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SmartHealthData.NRW

Intelligente Systeme für eine personalisierte Medizin

MedEcon Ruhr – Intern am 20.02.18

Clustermanager Dr. Oliver Lehmkühler

Das vom NRW-Ministerium für Kultur und Wissenschaft beauftragte und mit MedEcon Ruhr verbundene Cluster InnovativeMedizin.NRW baut seit einigen Monaten mit starker MedEcon-Beteiligung die Initia­tive SmartHealthData.NRW auf. Ihr Fokus liegt auf der Nutzung der in großen Mengen anfallenden Gesundheitsdaten in intelligenten medizinischen Unterstützungssystemen, um die Patientenversorgung stärker zu personalisieren und zu verbessern. Hierzu sollen die in NRW vorhandenen Kompetenzen zielgerichtet genutzt, verknüpft und ausgebaut werden.

In einem mehrmonatigen Prozess hat das Clustermanagement mit Unterstützung von verschiedenen Expertinnen und Experten das Whitepaper „SmartHealthData.NRW – intelligente Systeme für eine personalisierte Medizin“ erstellt. Das Whitepaper beleuchtet die aktuellen Trends – von Unterstützungssystemen zur Verbesserung von Früherkennung, Diagnostik und Therapie, über den Zugang zu Datenquellen und Wege der Datennutzung, bis hin zur Verknüpfung von Forschungs- und Versorgungdaten. Das Spektrum der erörterten Problemstellungen reicht von Arzt-Patienten-Kommunikation und dem Digital Empowerment von Patienten und Heilberufen über Fragen der Systemintegration und Interoperabilität bis hin zum Qualitätsmanagement und der Datensouveränität.

Die vom Whitepaper beleuchteten Chancen und Möglichkeiten, die der Standort NRW in diesem Bereich bietet, sind vielfältig. Die hohe Bevölkerungsdichte, die ebenso dichte Versorgungslandschaft und die komplexen Alters- und Sozialstrukturen können eine Referenzregion für digitale Versorgungsinnovationen begründen. Zudem verfügt das Land über SmartHealthData-relevante industriell-wissenschaftliche Schwerpunkte in der Gesundheitsinformatik wie auch in der Bioanalytik, in denen nordrhein-westfälische Unternehmen und Einrichtungen führende Positionen einnehmen.

Das Whitepaper stand auch im Mittelpunkt bei der vom Cluster InnovativeMedizin.NRW initiierten Konferenz SmartHealthData.NRW in Düsseldorf. 150 Gäste folgten den Expertenvorträgen und lieferten wertvolle Hinweise für die Ausgestaltung des gleichnamigen Whitepapers, das strategische Handlungsempfehlungen für die erfolgreiche Positionierung Nordrhein-Westfalens in diesem Zukunftsfeld formuliert.

Ministerin Isabel Pfeiffer-Poensgen

Isabel Pfeiffer-Poensgen, Ministerin für Kultur und Wissenschaft des Landes NRW, betonte in ihrem ausführlichen Grußwort die weitreichenden Auswirkungen von Big Data für die Medizin und verglich diese mit historischen Einschnitten wie der Entdeckung der Röntgenstrahlen und der Erfindung des Penicillins. Entscheidend sei die intelligente Nutzung von Gesundheitsdaten, also „Smart Health Data“, um das große Potenzial, das in SmartHealthData steckt, für personalisierte, den Patientenbedürfnissen angepasste Therapien ausschöpfen zu können.

Prof. Dr. Britta Böckmann, Medizininformatikerin an der Universität Duisburg-Essen/Fachhochschule Dortmund (Foto) präsentierte die Eckpunkte des Whitepapers und arbeitete die an die Landespolitik gerichteten Kernforderungen heraus, nämlich
den Aufbau einer Dateninfrastruktur, welche Forschung und Versorgung verknüpft,
eine zwischen den Landesministerien für Gesundheit, Wirtschaft und Wissenschaft abgestimmte SmartHealthData-Strategie
nachhaltige Investitionen in die Aus- und Weiterbildung von Nachwuchskräften in der Forschung und medizinischen Anwendung.

Inwiefern Künstliche Intelligenz Ärzte in ihrer Entscheidungsfindung unterstützen kann, erläuterte PD Dr. med. Felix Nensa, Oberarzt am Universitätsklinikum Essen, am Beispiel der onkologischen Radiotherapie. Für Prof. Dr. Alexander Schramm, Universität Duisburg-Essen, stellen künstliche Intelligenz und maschinelles Lernen wichtige technologische Treiber dar, die das Potenzial haben, die diagnostische Tiefe in der Medizin nachhaltig zu verbessern. Diese erforderten jedoch eine kontinuierliche Weiterentwicklung, die Einbettung in cyberphysische Systeme und ein „Empowerment“ auf Seiten der Ärzte und Patienten. Ein Musterbeispiel für ein gelungenes „Patient Empowerment“ lieferte das Projekt „Open Notes“, das von Prof. Dr. Tobias Esch, Universität Witten-Herdecke, vorgestellt wurde. Im Jahr 2010 als Demonstrations- und Evaluationsstudie gegründet, ermöglicht „Open Notes“ Patienten über ein sicheres elektronisches Portal unbeschränkten Zugriff auf die gesamte ärztliche Originaldokumentation.

PD Dr. Sven Zenker, Universität Bonn, wie auch Prof. Dr. Sylvia Thun, Hochschule Niederrhein stellten die wichtigsten Hürden für die flächendeckende Verknüpfung von Forschungs- und Versorgungsdaten in und zwischen Krankenhäusern dar. Sie forderten, den massiven Investitionsstau in der Krankenhaus-IT zu beheben. Zudem gelte es auf politischer Ebene die Sekundärnutzung von Versorgungsdaten auf breiter Fläche durch die Schaffung von Widerspruchslösungen anstelle der aktuell erforderlichen aktiven Einwilligung zu erleichtern (Zenker). Weiterhin seien gemeinsame international gültige Standards der Datenkommunikation von zentraler Bedeutung für einen flächendeckenden Durchbruch in Richtung SmartHealthData (Thun). Eine stärkere Verankerung digitaler Inhalte in der Ausbildung von Medizinern forderte Jeyanthan Charles James, Bundesvertretung der Medizinstudierenden in Deutschland, Ruhr-Universität Bochum. Neben digitalen Anwendungen und Telemedizin müssten auch rechtliche und ethische Aspekte angemessenen Niederschlag in den Curricula finden. Erste Leuchtturm-Projekte in der medizinischen Ausbildung gebe es aktuell an den Universitäten Aachen, Witten/Herdecke und Bochum, notwendig sei jedoch ein bundesweites Konzept.

Prof. Dr. Dr. Christian Dierks, Dierks + Company, ging auf Barrieren bei der Implementierung medizinischer Unterstützungssysteme und thematisierte regulatorische Bedarfe in Bezug auf die Zertifizierung, Zulassung und Vergütung entsprechender Innovationen. Die Frage nach den gesellschaftlichen Konsequenzen des digitalen Fortschritts in der Medizin beleuchtete schließlich Prof. Dr. Steffen Augsberg, Sprecher der Arbeitsgruppe Big Data und Gesundheit des Deutschen Ethikrates, der eine hohe Übereinstimmung zwischen dem Whitepaper und den Positionen des Ethikrates feststellte. Der Ethikrat fordert ein zeitgemäßes Regelungs- und Gestaltungskonzept zu Big Data, um die medizinischen Chancen im Sinne aller Bürgerinnen und Bürger nutzen zu können. Dabei müsse jedoch die Datensouveränität als individuelle Freiheitsgestaltung immer beim Einzelnen verbleiben.

In der abschließenden Diskussionsrunde unterstützten Thorsten Menne (Ministerium für Kultur und Wissenschaft), Axel Meineke (Cerner Health Services Deutschland), Dr. Sven Meister, (Fraun­hofer Institut für System- und Softwaretechnik) und Heiner Vogelsang (Techniker Krankenkasse NRW) die mit dem Whitepaper verfolgte Perspektive einer durch das Cluster betreuten nordrhein-westfälischen Community für SmartHealthData-Entwicklungen, die als Partner für die Landespolitik zur Verfügung stehe.

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