupp. Heute ist sie in verschiedenen Aufsichts- und Stiftungsräten aktiv, etwa bei Volvo, Umicore, der Robert Bosch GmbH, Yara, Orasis Industries und der Carl-Zeiss-Stiftung. Im Nachhaltigkeitsbeirat repräsentiert sie die Perspektive globaler Industrieunternehmen und die praktische Balance zwischen ökologischen, ökonomischen und sozialen Zielen.
- Dr. Anna Katharina Meyer, promoviert im Thema Nachhaltigkeitssteuerung und Mitgründerin der Plattform FindingSustainia, engagiert sich als Präsidiumsmitglied der Deutschen Gesellschaft Club of Rome und Beraterin für Impactförderung und -investments. Sie verbindet wissenschaftliche Analyse mit der Entwicklung nachhaltiger Geschäftsmodelle und zivilgesellschaftlicher Allianzen.
- Dr. Christian Scheper, Senior Researcher am Institut für Entwicklung und Frieden (INEF) der Universität Duisburg-Essen und ausgebildeter Bankkaufmann, forscht zu Menschenrechten in der globalen Wirtschaft und zur Regulierung von Liefer- und Wertschöpfungsketten. Er bringt seine Expertise zu menschenrechtlicher Sorgfaltspflicht und verantwortungsvollen Lieferketten in den Beirat ein.