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Neue Behandlung mit Immunglobulinen

Krankheitsgruppe wurde bisher oft mit Multipler Sklerose verwechselt

Universität Witten/Herdecke am 21.02.18

Prof. Dr. Kevin Rostasy


Die regelmäßige Gabe von intravenösen Immunglobulinen hilft bei einer wiederkehrenden entzündlichen Erkrankung der weißen Substanz im Gehirn von Kindern. Das ist das Forschungsergebnis einer europäischen Forschergruppe mit Beteiligung der Universität Witten/Herdecke (UW/H), die im Januar im renommierten Journal of the American Medical Association veröffentlicht wurde. (doi:10.1001/jamaneurol.2017.4601)

Die Forscher konnten in einer retrospektiven Studie mit über 100 Kindern, die an einer wiederkehrenden entzündlichen Erkrankung der weißen Hirnsubstanz in Verbindung mit hohen MOG-Antikörpern im Blut litten, eine Verbesserung erzielen. Die Gabe von intravenösen Immunglobulinen senkte die Schubrate deutlich und besserte den klinischen Verlauf. Weiterhin konnten die Forscher nachweisen, dass die klassischen in der MS-Behandlung verwendeten Medikamente wie Interferon und Glatiramer acetat keinen positiven Einfluss auf den Verlauf hatten.

Prof. Dr. Kevin Rostasy von der Vestischen Kinderklinik der Universität Witten/Herdecke (UW/H) gehört zu der Forschergruppe und war der Leiter einer Studiengruppe, die das neue Krankheitsbild bei Kindern maßgeblich erforscht hat. „Bisher wurde angenommen, dass die hohe MOG-Antikörper-Konzentration im Blut ein Vorbote einer kommenden MS-Erkrankung sei. Wir konnten in den letzten Jahren zeigen, dass MOG-assoziierte Erkrankungen eine eigenständige Erkrankungsgruppe darstellt, die im Kindesalter eher Kinder unter acht Jahren betrifft und sich von der kindlichen MS deutlich unterscheidet.“

Zum Hintergrund:
Das Myelin-Oligodendrozyten-Glykoprotein (MOG) ist ein wichtiger Bestandteil der Myelinscheide, also der Hülle um die Nervenbahnen des zentralen Nervensystems von Gehirn und Rückenmark. Die Nervenfasern werden normalerweise von einer schützenden Hülle umgeben, die aus Fett und Eiweiß besteht – dem Myelin. Diese Hülle isoliert die Nervenfasern und sorgt dadurch für eine schnelle Weiterleitung der elektrischen Signale.

Wenn bei Kindern nun eine hohe Konzentration von Antikörpern gegen Myelin-Oligodendrozyten-Glykoprotein (MOG) im Blut nachgewiesen werden kann, deutet das darauf hin, dass diese Schutzschicht der Nervenbahnen „angefressen“ wird, vermutlich durch körpereigene Stoffe. Die Forschergruppe um Rostasy konnte zeigen, dass Kinder mit MOG-Antikörpern eine – von der MS zu unterscheidende – entzündliche Erkrankung der weißen Gehirnsubstanz haben. Eine der Erkrankungen im Kindesalter bei der sich MOG-Antikörper finden, ist die „akute demyelinisierende Enzephalomyelitis (ADEM)“. Sie tritt häufig bei Kindern eine bis vier Wochen nach einer Virusinfektion auf. Die Symptome sind sehr vielfältig und reichen von Wesensveränderungen, Schläfrigkeit, Kopfschmerzen und neurologischen Zeichen wie halbseitige Lähmungen und Sehproblemen. Ältere Kinder entwickeln dagegen häufig eine einseitige Sehnervenentzündung (Optikus Neuritis). Bisher waren MOG-Antikörper in Verbindung mit MS gebracht worden, weil in Tiermodellen zur MS die Applikation von MOG-Antikörper zu einer Verschlechterung der Symptome geführt hat.

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