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Wie Cortisol die Konfrontationstherapie bei Ängsten beeinflusst

Ruhr-Universität Bochum am 25.04.19


Angst vor Spinnen ist in der Bevölkerung weit verbreitet.
© Roberto Schirdewahn

Wenn Ängste vor Spinnen, Höhe oder dem Fliegen so extrem sind, dass sie Menschen im Alltag behindern, kann eine Verhaltenstherapie sinnvoll sein. Sie funktioniert gut, könnte aber wohl noch effizienter sein.

Wie eine Gabe des Stresshormons Cortisol die Konfrontationstherapie bei Angststörungen beeinflusst, haben Bochumer Psychologinnen und Psychologen untersucht. Aus früheren Studien war bekannt, dass Cortisol das Extinktionslernen, welches der Konfrontationstherapie zugrunde liegt, robuster machen kann. An einer Gruppe von Spinnenphobikern zeigte das Team um Prof. Dr. Armin Zlomuzica vom Zentrum für Psychotherapie der Ruhr-Universität Bochum (RUB) jedoch, dass eine Gabe von Cortisol nach der Konfrontation nicht vorteilhaft für die Patienten ist. Das Wissenschaftsmagazin Rubin der RUB berichtet.

„Verschiedene Studien haben gezeigt, dass man die Extinktion bei gesunden Probanden durch die Gabe des Stresshormons Cortisol beschleunigen oder besser verfestigen kann“, sagt Armin Zlomuzica. In diesen Studien nahmen die Patientinnen und Patienten Cortisol immer vor der Therapie ein. Die Bochumer Gruppe testete nun, was passiert, wenn sie das Medikament nach der Konfrontation mit dem angstauslösenden Objekt verabreichten. Die Idee: So könnten sie das Pharmakon gezielt nach erfolgreichen Konfrontationen einsetzen und somit nur die positiven Therapieerlebnisse verfestigen.

Versuch mit Spinnenphobikern

50 Menschen mit ausgeprägter Spinnenangst nahmen an der Studie teil. Die Hälfte erhielt nach der Konfrontationstherapie einmalig eine Cortisol-Tablette, die andere Hälfte ein Plazebo. Vor und nach der Konfrontation erfassten die Forscher, wie stark sich die Teilnehmerinnen und Teilnehmer vor Spinnen fürchteten. Die Patienten schätzten ihre Angst zum einen subjektiv ein; zum anderen absolvierten sie einen Annäherungstest, um ein objektives Maß für ihre Furcht zu erhalten. Dabei präsentiert der Therapeut oder die Therapeutin eine Spinne in einem Terrarium und bittet den Patienten, sich so weit wie möglich an das Tier anzunähern.

Unmittelbar nach der Therapie konnten sich die meisten Patienten der Spinne stärker annähern als vorher. Die Bochumer Forscher interessierten sich aber vor allem für die langfristigen Effekte. Daher wiederholten sie den Annäherungsversuch einen Monat und sechs Monate nach der Konfrontationstherapie, und zwar in zwei verschiedenen Kontexten: in dem Raum, in dem die Therapie stattgefunden hatte, und in einem anderen Raum mit einem andersfarbigen Terrarium und einem anderen Versuchsleiter.

Kontext entscheidend

„Unsere Studie hat gezeigt, dass das Gelernte durch das Medikament viel stärker an den Kontext gebunden wurde, was langfristig natürlich nicht gut ist“, erklärt Armin Zlomuzica. Die Cortisol-Einnahme machte es also wahrscheinlicher, dass die Patienten einen Rückfall erlitten, wenn sie der Spinne in einem neuen Kontext begegneten. Eine Cortisol-Gabe nach der Konfrontationstherapie scheint somit für die Betroffenen nicht vorteilhaft zu sein.

Ausführlicher Beitrag im Wissenschaftsmagazin Rubin

Einen ausführlichen Beitrag zum Thema finden Sie im Wissenschaftsmagazin Rubin unter https://news.rub.de/wissenschaft/2019-04-25-psychologie-angst-verlernen.

Gesundheitsforschung Psyche & Verhalten Gehirn & Nerven

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