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Wenn Zebrafinken Liebeslieder hören

Was im Gehirn von Zebrafinken bei der Wahl des Paarungspartners passiert.

Ruhr-Universität Bochum am 05.03.18


Kaya von Eugen und Onur Güntürkün haben Hirnregionen identifiziert, die für die Partnerwahl von Zebrafinken verantwortlich sind.
© RUB, Marquard

Ob ein Zebrafinken-Weibchen ein Männchen als Paarungspartner wählt, hängt ganz vom Balzgesang des Männchens ab. Welche Gehirnregionen entscheiden, ob das Liebesgezwitscher zur Wahl des Partners führt, haben Forscher der Universiteit Antwerpen, der McGill University in Montreal und der Ruhr-Universität Bochum untersucht. Sie analysierten die Hirnaktivität der Vögel mit funktioneller Kernspintomografie und identifizierten eine entscheidende Region, die wie ein Knotenpunkt fungiert.

Die Ergebnisse berichten die Forscherinnen und Forscher, darunter Kaya von Eugen und Prof. Dr. Dr. h. c. Onur Güntürkün vom Bochumer Institut für Kognitive Neurowissenschaft, in der Zeitschrift „Current Biology“.

Anders als bei Menschen

„Menschen wählen ihre Partner basierend auf vielen verschiedenen Faktoren aus, etwa nach dem Aussehen, danach, wie viel Geld jemand auf dem Konto hat oder ob er oder sie eine humorvolle Persönlichkeit hat. Bei Zebrafinken geht es nur um den Gesang“, sagt Kaya von Eugen.

Die Forscher spielten weiblichen Zebrafinken Balzgesänge von männlichen Zebrafinken vor und zeichneten dabei die Hirnaktivität auf. Als Vergleich hörten die Weibchen auch neutrales Zebrafinken-Gezwitscher, das nicht im Kontext der Balz aufgezeichnet worden war. Anders als bei neutralem Vogelgesang waren zwei Hirnregionen bei Balzgesängen besonders aktiv: das sogenannte Mesopallium caudomediale (CMM) und das Nidopallium caudocentrale (NCC).

Knotenpunkt identifiziert den schönsten Gesang

„Dass das CMM stärker aktiv sein würde, hatten wir erwartet“, sagt Kaya von Eugen. Die Region wertet das Tempo von auditiven Signalen aus, und Balzgesänge sind schneller als normales Gezwitscher. Verantwortlich für die Partnerwahl basierend auf der Gesangsqualität war hingegen das NCC. „Es ist eine Art Hub, ein Knotenpunkt, der viele Informationen aus verschiedenen Quellen integriert und auch mit motorischen Regionen verknüpft ist“, erklärt die Biopsychologin.

Die Forscher interpretieren die Rolle der Hirnregion im Balzverhalten wie folgt: Das NCC ist verbunden mit Arealen, die einschätzen, wie attraktiv der Gesang des Männchens ist. Es empfängt Informationen über das Tempo und die Amplitude des Gesangs und verknüpft sie mit der Erinnerung, was besonders wünschenswertes Balzgezwitscher ist. Da das NCC auch mit Motorregionen verbunden ist, ist es ideal geeignet, um das passende Verhalten zu koordinieren, zum Beispiel einen Antwortgesang auf den Balzruf auszulösen.

Erstmals Rolle des limbischen Systems gezeigt

Das NCC liegt im sogenannten limbischen System des Gehirns, das an der Entstehung von Emotionen und Triebverhalten beteiligt ist. Die aktuelle Studie zeigte zum ersten Mal, dass das limbische System eine entscheidende Rolle bei der Bewertung von Balzgesängen und somit der Auswahl von Paarungspartnern bei Zebrafinken hat.

Förderung

Die Studie wurde gefördert durch: Research Foundation – Flanders (Projektnummern: G030213N und G044311N), Hercules Foundation (Grant-Nummer: AUHA0012), Interuniversity Attraction Poles (PLASTOsCINE: P7/17), Deutsche Forschungsgemeinschaft (Projekte: SFB 874 und Gu227/16-1), National Sciences and Engineering Research Council (Projektnummern: RGPIN402186 und RGPIN402417).

Originalveröffentlichung

Lisbeth van Ruijsvelt, Yining Chen, Kaya von Eugen, Julie Hamaide, Geert De Groof, Marleen Verhoye, Onur Güntürkün, Sarah C. Wooley, Annemie van der Linden: fMRI reveals a novel region for evaluating acoustic information for mate choice in a female songbird, Current Biology, 2018, DOI: 10.1016/j.cub.2018.01.048, https://www.sciencedirect.com/science/article/pii/S0960982218300812?via%3Dihub

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