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Zwölf Jahre Proteinforschung

Was der SFB 642 erreicht hat

am Dienstag, 2. Mai 2017

Einverständniserklärung Nr. 516a Prof. Dr. Klaus Gerwert Bei einer Veröffentlichung der Bilder ist als Nachweis ©RUB, Kramer anzugeben

Ihn interessiert die Proteinforschung vom einzelnen Molekül bis hin zur klinischen Praxis: Klaus Gerwert, Sprecher des ausgelaufenen Sonderforschungsbereichs 642 © RUB, Kramer

Nach zwölf Jahren Proteinforschung fassen die verantwortlichen Wissenschaftler ihre Hauptergebnisse zusammen. Damit füllen sie zwei Ausgaben einer Fachzeitschrift.

26,6 Millionen Euro Fördermittel, 639 wissenschaftliche Veröffentlichungen, 119 Promotionen – diese Zahlen stehen am Ende des Sonderforschungsbereichs (SFB) 642, der an der Ruhr-Universität Bochum beheimatet war. Die wissenschaftlichen Ergebnisse aus zwölf Jahren gemeinsamer Proteinforschung mit Kollegen aus Dortmund veröffentlichten die Forscherinnen und Forscher um Sprecher Prof. Dr. Klaus Gerwert in zwei Ausgaben der Zeitschrift „Biological Chemistry“. Die Druckfassung erschien am 1. Mai 2017.

Den SFB „GTP- und ATP-abhängige Membranprozesse“ förderte die Deutsche Forschungsgemeinschaft über die Maximaldauer von 2004 bis 2016. Die Wissenschaftler untersuchten Signalwege und Transportprozesse an biologischen Membranen, die von den Energiespeichermolekülen ATP und GTP abhängig sind. Dabei rankten sich viele Projekte um Schalterproteine der Ras-Familie und ihre Interaktionspartner, welche zahlreiche zelluläre Signalwege beeinflussen und deren Fehlfunktionen Krankheiten wie Krebs verursachen können.

Filme statt Schnappschüsse

Unter anderem klärten die SFB-Forscher die Struktur von 427 Proteinen auf und bestimmten molekulare Reaktionsmechanismen auf verschiedenen Ebenen, sowohl unter kontrollierten Bedingungen und mit höchstmöglicher räumlicher und zeitlicher Auflösung im Reagenzglas als auch in lebenden Zellen.

„Die Vielfalt der Methoden im SFB 642 hat uns erlaubt, nicht nur einzelne Schnappschüsse der Proteinreaktionen und -interaktionen aufzunehmen, sondern sozusagen Filme der Funktionsweise einzelner Proteine und ihrer Wechselwirkungen mit anderen Molekülen zu generieren – und das mit atomarer Auflösung“, erklärt Gerwert, Leiter des Bochumer Lehrstuhls für Biophysik. „Besonders stolz macht mich allerdings, dass sich zwei Nachwuchswissenschaftlerinnen und vier Nachwuchswissenschaftler so weit im SFB entwickeln konnten, dass sie auf externe Professuren berufen wurden.“

SFB schuf neue Strukturen

Trotz des Endes des Sonderforschungsbereichs bleibt die Proteinforschung fest in Bochum verankert. Aus dem SFB ging 2010 die „Protein Research Unit Ruhr within Europe“ (PURE) hervor, deren Sprecher ebenfalls Klaus Gerwert ist. Das Konsortium hat zum Ziel, die im SFB 642 entwickelten Methoden aus der Proteinforschung in die klinische Praxis zu übertragen. 2014 setzte sich das PURE-Team beim Wettbewerb des Wissenschaftsrats um Forschungsbauten durch. Das Zentrum für molekulare Proteindiagnostik, kurz Prodi, entsteht derzeit auf dem Gesundheitscampus NRW. Es wird Platz für 153 grundlagenorientierte und klinische Forscher bieten. Gemeinsam suchen sie nach Wegen, Krebs und neurodegenerative Erkrankungen früher zu diagnostizieren, um schon im Anfangsstadium präziser und somit erfolgreicher therapieren zu können.

„Wir sind der Deutschen Forschungsgemeinschaft und ihren Gutachtern sehr dankbar für die Unterstützung in den vergangenen zwölf Jahren“, sagt Klaus Gerwert. „Der Sonderforschungsbereich 642 ist ein Beispiel dafür, wie das SFB-Programm exzellente Wissenschaft an den Universitäten fördern und dort dauerhafte Strukturveränderungen bewirken kann, um die Einrichtungen international sichtbarer und wettbewerbsfähiger zu machen.“

Kooperation im Ruhrgebiet

Im SFB 642 kooperierte die Ruhr-Universität Bochum mit der Technischen Universität Dortmund und dem Max-Planck-Institut für Molekulare Physiologie in Dortmund. Er war somit einer der ersten drittmittelfinanzierten Forschungsverbünde innerhalb der später entstandenen Universitätsallianz (UA) Ruhr.

Seit 2007 arbeiten die drei Ruhrgebietsuniversitäten unter dem Dach der UA Ruhr strategisch eng zusammen. Durch Bündelung der Kräfte werden die Leistungen der Partneruniversitäten systematisch ausgebaut. Unter dem Motto „gemeinsam besser“ gibt es inzwischen über 100 Kooperationen in Forschung, Lehre und Verwaltung. Mit mehr als 115.000 Studierenden und nahezu 1.300 Professorinnen und Professoren gehört die UA Ruhr zu den größten und leistungsstärksten Wissenschaftsstandorten Deutschlands.

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