Gesundheitsmetropole Ruhr Themen

Viel mehr als nur die Zuckerkrankheit

Diabetes im Krankenhaus früh erkennen und so Folgeerkrankungen rechtzeitig vermeiden

St. Elisabeth Gruppe GmbH am 20. August 2026

Diabetes mellitus wird umgangssprachlich oft als Zuckerkrankheit bezeichnet: Dabei handelt es sich um eine Stoffwechselerkrankung, bei der der Blutzuckerspiegel dauerhaft zu hoch ist. Besonders schwerwiegend bei Diabetes sind allerdings die Folgeerkrankungen, die großen Schaden im Körper anrichten können. Um das zu vermeiden, haben Experten des St. Anna Hospital Herne die Krankheit besonders im Blick: Sowohl Menschen mit bekanntem Diabetes als auch Patienten, bei denen Diabetes bisher nicht festgestellt wurde und die wegen einer anderen Erkrankung im Krankenhaus behandelt werden, werden vor Ort gezielt unterstützt durch drei Diabetologen der Klinik für Innere Medizin und der Klinik für Gastroenterologie. So können Besonderheiten berücksichtigt und erste notwendige Schritte für die frühzeitige Behandlung eingeleitet werden. Denn: Bundesweit benötigen jedes Jahr mehrere Millionen stationär behandelte Menschen mit Diabetes eine Mitbetreuung, um Komplikationen zu vermeiden.

Bei jedem Patienten, der im St. Anna Hospital Herne aufgenommen wird, wird der Blutzucker gemessen. Dabei ist es unerheblich, aus welchem Grund der Patient in das Krankenhaus gekommen ist und in welcher Abteilung er behandelt wird. Mit dem standardisierten Vorgehen der Blutzuckermessung können Diabetiker früh entdeckt werden – gerade solche, die noch nichts von ihrer Erkrankung wissen. „Diabetes betrifft tatsächlich viele Menschen und besonders sogenannte multimorbide Patienten, die an mehreren Erkrankungen gleichzeitig leiden. Ihre Behandlung ist besonders komplex“, erklärt Dr. Viktor Rempel, Chefarzt der Klinik für Gastroenterologie des St. Anna Hospital Herne. So leiden Menschen mit starkem Übergewicht (Adipositas) häufig an Typ 2-Diabetes. Erschwerend bei der Behandlung kommt hinzu, dass in vielen Fällen noch eine weitere Stoffwechselerkrankung – wie Bluthochdruck – vorliegt. „Gerade im Krankenhaus gerät der Blutzucker bei vielen Patienten schnell aus dem Gleichgewicht – etwa durch Infektionen, Stress, weniger Essen oder bestimmte Medikamente, wie Kortison. Deshalb ist die Mitbetreuung durch ein interdisziplinäres, spezialisiertes Team so wichtig“, betont Dr. Rempel.

Berücksichtigung der Diabetes-Diagnose bei der Behandlung anderer Erkrankungen

 

Um Patienten mit Diabetes optimal ersteinzustellen, sind Fachärzte, Diabetesberater und Pflegefachkräfte eng im Austausch, um die bestmögliche Vorgehensweise abzustimmen.

Dass eine Diabetes-Diagnose einen erheblichen Einfluss auf die Behandlung anderer Erkrankungen im Krankenhaus hat, zeigt ein weiteres Beispiel: „Ein Patient hat nach einer OP eine Wunde, die sich nicht verschließt, weil er als Diabetiker Wundheilungsstörungen hat. Der Diabetes war vor seinem Krankenhausaufenthalt nicht bekannt und er ist daher bisher nicht eingestellt. Aufgrund einer bekannten Herzerkrankung benötigt er Blutverdünner, die in dieser Situation nicht gegeben werden können. Hier müssen die Medikamente umgestellt werden. In solchen Fällen kommen in einer Konferenz Fachärzte und Diabetesberatung zusammen, um schnell die bestmögliche Vorgehensweise abzustimmen. Zunächst wird der Diabetes mit Medikamenten eingestellt. Wenn die Wunde heilt, können dann ergänzend die Medikamente für die Herzerkrankung wieder eingenommen werden“, erklärt Dr. Panagiota Zgoura, Chefärztin der Klinik für Innere Medizin des St. Anna Hospital Herne.

Folgeerkrankungen als ernsthaftes Risiko für Diabetiker

Ein weiteres Ziel der frühzeitigen Diagnose von Diabetes ist die Verringerung möglicher Folgeerkrankungen. „Mit einer frühzeitigen Diagnose können wir Schlimmeres oftmals vermeiden. Folgeerkrankungen in Organen wie dem Herz oder der Niere stellen ein ernsthaftes Risiko für Menschen mit Diabetes dar, vor allem, wenn sie lange unentdeckt bleiben“, sind sich Dr. Zgoura und Dr. Rempel einig.

Nach der Diagnose im Krankenhaus: erste Notfallmaßnahmen bei Diabetes

Nach der erstmaligen Diagnose von Diabetes im Krankenhaus wird der Langzeitblutzucker-Wert bestimmt und der Diabetes-Typ ermittelt. Anschließend erfolgt die sogenannte Ersteinstellung – die erste Behandlung und Anpassung der Therapie – vor Ort. „Wir möchten die Patienten gut versorgen, einstellen und sie genau über die Erkrankung aufklären. Gerade weil es hier viele Fachabteilungen unter einem Dach gibt, können wir auf kurzem Weg auch die ersten, teilweise dringend nötigen Schritte für den Patienten einleiten“, so Dr. Rempel. Wird zum Beispiel ein EKG benötigt, kann dieses direkt vor Ort durchgeführt werden. „Im Krankenhaus leisten wir nur die ersten Schritte und geben praktische Hinweise an die Hand.“

Nach dem regulären Eingriff, für den der Patient in das Krankenhaus kam, wird er an den niedergelassenen Arzt zur Weiterbehandlung des Diabetes überwiesen. „Die niedergelassenen Kollegen übernehmen dann die weiterführende Behandlung“, so Dr. Zgoura.

Stoffwechselerkrankung Diabetes

Diabetes beginnt in der Bauchspeicheldrüse: Die Ursache für die Erkrankung ist eine gestörte Aufnahme von Zucker (Glukose) aus dem Blut in die Zellen des Körpers. Um den aus der Nahrung gewonnenen Zucker als Energiequelle für die Körperzellen nutzen zu können, benötigt der Körper das Hormon Insulin. Die Bauchspeicheldrüse, die das Hormon produziert, produziert bei Menschen mit Diabetes wenig bis gar kein Insulin mehr bzw. bei Menschen mit Diabetes ist die Wirkung des Insulins vermindert. So verbleibt der Zucker im Blut und der Blutzuckerspiegel steigt an.

© 2026 MedEcon Ruhr - Netzwerk der Gesundheitswirtschaft an der Ruhr

Wir können Gesundheit Wir können Gesundheit