Wir können Gesundheit

Unterwegs ins digitale Gesundheitswesen der Zukunft

Experten diskutieren Chancen und Folgen von IT für Hospitäler

St. Franziskus-Stiftung Münster am 16.10.18

Mit der Kunstinstallation „VitaMorphose“ klang die Tagung spirituell aus.

Digitalisierung gilt im Gesundheitssektor als Schlüsselfaktor zur Modernisierung der Patientenversorgung. Doch welche konkrete Rolle soll sie spielen, welchen echten Nutzen kann sie bringen? Wie verändert digitale Informationstechnologie die Arbeit von Ärzten und Pflegenden? Welche neuen Möglichkeiten bietet sie Leistungserbringern und Patienten? Und welche Risiken bringt ein „durchdigitalisiertes“ Gesundheitswesen mit sich?

Fragen wie diese standen im Mittelpunkt des diesjährigen „Mauritzer Krankenhausgesprächs“ der St. Franziskus-Stiftung Münster. Rund 200 leitende Mitarbeiter aus Kliniken und Einrichtungen vor allem aus Nordrhein-Westfalen kamen dazu jetzt im Tagungshaus der Stiftung in Münster zusammen: überwiegend Chefärzte, Pflegedirektoren, Qualitätsbeauftragte und Geschäftsführer. „Digitale Informations- und Kommunikationstechnologien sind Schlüsseltechnologien des 21. Jahrhunderts“, unterstrich Dr. Daisy Hünefeld vom Stiftungsvorstand in ihrem Eröffnungswort. Dies gelte auch und insbesondere für den Gesundheitssektor. Digital gestützte Verfahren könnten beispielsweise entscheidend zu einer besseren und effizienteren Versorgung und einem breiteren Zugang zu medizinischer Expertise beitragen.

„Weitere Miniaturisierung, weiterer Leistungszuwachs aller Komponenten sowie Fortschritte der Sensorik sind die aktuellen digitalen Entwicklungslinien“, betonte Professor Dr. Peter Haas, Inhaber des Lehrstuhls für Medizinische Informatik an der Fachhochschule Dortmund, in seinem Eröffnungsvortrag. Frühere „Rechenmaschinen“ würden zunehmend zu „Denkmaschinen“. So werde es bereits sehr bald die engste Vernetzung von Einrichtungen, strukturierte Wissensbasen und den Zugriff auf Einrichtungsakten durch Patienten geben. Mittelfristig – bis Mitte des nächsten Jahrzehnts – würden Telemedizin und Telekonsile zur Regel, der Informationsaustausch über Apps an mobilen Endgeräten fest etabliert und der Patient immer mehr zum eigentlichen Akteur im System. Für die Zukunft ab etwa 2030 sagte der Experte implantierbare Minilabore und eine genetische Dispositionsanalyse für Erkrankungen als Standardverfahren voraus. Bei allen Entwicklungen müssten Chancen und Risiken gegeneinander abgewogen werden. „Die Digitalisierung durchdringt sämtliche Bereiche der Medizin und hat massive Auswirkungen auf die ärztliche Tätigkeit – Ärzte und Krankenhäuser sollten diesen Prozess aktiv mitgestalten“, appellierte Haas.

Dass es für die Pflege hier noch Optimierungsbedarf gebe, hob Professor Dr. Björn Sellemann hervor. „Bei der Vernetzung der professionellen Versorger durch digitale IT spielen Pflegende bislang eine eher nachgeordnete Rolle“, so der Experte, der an der Fachhochschule Münster Nutzerorientierte Gesundheitstelematik und assistive Technologien lehrt. Informations- und Kommunikationstechnologien müssten auch im jeweiligen Pflege-Setting „nützlich und gebrauchstauglich“ sein. Die Chancen von Digitalisierung lägen in der Erleichterung von Arbeitsprozessen, der Verbesserung von Versorgungsqualität und -kontinuität und der Optimierung der Kooperation in interdisziplinären Versorgungsprozessen. „Dabei muss stets mitbedacht werden, was das für die Zukunft der pflegerischen Tätigkeiten bedeutet“, mahnte Sellemann an.

Wie die digitale Medizin der Zukunft die Rolle des Arztes verändern kann, erläuterte Ulrich Schulze Althoff, Chief Digital Officer der Medisana GmbH, eines Herstellers von Gesundheitsprodukten für Endverbraucher. „In vielen Branchen erleben wir zurzeit die Tendenz, Mittelebenen auszuschalten und Leistungen digital direkt anzubieten“, so der IT-Experte. Reisebüros, Banken und Versicherungen hätten Büros und Filialen geschlossen und seien online aktiv geworden. Ähnliches gelte für Apotheken. „Man braucht nicht viel Phantasie, um sich vorzustellen, dass künftig auch medizinische Beratungen oder Diagnosestellungen digital stattfinden können“, unterstrich Schulze Althoff. Von Patienten einfach zu handhabende digitale Technik, etwa zur selbstständigen Anfertigung eines EKGs, werde diese Entwicklung beschleunigen. Das bringe erhebliche Veränderungen für Ärzte und Krankenhäuser mit sich.

Im Podiumsgespräch bestand Einigkeit darüber, dass die IT-Landschaft von Krankenhäusern weiter wachsen und neueste Technologie anwenden werde. Eine zentrale Rolle werde auch Künstliche Intelligenz spielen und möglicherweise Teile der ärztlichen Tätigkeit übernehmen. Einigkeit bestand darin, dass maßgebliche Entscheidungen „dem Menschen vorbehalten bleiben müssen und nicht an eine Maschine abgegeben werden dürfen“. Moderiert wurde das Podium von Detlef Lübben und Oliver Seebass, den Geschäftsführern des Unternehmens FAC’T IT, einer auf IT-Dienstleistungen spezialisierten Tochtergesellschaft der St. Franziskus-Stiftung Münster. Mitarbeiter der Stiftung und ihrer Einrichtungen präsentierten schließlich konkrete Beispiele erfolgreich umgesetzter innovativer digitaler Projekte in der Krankenhausgruppe.

Das Mauritzer Krankenhausgespräch klang mit einem spirituellen Akzent aus: Die Konzeptkünstler Rupert König und Dr. Marius Stelzer präsentierten in der benachbarten Mutterhauskirche der Mauritzer Franziskanerinnen von Münster-St. Mauritz ihr Werk „VitaMorphose“. Diese multisensuale Kunstinstallation vereinigt Bilder, Lichteffekte und Soundtracks und greift damit einen Akzent des Tagungsthemas auf: Digitalisierung und Menschenbild in der modernen Medizin.

IT im Gesundheitswesen

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