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Verbesserungen in der Geburtshilfe gefordert

Viele Schwangere und Mütter werden nicht von Hebammen begleitet

AOK Rheinland/Hamburg am 26.06.18

„Es ist bedenklich, dass viele werdende Mütter und junge Familien von den Angeboten der Hebammenhilfe nicht erreicht werden“, sagt Günter Wältermann, Vorsitzender des Vorstandes der AOK Rheinland/Hamburg.

Nur 53 Prozent der Familien werden in den ersten Wochen nach der Geburt von einer Hebamme begleitet. 2012 lag diese Quote noch bei 64 Prozent. Die regionalen Unterschiede sind immens: Im Oberbergischen Kreis, im Kreis Kleve und im Rhein-Sieg Kreis werden drei von vier Frauen im Wochenbett von einer Hebamme betreut; in Oberhausen, Essen, Mülheim an der Ruhr und Mönchengladbach ist es nur knapp jede Dritte. „Frauen und ihre Familien sollten früh und umfassend über die Angebote der Hebammen informiert werden“, erklärt Prof. Dr. Nicola Bauer, Leiterin des Studienbereichs Hebammenwissenschaft im Department für Angewandte Gesundheitswissenschaften an der Hochschule für Gesundheit Bochum.

Zudem wird deutlich, dass es von der Lebenssituation der Frauen und Familien abhängt, ob sie Unterstützung erhalten: Frauen, die Sozialleistungen beziehen, profitieren deutlich seltener von Geburtsvorbereitungskursen, der aufsuchenden Wochenbettbetreuung und Rückbildungsgymnastik als berufstätige Schwangere und Mütter. „Deshalb sollten schon in der Schule Schwangerschaft, Geburt und Familienplanung Themen im Unterricht sein. In gynäkologischen Praxen sollten Frauen gleich nach dem positiven Schwangerschaftstest Informationen zur Hebammenbetreuung erhalten oder bestenfalls direkt an eine Hebamme vermittelt werden. Die Hebammenzentralen können hier einen wichtigen Beitrag leisten“, ergänzt Nicola Bauer.

Die Daten zeigen: Hebammen fehlen in der Schwangerschaftsbetreuung, in der Nachsorge und insbesondere in den Geburtskliniken in Nordrhein-Westfalen. Nicht einmal jedes zweite Krankenhaus beschäftigt die in medizinischen Leitlinien empfohlene Anzahl an Hebammen. „Damit mehr junge Menschen den Beruf ergreifen und diesem mit Freude nachgehen können, müssen wir die Rahmenbedingungen für die Arbeit der Hebammen verbessern“, sagt Günter Wältermann. „Mehr Wertschätzung, ein Arbeiten auf Augenhöhe mit den Ärztinnen und Ärzten, gute Qualifizierungs- und Weiterbildungsmöglichkeiten sowie gute und moderne Arbeitsbedingungen sind wesentlich dafür. Hebammenkreißsäle und flexiblere Einsatzmöglichkeiten in den Kliniken (Rotation), die den Hebammen ermöglichen, in der Geburtsbegleitung und in der Betreuung und Nachsorge zu arbeiten, sind mögliche Ansätze“, ergänzt Günter Wältermann.

Versorgung von Frühchen verbessern

Die medizinische Versorgung in Geburtskliniken und Perinatalzentren ist ein weiterer Punkt im Report. Mit 4,1 Kindern je 1000 Lebendgeborene ist die Säuglingssterblichkeit in Nordrhein-Westfalen im Vergleich zu anderen europäischen Ländern relativ hoch. Bundesweit starben rein statistisch 3,4 von 1000 Säuglingen vor ihrem ersten Geburtstag. Deutlich niedriger ist die Rate in Finnland. Dort liegt sie bei 1,7 Kindern je 1000 Lebendgeborene, in Norwegen bei 2,3 und in Schweden bei 2,5 Kindern.

Für Frühgeborene ist ein Zusammenhang zwischen der Anzahl der betreuten Geburten in einer Klinik und der Sterblichkeit der Neugeborenen wissenschaftlich gut belegt. Sehr kleine Frühgeborene mit einem Geburtsgewicht von unter 1250 Gramm müssen in Deutschland in sogenannten Perinatalzentren geboren und versorgt werden. Die Kliniken müssen jährlich mindestens 14 Frühchen betreuen. „Die modernste Medizin und eine spezialisierte Versorgung sind hierbei entscheidend“, erläutert Matthias Mohrmann, Mitglied des Vorstandes der AOK Rheinland/Hamburg. „Um die Qualität der Versorgung von Frühgeborenen und Risikoschwangeren zu verbessern, müssen wir sie auf wenige hochspezialisierte Zentren konzentrieren. Auch die Mindestmenge müsste von derzeit 14 auf mindestens 30 angehoben werden. Hier ist die Landesregierung in der Verantwortung: Wir brauchen eine aktive und qualitätsorientierte Krankenhausplanung – die konsequent umgesetzt wird.“

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